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Neuer Sündenbock für den Auslöser der Krise: Unsere Gene

Montag, den 6. Juli 2009

Es gibt zahlreiche Ansätze dafür, wie die Finanzkrise nun tatsächlich zu stande kam und wer in der Verantwortung steht. Ganz klar sind die Bankendirektoren selbst, nicht ganz unschuldig. Eine aussergewöhnlichei Erklärung hat der Bonner Hirnforscher und Direktor der Klinik für Epileptologie, Christian Elger.

Er ist von seiner wissenschaftlichen Begrüdung überzeugt: die Gier nach Geld ist angeboren. Wie sehr Menchen auf “Bares” stehen, ist in einem Gehirnareal verortet. Laut Elger ist dabei das Belohnungszentrum im Gehirn, dessen Aktivierung zu “ungeahntem Wohlbefinden” führt, der Auslöser.

Besonders stark wird diese Struktur eben durch Geld aktiviert. Finanzmanager sind also äußerst hohen Reizen ausgesetzt: Durch permanente Steigerung der Einnahmen kann bei ihnen das Belohnungszentrum im Gehirn kontinuierlich aktiv sein. Genauso wie Geld theoretisch unendlich vermehrbar ist, verlockt auch das Belohnungszentrum zum weiteren Zocken. Elger erläutert:

Also geht es immer weiter, und je höher der Geldbetrag ist, desto mehr wird aktiviert.

Wie die Finanzkrise bestätigte, können riskiofreudige Manager für die Wirtschaft gefährlich werden. Nun stellt sich die Frage, ob solche Personen, die von ihrem Belohnungszentrum in der Finanzgier gejagt werden, von Führungspositionen ausgeschlossen werden sollten. Der Hirnforscher meint jedoch, dass es sich bei diesen Personen auch um Visionäre, die Entwicklungen vorantreiben, handle.

Glücklicherweise gibt es auch Personen, deren Belohnungszentrum nicht so stark auf die Reize des Geldes ansprechen, wie etwa Buchhalter. Seiner Ansicht nach müsste es eine gesunde Mischung aus Leuten geben, die Buchhaltertypen sind, und den Visionären.

Problematisch wird es dann, wenn es zu viele dieser Visionäre gibt, die rhetorisch überzeugen und Menschen mitreißen können. Nach Elger müssten Vorkehrungen getroffen werden, damit sich das System nicht verselbständigt.

Der Hirnforscher geht davon aus, dass Gentests zukünftig eines der Einstellungskriterien für Führungskräfte sein wird - so kann eine kritische Häufung von dem einen oder anderen Typ ausgeschlossen werden. Es bleibt also spannend. Vielleicht ist das der Weg, um eine weitere Finanzkrise zu vermeiden?

Wort des Jahres 2008: FINANZKRISE

Donnerstag, den 11. Dezember 2008

Endlich ist es amtlich. “Finanzkrise” wurde zum Wort des Jahres gekürt. Auf Platz zwei hat die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS)  gleich das Wort “verzockt” gewählt. Die beiden Wörter spiegeln wieder, was in 2008 besonders häufig in den öffentlichen Diskurs kam: die nervenaufreibende Dramaturgie an den Kapitalmärkten, ausgelöst durch die US-Hypothekenkrise. Die weltweite Krise an den Finanzmärkten hat quasi über Nacht Millionen von Geldern in Luft aufgelöst und somit “verzockten” zahlreiche Anleger und Unternehmen ihr Kapital.

FTD-Stummfilm: Der karikierte Wochenrückblick

Freitag, den 24. Oktober 2008

Wo sind all die Milliarden hin - eine Reise durch die Finanzkrise…

Freitag, den 24. Oktober 2008

Der “Blackout” an den Kapitalmärkten hat das Geld quasi in Luft aufgelöst - oder etwa nicht? Wie bereits J. M. de Rothschild  wusste: “Das Geld ist nicht weg, mein Freund. Es hat nur ein anderer.” Woher kommen denn jetzt die Unmengen an Geldern, die jetzt plötzlich die Notenbanken und Regierungen als Notstütze anbieten?

