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Aktienanalysten haben falsche Versprechen geweckt

Donnerstag, den 21. August 2008

Das Vertrauen der Investoren haben Analysten im Zuge der Finanzkrise fast gänzlich verloren. Und das haben sie sich irgendwie selbst zuzuschreiben. Spätestens seit dem Kursverfall an den Börsen Mitte August 2007, einer Folge der US-Hypothekenkrise, sind die Anleger weltweit verunsichert. Einer der wenigen Anhaltspunkte für Marktprognosen sind da die Aktienanalysen, die Empfehlungen und Vorhersagen der Profis, auf die man sich eigentlich verlassen können sollte.

Im Gegenteil: offenbar konnten sie die Marktentwicklung offenbar genauso gut oder schlecht vorhersagen, wie jeder Andere (s. Blogeintrag: Astrologen sind in volatilen Zeiten die besseren Analysten). Insgesamt schätzten die Profis Firmenbewertungen weit zu optimistisch ein und haben damit durch ihre Bewertungen die Anleger getäuscht. Hier stellt sich auch die Frage, ob noch andere Einflussfaktoren eine Rolle spielten (s. Blogeintrag: Analyse gegen Bezahlung: Nebenwerte brauchen Kaufempfehlungen)

Ein Breakingviews-Korrespondent in New York, Robert Cyran, räumt ein:

Sicher, einige wenige haben die Probleme kommen sehen und ihre Kunden gewarnt. Und natürlich tragen die Analysten auch ein gewisses Maß an Verantwortung dafür, keine wilde Flucht auszulösen. Finanzinstitute sind auf Vertrauen aufgebaut. Eine verantwortungslose Empfehlung kann eine Panik in Gang setzen und eine Aktie schwer unter Druck bringen. Und doch gibt es einen Unterschied, ob man in einem voll besetzten Theater “Feuer” schreit oder ob man Hinweise verschickt, in denen erklärt wird, warum die Investoren den in Schwaden umherziehenden Rauch ignorieren sollen.

Für die zahlreichen Fehlbewertungen der Wall Street fehlt es nicht an Beispielen. So auch im Falle von Fannie Mae und Freddie Mag: heute sorgt man sich um die Finanzkraft der beiden größten US-Hypothekenfinanzierer. Mit einem Volumen von 3,4 Billionen Dollar stehen sie hinter jedem zweiten Immoblienkredit in den USA. Fallende Immobilienpreise und leer stehende Häuser in den USA sorgen weiter für einen Abwärtstrend. Das Fininanzministerium hat sich eingeschaltet und glaubt, dass eine Rettung nur auf Kosten der Stammaktionäre möglich ist. Trotzdem empfehlen Analysten die halbstaatlichen Immobilienfinanzierer nach wie vor zum Kauf. Die prognostizierten Kurse liegen dabei mehr als doppelt so hoch wie die aktuelle Marktkapitialisierung.

Auch bei der Versicherungsgesellschaft AIG, dem zweitgrößten Erstversicherungs-Konzern weltweit, haben die vermeintlichen Profianalysten sich einen weiteren Fehltritt geleistet, so Journalist Cyran. Die AIG-Aktien haben knapp 66 Prozent an Wert verloren. Nachdem die Gesellschaft 20 Milliarden Dollar neues Kapital einsammelte, ist nun wegen weiterer Verluste bei Credit Default Swaps , von weiterem Finanzierungsbedarf auszugehen. Denn vor zwei Wochen hat die AIG ihren dritten Quartalsverlust in Folge gemeldet. Mit so hohen Einbußen von 5,36 Milliarden Dollar hatte keiner gerechnet.

Trotzdem sind die Vorhersagen der Analysten extrem opmtistisch und damit irgendwie absurd. Gegenüber Breakingviews äußerte sich ein Analyst der US-Bank Goldman Sachs, dass niemand das Risiko bei einem  komplexen Geschäft wie der AIG einschätzen könne. Genau er war es aber auch, der bei der AIG ein Kursziel von 23 Dollar vorhergesagt - d.h. er empfand die Bewertung als stimmig. Viel positiver noch fielen die Kursprognosen seiner Kollegen aus, die bei rund 39 Dollar je Aktie lagen.

Mark Twain hat einmal gesagt: Prognosen sind eine schwierige Sache, vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen. Altbewährt und trotzdem wahr. Angesichts der zahlreichen überoptmistischen Bewertungen sollten sich Anleger davor hüten, auf Basis von Aktienanalysen Geschäfte zu machen. In wessen Interesse die Experten wirklich handeln, ist unklar. Neutral können Analystenmeinungen jedenfalls nicht sein.