Archiv der Kategorie ‘Nachrichten‘

Nur wer spart hat eine Chance

Dienstag, den 3. November 2009

Die Krise in der Automobilbranche hält weiter an. Enttäuschende Quartalszahlen legte auch das Dax 30 Unternehmen Volkswagen am letzten Donnerstag vor: Der Autobauer hat im dritten Quartal einen stärkeren Gewinnrückgang im operativen Geschäft verbucht als erwartet. So ist der Gewinn des Konzerns um über 82 Prozent nur noch auf 655 Millionen Euro eingebrochen. Erstaunlicherweise blieb die Aktie aber von den Zahlen verschont. Sie ist weiterhin gefragt und konnte um mehr als 2 Prozent zunehmen. Grund dafür ist der positive Ausblick für das Gesamtjahr. Europas größter Autobauer geht davon aus, um Vergleich zum Gesamtmarkt besser abzuschneiden und in der Krise Marktanteile zu gewinnen. Das ist aber nur möglich, wenn der Autobauer in Zukunft seinen Sparkurs erhöht.

Wie man erfolgreich spart, hat Daimler unter Beweis gestellt: Mit einem milliardenschwären Sparprogramm konnte Daimler im dritten Quartal einen kleinen Nachsteuergewinn von 56 Millionen Euro erwirtschaften. Zum Gewinn trugen vor allem der Abbau von Lagerbeständen bei, die durch Überproduktion entstanden sind, sowie Kurzarbeit, die die Personalkosten entlasten konnte. Im nächsten soll weiter gespart werden - nochmals 4 Milliarden Euro. Vorstandschef Dieter Zetsche zieht positive Bilanz:

Wir haben in den vergangenen Monaten die Krise zunehmend gemeistert.

Die Zukunft wird für die Autobauer weiterhin belastend sein. Analysten schätzen 2010 aufgund der weltweit schwierigen Automärkte als “herausfordernd” ein. Nachhaltiges Wachstum wird wohl noch auf sich warten lassen.

Aktienspurt bald vorbei

Dienstag, den 20. Oktober 2009

Seit dem letzten Tief im März haben die Aktienmärkte eine beeindruckende Aufholjagd hingelegt - Der Dax konnte sogar 60 Prozent zulegen. Profitiert haben die Aktienkurse vor allem vom großen Optimismus unter den Anlegern. Mit dem schnellen Anstieg der Kurse könnte es allerdings schon bald vorbei sein.

Wie die Vergangenheit zeigt, erholt sich die Wirtschaft nach einer Finanzkrise nur sehr langsam. Große Wachstumsschübe sind da selten. Dies haben etwa die amerikanischen Wirtschaftsforscer Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff ermittelt, die Finanzkrisen seit dem Mittelalter untersucht haben. Die Geschichte zeigt: Nach der Rezession schleicht die Wirtschaft meist derart, dass sie erst nach mehreren Jahren wieder das Vorkrisenniveau erreicht. Dies verdeutlicht sich auch in den Aktienmärkten. Aktienstratege Teun Draaisma von der Investmentbank Morgan Stanley hat beim Dax eine ähnliche Entwicklung beobachtet: Nach seinen Untersuchungen bewegt sich der Dax bislang für eine Krise recht durchschnittlich, er ist nur deutlich schneller, als in früheren Krisen. Erst ging es durchschnittlich 56 Prozent nach unten, dann - vom niedrigeren Niveau aus - 70 Prozent nach oben. Danach bewegten sich die Aktien jahrelang kaum von der Stelle. Draaisma sieht den Grund für diese Bewegung vor allem in Strukturproblemen:

Nach großen Krisen hatte die Wirtschaft immer ein Strukturproblem. Dieses Mal gibt es zu viele Schulden in der Wirtschaft. Die sind noch da, sie sind nur inzwischen beim Staat.

Auch Alexander Krüger, der Leiter der Kapitalmarktanalyse beim Bankhaus Lampe, rechnet mit einem Ende der Aktienrally:

Der Aufwärtstrend der vergangenen acht bis zehn Wochen ist mit wirtschaftlichen Daten nicht zu erklären.