Alexandra Endres von DIE ZEIT hat die Geschichte der Finanzkrise illustriert. Schritt für Schritt ist dargestellt, wie das Geld wann und wohin gewandert ist… Hier eine kurze Zusammenfassung:

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Die Subprime-Krise steht im Februar 2007 in ihren Startlöchern: In den USA traten vermehrte Zahlungsausfälle bei Hypothekenkrediten auf. Plötzlich kommen die Darlehen an die nichtsolventen Hausbauer und -besitzer in Verruf: Denn sie können sich die Kredite gar nicht leisten und schon gar nicht die Anschlusskredite, die ihnen gewährt wurden.

Als Sicherheit hatten sie dann ja aber ihr Haus, das kontinuierlich an Wert gewann. Da haben Sie noch alle profitiert: von den Banken über die Handwerker hin zu den Häuslebauern selbst konnte jeder seinen Teil des “Gewinns” einstecken. bg-finanzkrise_3.gif

So weit so gut. Aber die Blase wird langsam größer - Banken werden mit der Kreditevergabe für die so hoch bewerteten Gebäude immer großzügiger. Die Besitzer gaben das Geld fleißig aus für dem Umbau oder die Erweiterung ihres Hauses, für Autos und sonstige Konsumgüter. Sie alle waren der Meinung, alles sei in bester Ordnung.

Denn der Wert ihres Besitzes, ihr Haus, stieg ja immer weiter an. Sie kurbelten damit die Wirtschaft an und alle Profiteure waren zufrieden. Zusätzlich zu den Maklern, Handwerkern und Banken bekamen sogar ausländische Unternehmer ein Stück vom Kuchen des Amerika-Booms ab. Vor Sicherheit trotzten dabei beide Seiten der Darlehen: Banken und Kreditnehmer.  Die Kreditinstitute verbrieften und verkauften die Darlehen sogar an andere Banken und Angestellte erhielten Boni bzw. Provisionen.

Die Pfandbriefe auf die Kredite sollten das Risiko für Kreditausfälle minimieren: denn die vielen Anleger könnten die “Last” ja gemeinsam tragen. Hier der erste große Fehler.

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Das Problem war nämlich: der Wert der Häuser wurde weit überschätzt und entsprechend waren die damit verbundenen Wertpapiere völlig überbewertet. US-Immobilien entwickeln sich zu einstürzenden Luftbauten - ihr Wert fiel ins Bodenlose. Gerade die Hausbesitzer, die sowieso schon eine geringe Bonität hatten, erhielten keine Anschlussdarlehen mehr und konnten die Darlehen mit den (meiste) steigenden Zinsen nicht mehr bewältigen.

Die leidtragenden waren zunächst die Kreditgeber. Denn in der Folge verloren diese Finanzpapiere, die die Banken auf Basis der Darlehen ausgaben und handelten, plötzlich stark an Wert: Banken und Hypothekenfinanzierer verloren so viel Geld, weil sie die Kreditverbriefungen an so viele Anleger weitergaben. Ihre Existenz wurde damit stark gefährdet. Sie wurden überall auf der Welt in den Strudel der Vermögensvernichtung gerissen. An den Börsenparketts verpuffte ein Großteil an Geld, das gar nicht reell vorhanden war. Die Krise nimmt ihren Lauf…

Der Gipfel der Krise ergibt sich aus der Pleite des Investmentgiganten Lehman Brothers. Nach den Banken haben auch Makler und Handwerker derbe Verluste zu verzeichnen: sie machten keine Geschäfte und saßen auf offenen Rechnungen. Den ausländischen Lieferanten blieben die Aufträge aus. Aus der Immobilienkrise entwickelte sich so eine Bankenkrise, die dann eine Wirtschaftskrise zur Folge hatte.

