Aktien-Boom ade?
Donnerstag, den 6. August 2009Bundesbürger legen weniger Geld in Direktanlagen an. Dies zumindest bestätigt die aktuelle Befragung des Deutschen Aktieninstituts (DAI), an der sich 26.000 Anleger hierzulande beteilgten (PDF). Die Folgen des Finanzdebakels sind demnach ganz klar sichtbar: im ersten Halbjahr 2009 ist die Zahl der Aktienbesitzer im nur um 20.000 auf insgesamt 8,812 Millionen Anleger gestiegen. Das sind 13,6 Prozent der deutschen Bevölkerung.
Während zu boomenden New Economy Zeiten 12 Millionen Deutsche ihr Geld in Aktien anlegten, ging es bereits ab 2002 bergab mit der Zahl der Aktien- und Fondsbesitzer. Das zweite Halbjahres 2008 dann brachte den völligen Absturz - nicht nur des Systems: laut DAI waren es nur noch 8,792 Millionen Anleger.
Dass die Zahl der Aktionäre seid Krisenbeginn wieder leicht anstieg, ist allerdings nicht auf mehr Direktanlagen zurückzuführen. Vielmehr investierten (wieder) mehr Aktionäre in Fonds. Im Vergleich zählte das Institut nämlich mit 3,4 Millionen rund 190.000 weniger Direkt-Aktionäre. Fondsbesitzter gab es im ersten Halbjahr 2009 6,8 Millionen und damit 232.000 mehr als bei der letzten Auszählung. Insgesamt sind es 42.000 Neu-Anleger, wobei sich die beiden Gruppen natürlich auch überschneiden. Daher schätzt das DAI die reale Zahl der Börsen-Neulinge auf 20.000.
Schön ist, dass sich offenbar wieder mehr junge Leute für Aktien begeistern lassen. DAI-Vorstand Rüdiger von Rosen scheint beflügelt, gerade von der höheren Anzahl der unter 40-Jährigen - immerhin waren es in dieser Altersgruppe 117.000 mehr Aktienbesitzer:
Börsenpsychologe bei Cognitrend, Joachim Goldberg, sieht anhand der Zahlen keine Veränderung im Anlageverhalten:
Sieht man sich die Studie “Depression Babies” von der UC Berkley (PDF) an, so widersprechen die Ergebnisse der DAI-Untersuchung. Demnach entscheiden die ersten Börsenerfahrungen über die spätere Risikofreude der Anleger: viele junge Sparer zahlten zu Rezessionszeiten von 2000 bis 2003 viel “Lehrgeld” und gehen daher sehr vorsichtig mit Aktienkäufen um. Daher überrascht der Anstieg der Aktionärszahlen im ersten Halbjahr: gerade jetzt einzusteigen, ist mutig. Seit seinem Tiefstand im März von 3588 Punkten, legte der Dax 50 Prozent zu. Dennoch glaubt Goldberg, die wachsenden Aktionärszahlen sollten nicht überbewertet werden.
Harry Dent, Autor des gerade auf dem deutschen Markt erschienenen Buches “Depression Voraus! So kommen Sie sicher durch die Börsenflaute” kann auch keinerlei Optimismus für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung teilen. Er glaubt, dass die Depression in Amerika bis 2012 anhalten wird:
Die Meinungen gehen also klar auseinander und man rufe sich auch in Erinnerung, dass Börsenpropheten überoptimistisch und träge sind, wie im vorangegangen Artikel beschrieben. Verlass ist also auf Prognosen generell nicht. Und von der steigenden Aktionärszahlen auf ein Ende der Depression zu schließen, wäre schlichtweg naiv. Dennoch gibt die gute Perfomance des DAX 30, der sich zur Zeit auf seinem Jahreshoch befindet, Hoffnung!



