Der “Blackout” an den Kapitalmärkten hat das Geld quasi in Luft aufgelöst - oder etwa nicht? Wie bereits J. M. de Rothschild wusste: “Das Geld ist nicht weg, mein Freund. Es hat nur ein anderer.” Woher kommen denn jetzt die Unmengen an Geldern, die jetzt plötzlich die Notenbanken und Regierungen als Notstütze anbieten?
Alexandra Endres von DIE ZEIT hat die Geschichte der Finanzkrise illustriert. Schritt für Schritt ist dargestellt, wie das Geld wann und wohin gewandert ist… Hier eine kurze Zusammenfassung:
Die Subprime-Krise steht im Februar 2007 in ihren Startlöchern: In den USA traten vermehrte Zahlungsausfälle bei Hypothekenkrediten auf. Plötzlich kommen die Darlehen an die nichtsolventen Hausbauer und -besitzer in Verruf: Denn sie können sich die Kredite gar nicht leisten und schon gar nicht die Anschlusskredite, die ihnen gewährt wurden.
Als Sicherheit hatten sie dann ja aber ihr Haus, das kontinuierlich an Wert gewann. Da haben Sie noch alle profitiert: von den Banken über die Handwerker hin zu den Häuslebauern selbst konnte jeder seinen Teil des “Gewinns” einstecken. 
So weit so gut. Aber die Blase wird langsam größer - Banken werden mit der Kreditevergabe für die so hoch bewerteten Gebäude immer großzügiger. Die Besitzer gaben das Geld fleißig aus für dem Umbau oder die Erweiterung ihres Hauses, für Autos und sonstige Konsumgüter. Sie alle waren der Meinung, alles sei in bester Ordnung.
Denn der Wert ihres Besitzes, ihr Haus, stieg ja immer weiter an. Sie kurbelten damit die Wirtschaft an und alle Profiteure waren zufrieden. Zusätzlich zu den Maklern, Handwerkern und Banken bekamen sogar ausländische Unternehmer ein Stück vom Kuchen des Amerika-Booms ab. Vor Sicherheit trotzten dabei beide Seiten der Darlehen: Banken und Kreditnehmer. Die Kreditinstitute verbrieften und verkauften die Darlehen sogar an andere Banken und Angestellte erhielten Boni bzw. Provisionen.
Die Pfandbriefe auf die Kredite sollten das Risiko für Kreditausfälle minimieren: denn die vielen Anleger könnten die “Last” ja gemeinsam tragen. Hier der erste große Fehler.

Das Problem war nämlich: der Wert der Häuser wurde weit überschätzt und entsprechend waren die damit verbundenen Wertpapiere völlig überbewertet. US-Immobilien entwickeln sich zu einstürzenden Luftbauten - ihr Wert fiel ins Bodenlose. Gerade die Hausbesitzer, die sowieso schon eine geringe Bonität hatten, erhielten keine Anschlussdarlehen mehr und konnten die Darlehen mit den (meiste) steigenden Zinsen nicht mehr bewältigen.
Die leidtragenden waren zunächst die Kreditgeber. Denn in der Folge verloren diese Finanzpapiere, die die Banken auf Basis der Darlehen ausgaben und handelten, plötzlich stark an Wert: Banken und Hypothekenfinanzierer verloren so viel Geld, weil sie die Kreditverbriefungen an so viele Anleger weitergaben. Ihre Existenz wurde damit stark gefährdet. Sie wurden überall auf der Welt in den Strudel der Vermögensvernichtung gerissen. An den Börsenparketts verpuffte ein Großteil an Geld, das gar nicht reell vorhanden war. Die Krise nimmt ihren Lauf…
Der Gipfel der Krise ergibt sich aus der Pleite des Investmentgiganten Lehman Brothers. Nach den Banken haben auch Makler und Handwerker derbe Verluste zu verzeichnen: sie machten keine Geschäfte und saßen auf offenen Rechnungen. Den ausländischen Lieferanten blieben die Aufträge aus. Aus der Immobilienkrise entwickelte sich so eine Bankenkrise, die dann eine Wirtschaftskrise zur Folge hatte.
Aus den Profiteuren des Booms werden die Verlierer des Zusammensturzes. Nur Hausbesitzer, die vorher verkauften oder Banker, die frühzeitig das Geschäft abbrachen konnten ihre Gewinne einstecken.
Das Vermögen der Notenbanken floss in diesen Kreislauf. In der Grafik ist ersichtlich, wie das Geld bisher zirkulierte: Kreditinstitute beliehen sich gegenseitig und gaben das Darlehen meist nach kurzer Zeit ohne Probleme zurück.
Als jedoch beim Ausbruch der Immobilienkrise das ganze Geld verpuffte, war nicht mehr nachzuvollziehen, welche Anleger die verbrieften Hypotheken von den faulen Krediten gekauft hatten - auch die Investoren wusste das nicht. Zu kompliziert war die Struktur der Kreditpapiere. Niemand war vor Verlusten gefeit. Deshalb traute plötzlich keine Bank mehr der anderen.