Aus den Profiteuren des Booms werden die Verlierer des Zusammensturzes. Nur Hausbesitzer, die vorher verkauften oder Banker, die frühzeitig das Geschäft abbrachen konnten ihre Gewinne einstecken.

bg-finanzkrise-4.gifDas Vermögen der Notenbanken floss in diesen Kreislauf. In der Grafik ist ersichtlich, wie das Geld bisher zirkulierte: Kreditinstitute beliehen sich gegenseitig und gaben das Darlehen meist nach kurzer Zeit ohne Probleme zurück.

Als jedoch beim Ausbruch der Immobilienkrise das ganze Geld verpuffte, war nicht mehr nachzuvollziehen, welche Anleger die verbrieften Hypotheken von den faulen Krediten gekauft hatten - auch die Investoren wusste das nicht. Zu kompliziert war die Struktur der Kreditpapiere. Niemand war vor Verlusten gefeit. Deshalb traute plötzlich keine Bank mehr der anderen.

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Kreditinstitute bangten um ihr Geld und glaubten, die Darlehen werden nicht mehr zurückgezahlt. Deshalb gingen sie Pleite. Und der “Flow” wurde unterbrochen bis er dann im letzten Jahr irgendwann völlig unterbrach. So ist es auch heute noch - der Geldfluss funktioniert nicht mehr und die Notenbanken weltweit versuchen, ihn wieder in Fahrt zu bringen.

 

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Seit dem Ausbruch der Krise füllten EZB, Federal Reserve und die anderen Zentralbanken nun bereites mehrmals das “Loch”, um Liquidität in die Märkte zu bringen.  Die Finanzspritzen sollen die Kreditinstitute beruhigen und den Geldkreislauf ankurbeln. Denn das neue Geld soll die Banken positiv stimmen, damit sie wieder den “alten” Kreislauf vor der Krise einsteigen.

bg-finanzkrise_7.gifDie Theorie der Zentralbanken ging nicht auf, wenngleich sie das einzig richtige taten. Kurze Zeit später nahmen sie die Euros und Dollars wieder zurück. Unter den Banken herrschte nach wie vor Misstrauen, so dass der Geldkreislauf weiterhin unterbrochen war. Wieder versuchten die Notenbanker im September 2007 einzugreifen. Die US-Notenbank bietet Unternehmen gar kurzfristige Darlehen im Tausch gegen Commercial Papers, das sind spezielle Anleihen.

Im System ist aber trotz der Kredite nicht mehr Geld vorhanden. Die Darlehen sind so kurzfristig, dass sie teilweise bereits nach 24 Stunden zurückgezahlt werden müssen.

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In Banken, Börsen und die Realwirtschaft eingreifen können die Notenbank außerdem über den Leitzins. Zu diesem Zinssatz werden Darlehen an Kreditinstitute ausgegeben. Banken können kleine Kredite aufnehmen und dann Geld an Unternehmen, Privatpersonen oder den Staat verleihen. Insgesamt wird aber kaum investiert und gespart - denn keiner kann sich die hohen Zinsen leisten. Die Folge des hohen Leitzinses sind eine abschwächende Wirtschaftskraft und damit ein gebremstes Wachstum. Aber hohe Zinsen dämmen auch vor einer Inflation, da nur ein bestimmtes Vermögen zur Verfügung steht.bg-finanzrkise_9.gif

Doch die Kreditinstitute behielten die Gelder lieber für sich. Um vor einem Wirtschafsrezession zu bewahren, senkten die Zentralbanken, allem voran die US-Notenbank, den Leitzinssatz.

Selbst das konnte die Finanzkrise nicht stoppen, wenngleich vielleicht die Auswirkungen ein wenig eindämmen. Da niedrigere Zinsen einen größeren Zufluss an Geldern bedeuten, ist die Gefahr einer Inflation gleichzeitig höher.

