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Abgeltungsteuer: Aktionäre verlieren, nur die Reichen gewinnen

Dienstag, den 15. Juli 2008

Es ist vorbei mit der Steuerfreiheit für Aktien, die für mindestens zwölft Monate gehalten werden. Ab Januar 2009 verdient der Vater Staat kräftig mit an Kursgewinnen: Aktien werden wie andere Geldanlagen besteuert, und zwar mit 25 Prozent. Die Spekulationssteuer, die im ersten Jahr auf Aktiengewinne fällig wurde, orientierte sich am Steuersatz. Ab sofort gilt der Pauschaltarif. Wer höhere Steuersätze zahlt, profitiert.

Gleiches gilt für Dividenden, bei denen bisher nur die Hälfte des Gewinns besteuert werden musste. Auch können Aktionäre Fahrtkosten zur Hauptversammlung, Verkaufsspesen und Depotgebühren nicht mehr steuerlich geltend machen (Quelle: Der Spiegel).

Wenn Anleger noch in diesem Jahr Aktien kaufen, können sie die alte Regelung noch ausnutzen: Kursgewinne aller Aktien und Fonds, in die sie bereits investiert sind, bleiben steuerfrei - nach der Spekulationsfrist und unabhängig, wie lange die Aktien gehalten werden. Nur der neue Steuersatz von 25 Prozent auf die Dividenden dieser Aktien bleibt dann im nächsten Jahr nicht aus. Die Besteuerung ist ein klarer Nachteil für Privatanleger, die bisher die Kursgewinne komplett einbehalten konnten.

Für wen die steuerliche Bevorzugung bleibt, sind die Großen und Reichen: Banken, Versicherungen und vermögende Privatkunden müssen nicht zahlen. Ihre Berater haben sich auf die Umgehung dieses Gesetzes spezialisiert. Ganz einfach, zum Beispiel über Versicherungsmäntel nach Liechtensteiner Recht, kann man die Abgeltungsteuer umgehen - legal. Vermögensverwalter Frank Schneider bestätigt gegenüber dem Spiegel:

Die kleinen Sparer werden viel stärker als die großen durch die Abgeltungsteuer belastet.

Privatanlegern werden zur Umgehung der Abgeltungsteuer fondsgebundene Lebensversicherungen angeboten. Der Haken ist, dass diese Versicherungsverträge sich steuerlich nur lohnen, wenn man über einen langen Zeitraum spart, wie das Handelsblatt berichtet.

Offenbar zu Unrecht empfehlen Banken ihren Kunden derzeit, in Dach- und Mischfonds zu investieren. Experten wie Christian Kreuser von der Quirin Bank warnen aber aufgrund der hohen Fondsgebühren vor deren Rentabilität. Die nämlich fressen machen die Steuerersparnis wieder zunichte.

Deshalb bleibt die Direktanlage attraktiv, so Michael Huber vom VZ Vermögenszentrum in der FAZ:

Auch wenn Aktien ihren Steuervorteil einbüßen, sind sie in Zukunft die rentierlichste Anlageklasse - sogar nach Steuern.