Die Gefahren des Klimawandels, knapper werdende Ressourcen und Preisanstiege rufen immer mehr ins Bewusstsein, dass eine globale Lösung zur Energiebeschaffung dringend notwendig ist. Desertec ist ein äußerst vielversprechendes Projekt zur Energieversorgung Europas. Das Projekt sieht vor, in Afrika erzeugten Solarstrom nach Deutschland und Europa fließen zu lassen. Das energiepolitische Ziel ist dabei hoch: Etwa 15 Prozent des europäischen Strombedarfs ließen sich mit geeigneten Kraftwerken und einem entsprechenden Leitungsnetz decken.
Schon bald soll das Projekt konkrete Formen bekommen: Die Münchener Rück, die sich an die Spitze der Initiative gesetzt hat, hat für den 13. Juli zu einem Gründungstreffen nach München geladen. Die Liste der teilnehmenden Unternehmen ist lang und prominent: DAX 30 Werte wie Deutsche Bank, Siemens, die Energieversorger RWE und E.ON sind mit an Bord. Desertec-Aufsichtsratvorsitzender Gerhard Knies betont:
Die Zeit scheint reif zu sein für ein wirklich großangelegtes Manöver gegen den Klimawandel.
Mit der Sonne die Energieprobleme der Zukunft zu lösen, ist eine verlockende und gleichzeitig ehrgeizige Idee. Doch welche Chancen hat das Projekt?
Kritiker bemängeln, dass der politische Wille für die Umsetzung dieses Projekts zu gering ist. Auch die Finanzierung des 400 Milliarden Euro teuren Vorhabens ist unklar. Hinzu kommt, dass die Kosten für die Solarstromerzeugung weit über den Kosten heimischer Kern- oder Braunkohlekraftwerken liegen. Selbst beim weltgrößten Rückversicherer Münchener Rück bleibt man realistisch:
Es ist natürlich im Moment noch Zukunftsmusik, aber das überwältigende Interesse zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.
Auch die beteiligten Unternehmen bremsen die Euphorie. E.ON-Chef Wulf Bernotat räumt ein, dass die Idee zwar interessant sei, sich allerdings noch in einem ganz frühen Anfangsstadium befinde.
Befürworter von Desertec heben vor allem die großen Potenziale des Projekts hervor, wie etwa die Schaffung von Arbeitsplätzen. Investitionen in nachhaltige Energien könnten auch wirtschaftlich sinnvoll sein. Besonders in Zeiten der Krise ist es sinnvoll, in Zukunftstechnologien investieren. Das Konzept für eine globale Klima- und Energiewende könnte eines der größten privaten Ökostrom-Initivatiativen werden
Ein weiterer Großkonzern, der sich um alternative Energien für Europa kümmert, ist Nabucco. Das Projekt für eine internationale Gaspipeline will Erdgas aus dem kaspischen Becken durch die Türkei und den Balkan nach Mitteleuropa befördern. Auch RWE gehört zu den Nabucco-Investoren.

Nabucoo und Desertec: beide Projekte sind visionär und ambitioniert. Unerschöpfliche, nachhaltige Energie ist dann keine Utopie mehr. Die Technik könnte es möglich machen - Politik und Investitionen müssten folgen. In jedem Fall sind Unternehmen aus diesem Umfeld auch für Privatanleger ein rentable Anlage-Option.