 

bg-finanzkrise_10.gifAls letzte Instanz kamen die Regierungen ins Spiel. Das Rettungspaket der USA, die Banken mit 700 Milliarden Dollar zu unterstützen, ist enorm. Woher nehmen die Vereinigten Staaten dieses Geld?

Da gibt es laut Frau Endres drei mögliche Wege für die US-Regierung:

Sie kann mehr Staatspapiere an Investoren abgeben, als vorgesehen. US-Staatsanleihen sind in dieser Finanzkrise sehr beliebt und haben den Ruf eines sicheren Investments. Dass die USA bankrott gehen, ist wohl sehr unwahrscheinlich.

Weitere Möglichkeit wäre eine Steuererhöhung. Dies würde allerdings der bereits belasteten Wirtschaft wenig zu gute kommen.

Wenn das Geld einfach gedruckt wird, dann steigt auch die Menge des Geldes, welches dem System zur Verfügung steht. Die Konsequenz: eine Inflation wäre kaum aufzuhalten! Insofern wären die beiden ersten Optionen ein sehr viel besserer Weg für den amerikanischen Staat.

Banker sind verzweifelt - Finanzkrise lässt Social Networks boomen

Dienstag, den 7. Oktober 2008

Fallende Firmenbewertungen und kein Ende in Sicht. Das ist aber nicht der einzige aktuelle Trend der Finanzszene. Er scheint den neuen Boom der Social Networks unter Bankern zu bewirken. So uninteressant die Web 2.0-Szene für Kapitalmarkt auch war - urplötzlich ist es “hipp“, sich online mit Gleichgesinnten zu vernetzen.

Pure Verzweiflung? Einsamkeit? Angst um den Job oder die abrupte Entdeckung der Nächstenliebe? Fakt ist, dass sich die Anzahl neuer Nutzer aus der Finanzbranche innerhalb der vergangenen sieben Wochen um 100 Prozent gewachsen ist, zumindest beim Social Networking-Dienst LinkedIn. Dort gibt es rund 500 Gruppen, die sich rund um das Thema “Bank” austauschen.

Bereits Börsenaltmeister André Kostolany wusste, dass Aktienmärkte „zu 90 Prozent aus Psychologie bestehen“. Dass Psychologie ein entscheidender Faktor am Kapitalmarkt ist, macht sich nicht nur bei den Anlegern bemerkbar, sondern - in Krisenzeiten wie diesen - gerade bei den sonst so kühlen Finanziers. In dieser ungewissen Phase suchen die panischen Finanzjongleure neue Kontakte - auch virtuell. Sicherlich spielt da die Hoffnung eine Rolle, über das Netzwerk notfalls einen neuen Finanzjob zu ergattern, der krisensicher(er) ist.

Angesichts der Bankencrashs weltweit ist klar, dass Millionen Menschen in der Bankenszene ihre Anstellung verlieren werden (müssen) bzw. bereits verloren haben. Laut Wirtschaftswoche entließen die Finanzinstitute bereits im letzten Jahr 140000 Leute. Wer noch vor eineinhalb Jahren eifrig dabei war, die steile Karriereleiter zu erklimmen, der steht heute häufig mit Leeren Händen vor einem Trümmerhaufen und bangt um seine Zukunft.

Eine Befragung von 28.000 LinkedIn Mitgliedern untermauert die Zukunftsängste, die sich aus der aktuellen wirtschaftlichen Lage ergeben. 42 Prozent der Studienteilnehmer fürchten angesichts der Kapitalmarktkrise um ihren Job. Unter den Führungspersonen sind es sogar mehr als 44 Prozent.

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Die aktuelle Finanzkrise ruft enorme Zukunftsängste hervor. (…) Die Studie macht aber auch deutlich, dass Online-Networking gerade in Krisenzeiten immer wichtiger wird.