Richtig kritisch könnte nach Krüger das nächste Jahr sein, wenn Anleger von der schleppenden Entwicklung der Wirtschaft enttäuscht würden. Dazu kommt, dass die Notenbanken damit anfangen müssten, ihr Geld wieder einzusammeln. Dadurch könnte der Wirtschaft wieder eine Menge Geld entzogen werden - Geld, das momentan noch die Aktienkurse unterstützt.

Cayman Islands vor der Pleite

Dienstag, den 15. September 2009

Wie rasant es mit einer Bank bergab gehen kann, das hat der Zusammenbruch der Lehman Brothers heute vor genau einem Jahr bewiesen. Nicht nur Institutionen, auch ganze Systeme können auf diese Pleite gehen. Nach Liechtenstein ist nun ein weiteres Steuerparadies bedroht. Die beliebte Karibikinsel Cayman Islands steht kurz vor dem Staatsbankrott. Inzwischen ziehen ausländische Anleger Gelder in Milliardenhöhe ab. Die Geldabflüsse könnten das Ende der Steueroase bedeuten.

Nun drängt die britische Regierung die einstige Kolonie indirket zur Einhebung von Steuern. Für andere Länder nichts Ungewöhnliches - für die Karibikinsel jedoch völliges Neuland. Schließlich müssen die rund 50.000 Einwohner bis dato keine direkten Steuern, wie Einkommens- und Unternehmenssteue, zahlen. Gerade wegen der nahezu Steuerfreiheit ist der kleine Staat zu einem der bedeutendsten Finanzmärkte geworden und lockt zahlreiche Firmen an - rund 80.000 Unternehmen sind heute auf der Insel vertreten. Mit der Steuerfreiheit könnte nun Schluss sein. Die britische Außenamtsministerin Chris Bryant erklärte dem Regierungschef der Kaimaninseln McKeeva Bush:

Ich fürchte, es wird ihnen nichts anderes übrig bleiben, als neue Steuern einzuführen. Möglicherweise Einkommen- und Körperschaftsteuern wie auf den Virgin Islands.

Zur schlechten Lage der Cayman Islands kommt hinzu, dass der Staat bereits stark belastet ist. Aufgrund der hohen Schäden der Hurrikans, etwa des Hurrikans Ivan, musste der Staat viel Geld in die Infrastruktur investieren. Außerdem zieht es immer weniger Unternehmen auf die Karibikinsel. Im Zuge der Finanzkrise werden weniger Geschäftslizenzen vergeben. Die eingebrochene Nachfrage bedeutet für die Insel erheblich weniger Einnahmen, schließlich kostet eine Geschäftslizenz für eine Bank rund 620.000 US-Dollar. Da der Staat keine Steuern erhebt, sind dies fast die einzigen Einnahmen. Die Verschuldung des kleinen Staates liegt inzwischen bei knapp 600 Millionen US-Dollar, ein gigantisches Haushaltsloch.

Ob tatsächlich dirkete Steuern eingeführt werden, ist noch unsicher. Der Regierungschef lehnte die Einführung von Unternehmens- oder Einkommenssteuern ab und versprach:

Alles zu tun, um durch diese turbulenten Zeiten zu kommen.

Die Tourismus- und Finanzbranche soll dabei ungeschadet bleiben, sodass das Steuerparadies wohl auch in Zukunft bestehen bleibt.

Grund zur Freude gibt es dagegen bei der Entwicklung der Weltwirtschaft. Nach einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge dürften sich die Märkte schneller erholen als erwartet. Die Konjunktur werde besonders angekurbelt durch China - hier wuchs die Wirtschaft im zweiten Quartal zweistellig. Außerdem würden sich die Immobilienmärkte in den USA und Großbritannien erholen.

Auch für Deutschand dürfte der Einbruch 2009 weniger stark ausfallen: Für das dritte Quartal erwartet die OECD in Deutschland ein Wachstum von 4,2 Prozent. Im vierten Quartal sollen es noch 1,8 Prozent sein.