Kreditinstitute bangten um ihr Geld und glaubten, die Darlehen werden nicht mehr zurückgezahlt. Deshalb gingen sie Pleite. Und der “Flow” wurde unterbrochen bis er dann im letzten Jahr irgendwann völlig unterbrach. So ist es auch heute noch - der Geldfluss funktioniert nicht mehr und die Notenbanken weltweit versuchen, ihn wieder in Fahrt zu bringen.

Seit dem Ausbruch der Krise füllten EZB, Federal Reserve und die anderen Zentralbanken nun bereites mehrmals das “Loch”, um Liquidität in die Märkte zu bringen. Die Finanzspritzen sollen die Kreditinstitute beruhigen und den Geldkreislauf ankurbeln. Denn das neue Geld soll die Banken positiv stimmen, damit sie wieder den “alten” Kreislauf vor der Krise einsteigen.
Die Theorie der Zentralbanken ging nicht auf, wenngleich sie das einzig richtige taten. Kurze Zeit später nahmen sie die Euros und Dollars wieder zurück. Unter den Banken herrschte nach wie vor Misstrauen, so dass der Geldkreislauf weiterhin unterbrochen war. Wieder versuchten die Notenbanker im September 2007 einzugreifen. Die US-Notenbank bietet Unternehmen gar kurzfristige Darlehen im Tausch gegen Commercial Papers, das sind spezielle Anleihen.
Im System ist aber trotz der Kredite nicht mehr Geld vorhanden. Die Darlehen sind so kurzfristig, dass sie teilweise bereits nach 24 Stunden zurückgezahlt werden müssen.

In Banken, Börsen und die Realwirtschaft eingreifen können die Notenbank außerdem über den Leitzins. Zu diesem Zinssatz werden Darlehen an Kreditinstitute ausgegeben. Banken können kleine Kredite aufnehmen und dann Geld an Unternehmen, Privatpersonen oder den Staat verleihen. Insgesamt wird aber kaum investiert und gespart - denn keiner kann sich die hohen Zinsen leisten. Die Folge des hohen Leitzinses sind eine abschwächende Wirtschaftskraft und damit ein gebremstes Wachstum. Aber hohe Zinsen dämmen auch vor einer Inflation, da nur ein bestimmtes Vermögen zur Verfügung steht.
Doch die Kreditinstitute behielten die Gelder lieber für sich. Um vor einem Wirtschafsrezession zu bewahren, senkten die Zentralbanken, allem voran die US-Notenbank, den Leitzinssatz.
Selbst das konnte die Finanzkrise nicht stoppen, wenngleich vielleicht die Auswirkungen ein wenig eindämmen. Da niedrigere Zinsen einen größeren Zufluss an Geldern bedeuten, ist die Gefahr einer Inflation gleichzeitig höher.
Als letzte Instanz kamen die Regierungen ins Spiel. Das Rettungspaket der USA, die Banken mit 700 Milliarden Dollar zu unterstützen, ist enorm. Woher nehmen die Vereinigten Staaten dieses Geld?
Da gibt es laut Frau Endres drei mögliche Wege für die US-Regierung:
Sie kann mehr Staatspapiere an Investoren abgeben, als vorgesehen. US-Staatsanleihen sind in dieser Finanzkrise sehr beliebt und haben den Ruf eines sicheren Investments. Dass die USA bankrott gehen, ist wohl sehr unwahrscheinlich.
Weitere Möglichkeit wäre eine Steuererhöhung. Dies würde allerdings der bereits belasteten Wirtschaft wenig zu gute kommen.
Wenn das Geld einfach gedruckt wird, dann steigt auch die Menge des Geldes, welches dem System zur Verfügung steht. Die Konsequenz: eine Inflation wäre kaum aufzuhalten! Insofern wären die beiden ersten Optionen ein sehr viel besserer Weg für den amerikanischen Staat.