Dies bestätigt Kevin Eyres, European Managing Director von LinkedIn. Ob die Finanzmanager tatsächlich über soziale Netzwerke ihre Karriere vorantreiben können, ist ungewiss. Sicherlich sind virtuelle Welten erst einmal eine gute Möglichkeit, um die Fühler auszustrecken. Immerhin sucht sogar der britische Geheimdienst MI6 neue Angestellte über Facebook.

Um von den Kontakten online zu profitieren, empfiehlt der LinkedIn-Manager eine langfristig ausgerichtete die Netzwerkpflege:

Um in Krisenzeiten über ein gut funktionierendes und belastbares Netzwerk zu verfügen, sollten Sie Ihr Netzwerk rechtzeitig aufbauen.

Gleichzeitig glaubt er aber auch, dass die zahlreichen Experten in den Social Netoworks kurzfristig spezielle Informationen für andere Nutzer bieten können - z.B. für die Recherche vor Bewerbungsgesprächen oder anderen geschäftlichen Treffen.

Aus Sicht des Headhunters Jan Bohlken ist es durchaus sinnvoll, in den Businessnetzwerken präsent zu sein. Allerdings betont er, wie wichtig persönliche Begegnungen und langfristige Beziehungen sind:

Richtig tragfähige Netzwerke entstehen nur, wenn man das durch Aktivitäten im echten Leben begleitet. (…) Niemand verschafft Menschen einen Job, die er nur über drei, vier Ecken  und dann auch nur aus dem Internet kennt.

Unabhängig davon bieten die meisten Sozialen Netzwerke, darunter auch Xing, bieten Online-Jobbörsen an. Doch Bankenjobs gibt es da wohl kaum!

Aktienanalysten haben falsche Versprechen geweckt

Donnerstag, den 21. August 2008

Das Vertrauen der Investoren haben Analysten im Zuge der Finanzkrise fast gänzlich verloren. Und das haben sie sich irgendwie selbst zuzuschreiben. Spätestens seit dem Kursverfall an den Börsen Mitte August 2007, einer Folge der US-Hypothekenkrise, sind die Anleger weltweit verunsichert. Einer der wenigen Anhaltspunkte für Marktprognosen sind da die Aktienanalysen, die Empfehlungen und Vorhersagen der Profis, auf die man sich eigentlich verlassen können sollte.

Im Gegenteil: offenbar konnten sie die Marktentwicklung offenbar genauso gut oder schlecht vorhersagen, wie jeder Andere (s. Blogeintrag: Astrologen sind in volatilen Zeiten die besseren Analysten). Insgesamt schätzten die Profis Firmenbewertungen weit zu optimistisch ein und haben damit durch ihre Bewertungen die Anleger getäuscht. Hier stellt sich auch die Frage, ob noch andere Einflussfaktoren eine Rolle spielten (s. Blogeintrag: Analyse gegen Bezahlung: Nebenwerte brauchen Kaufempfehlungen)

Ein Breakingviews-Korrespondent in New York, Robert Cyran, räumt ein:

Sicher, einige wenige haben die Probleme kommen sehen und ihre Kunden gewarnt. Und natürlich tragen die Analysten auch ein gewisses Maß an Verantwortung dafür, keine wilde Flucht auszulösen. Finanzinstitute sind auf Vertrauen aufgebaut. Eine verantwortungslose Empfehlung kann eine Panik in Gang setzen und eine Aktie schwer unter Druck bringen. Und doch gibt es einen Unterschied, ob man in einem voll besetzten Theater “Feuer” schreit oder ob man Hinweise verschickt, in denen erklärt wird, warum die Investoren den in Schwaden umherziehenden Rauch ignorieren sollen.

Für die zahlreichen Fehlbewertungen der Wall Street fehlt es nicht an Beispielen. So auch im Falle von Fannie Mae und Freddie Mag: heute sorgt man sich um die Finanzkraft der beiden größten US-Hypothekenfinanzierer. Mit einem Volumen von 3,4 Billionen Dollar stehen sie hinter jedem zweiten Immoblienkredit in den USA. Fallende Immobilienpreise und leer stehende Häuser in den USA sorgen weiter für einen Abwärtstrend. Das Fininanzministerium hat sich eingeschaltet und glaubt, dass eine Rettung nur auf Kosten der Stammaktionäre möglich ist. Trotzdem empfehlen Analysten die halbstaatlichen Immobilienfinanzierer nach wie vor zum Kauf. Die prognostizierten Kurse liegen dabei mehr als doppelt so hoch wie die aktuelle Marktkapitialisierung.

Auch bei der Versicherungsgesellschaft AIG, dem zweitgrößten Erstversicherungs-Konzern weltweit, haben die vermeintlichen Profianalysten sich einen weiteren Fehltritt geleistet, so Journalist Cyran. Die AIG-Aktien haben knapp 66 Prozent an Wert verloren. Nachdem die Gesellschaft 20 Milliarden Dollar neues Kapital einsammelte, ist nun wegen weiterer Verluste bei Credit Default Swaps , von weiterem Finanzierungsbedarf auszugehen. Denn vor zwei Wochen hat die AIG ihren dritten Quartalsverlust in Folge gemeldet. Mit so hohen Einbußen von 5,36 Milliarden Dollar hatte keiner gerechnet.

Trotzdem sind die Vorhersagen der Analysten extrem opmtistisch und damit irgendwie absurd. Gegenüber Breakingviews äußerte sich ein Analyst der US-Bank Goldman Sachs, dass niemand das Risiko bei einem  komplexen Geschäft wie der AIG einschätzen könne. Genau er war es aber auch, der bei der AIG ein Kursziel von 23 Dollar vorhergesagt - d.h. er empfand die Bewertung als stimmig. Viel positiver noch fielen die Kursprognosen seiner Kollegen aus, die bei rund 39 Dollar je Aktie lagen.

Mark Twain hat einmal gesagt: Prognosen sind eine schwierige Sache, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Altbewährt und trotzdem wahr. Angesichts der zahlreichen überoptmistischen Bewertungen sollten sich Anleger davor hüten, auf Basis von Aktienanalysen Geschäfte zu machen. In wessen Interesse die Experten wirklich handeln, ist unklar. Neutral können Analystenmeinungen jedenfalls nicht sein.

“Das Geld ist nicht weg, mein Freund. Es hat nur ein anderer.”

Montag, den 4. August 2008

In Deutschland haben die Dax-Konzerne im Zuge der Finanzkrise 250 Milliarden Euro an Wert verloren. Sie hätten sich “in Luft aufgelöst” wie die Süddeutsche schreibt. Wirklich weg ist das Geld allerdings nicht.

Weltweit hat die US-Hypothekenkrise zu Milliardenschäden geführt. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert, dass sich die Abschreibungen der Finanzinstitutionen auf rund eine Billion Dollar (635 Mrd. Euro) erhöhen werden.

Der bekannte Wirtschaftsexperte und Professor Nouriel Roubini warnt davor, dass Pleitewellen von hunderten von Banken folgen werden. Leidtragend sind die US-Steuerzahler - laut Roubini müssen sie mindestens 1 Billion Dollar an die Kreditinstitute zurückzahlen.

Doch zu Unrecht betrachten wir “nur” den Absturz der Werte und damit die schlechten Zeiten. Die Milliardenverluste der Banken und Aktionäre sind nämlich die eine Seite der Medaille. Es gibt sie, die stillen Gewinner auf der anderen Seite. Sie haben sich an der Krise eine goldene Nase verdient. Was J.M. de Rothschild bereits treffend formuliert hat, sollten wir nicht vergessen: “Ihr Geld ist nicht weg, mein Freund. Es hat nur ein anderer.” Ein Autor der Süddeutschen erklärt:

Viel Geld ist einfach umverteilt worden zwischen Banken aller Art, reichen Privatleuten und mächtigen Hedgefonds, zwischen Menschen, die Häuser zu überhöhten Preisen gekauft haben, und anderen, die sie zu überhöhten Preisen verkauft haben. Mit Wetten auf einen Absturz des Immobilienmarktes haben gerissene Hedgefondsmanager Milliarden verdient.

So hat auch der Hedgefondsmanager John Paulson die Finanzkrise kommen sehen und wurde mit seinen Wetten auf Immobilienkredite zu den erfolgreichsten Spekulanten aller Zeiten. Er verdiente im vergangenen Jahr die unvorstellbare Summe von 3,7 Milliarden Dollar. Sicherlich steckten seine Kunden noch größere Gewinne ein, als er selbst.

Aber genau das ist es, was unsere Marktwirtschaft möglich macht. Historiker Fritz Stern spricht im Manager-Magazin von “fehlende(n) Regelungen und beinahe schon verbrecherische(n) Finanzspekulationen” und fordert eine “Zivilsierung des Kapitalismus”. In diesem Zusammenhang stellt er auch die Frage, ob die überhöhten Managergehälter nicht gegen den sozialen Anstand einer Gesellschaft verstoßen.

Sicherlich stimmen ihm viele Aktionäre zustimmen - vor allem diejenigen, die aufgrund der Krise herbe Verluste hinnehmen mussten. Ihre Verunsicherung, aber auch Verärgerung ist es, die zu den sehr viel niedrigeren Aktionärszahlen im ersten Halbjahr 2008 geführt hat, wie das Deutsche Aktieninstitut (DAI) berichtet. Demnach besaßen nur noch 3,5 Mio. Anleger und damit 5,4 Prozent der deutschen Bevölkerung Aktien. Dies sind 13,1 Prozent weniger als noch im Vorjahr.

Gewinner-Aktien trotz Finanzkrise

Freitag, den 11. Juli 2008

Steigende Inflationsraten führen ganz klar zu niedrigeren Bewertungen am Aktienmarkt. Aber, es gibt sie noch: Aktien, mit denen man selbst in turbulenten Börsenphasen Gewinne erzielen kann. Welche das momentan sind? Das Handelsblatt hat darüber berichtet.

Analystenstudien zufolge haben sich Aktien der Energiebranche zu Inflationszeiten als Gewinner bewährt. Konsumgüteraktien dagegen mussten aufgrund der Teuerungsraten derbe Verluste einstecken. Schaut man sich die momentane Kurseentwicklung von Werten dieser Branche an, so ist dies immer noch zutreffend. Senior Strategist von Allianz Global Investors (AGI) erklärt gegenüber dem Handelsblatt:

Ein wichtiges Kriterium für die Aktienauswahl im inflationären Umfeld ist, inwiefern ein Unternehmen steigende Kosten weitergeben kann. Dies spricht für Unternehmen, die am Beginn der Produktionskette stehen, also die Roh- und Grundstoffindustrie sowie Öl- und Gastitel.

Daher sollten Anleger bei Investitionen in Werte aus dem Konsumgüterbereich besonders kritisch sein. Generell kommt es aber auch auf die Preismacht der Unternehmen an, die wiederum von der Marktpositionierung ihrer Produkte abhängig ist.

Schaut man sich die Unilever-Aktie an, so ist klar, dass Analysten die Marktlage völlig falsch eingeschätzt haben. Trotz der Produktbreite und Markenstellung des Konsumgüterherstellers hat die Aktie starke Verluste eingesteckt: momentan ist sie mit 17,50 Euro (XETRA) bewertet gegenüber dem 52-Wochenhoch von 25,34 Euro im Dezember letzten Jahres.

Die Aktie der KTG Agrar AG hat einen regelrechten Senkrechtstart in den letzten Monaten hingelegt: der Wert notiert momentan bei 18,90 Euro (XETRA) und hat sich damit von seinem 52-Wochentief von 9,55 Euro Ende Januar erholt.