Das Aus für Escada

Mittwoch, den 12. August 2009

bild-12.pngNun ist es amtlich. Der größte deutsche börsennotierte Damenmodekonzern stand vor der unmittelbaren Zahlungsunfähigkeit. Nur 46 Prozent der Gläubiger willigten gestern dem Umtauschangebot ein - erforderlich waren mindestens 80 Prozent. Heute gab der Escada-Chef Bruno Sälzer die endgültige Insolvenz bekannt, was aus seiner Sicht aber nicht unedingt das Scheitern der Marke Escada bedeute.

Die Entwicklung war absehbar. Bereits im letzten Jahr lagen die Verluste bei 70 Millionen Euro. Und im ersten Halbjahr brach der Umsatz um knapp 30 Prozent ein. Entsprechend der Entwicklung des Unternehmens verlor Escada an der Börse daramtisch an Wert. Auf der Hauptversammlung April führte Sälzer die sich abzeichnende Pleite auf “Defizite in der Modeaussage” zurück. Sprich: die shoppenden Kundinnen blieben aus, weil die Marke an Reputation verloren hatte.

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Für die Aktionäre von Escada sieht es schlecht aus, sie werden vermutlich leer ausgehen. Dies vermutet Christian Douglas, Analyst DZ-Bank in einer Analyse, die einen Restwert der Aktie von 50 Cent berechnete. Laut Studie sind Werte und Verbindlichkeiten der Gesellschaft in etwa gleichwertig. Zu den Großaktionäre des einstigen Modeimperiums gehören die Famlien Herz mit etwa 25 Prozent Anteilen, der russische Investor Rustam Aksenenko mit 21 Prozent und Bestinver aus Spanien mit rund 10 Prozent.

Was nun mit den fast 500 Mitarbeitern im Bayrischen Aschheim passiert, ist unklar. Sicherlich ist die Geschichte vom Traditionskonzern Escada nur repärsentativ für die fatalen Auswirkungen der Finanzkrise. Luxuskonzerne haben es da sicherlich besonders schwer.

Erfolgreiches Millionendepot mit Freenet, Sixt, Medigene und Porsche

Donnerstag, den 9. Juli 2009

Seit einem Viertel Jahrhundert beschäftigt sich der Börsenexperte Gerd Weger mit Direktanlagen. Sein neu aufgelegtes Millionendepot stockte er am 1. Juli mit den Aktien von SixtFreenet, Medigene und nun auch Porsche auf. Freenet bekommt dem Depot dabei besonders gut: der Wert ist mittlerweile bereits um gut sieben Prozent gestiegen.

FREENET AG (WKN A0EAMM) - Aktienkurs, Aktien Analysen, Chartverlauf

Nicht umsonst erhielt die Internet-Aktie auf auf myStocks 40 Buy-Empfehlungen in den letzten sechs Monaten. So war die Ersteinschätzung des Deutsche Bank-Analysten Benjamin Kohnke:

Die Aktien des Telekommunikationsunternehmens seien auf dem besten Weg zu einer attraktiven Dividendenaktie zu werden (…) Das Kerngeschäft Mobilfunk sei eine Cash-Maschine und die Ablösung von Randaktivitäten dürfte für zusätzliche Fantasie sorgen.

Und genau diese Studie war es auch, die Gerd Weger zum Kauf der Freenet-Aktie veranlasste. Neben den Werten von Sixt und Freenet entschied sich Weger auch für eine Investition in Medigene, Biotechnologieunternehmens, dessen Aktie aktuell an Wert gewinnt. Der Kauf der Porsche-Aktie brachte zunächst leichte Verluste. Insgesamt legt der Börsenprofi Wert auf eine breite Streuung und ein ausgeglichenes Verhältnis der Direktanlagen in seinem Depot. Klarim Fokus stehen, so Wegner in einem Interview mit Der Aktionär, deutsche Aktien:

Internationale Titel wer den bei Bedarf beigemischt. Die Trennlinie zwischen konservativen und spekulativen Aktien wurde mit der Finanzkrise stark verwischt. Für das Depot heißt das, dass nicht nur mit kleinen Werten, sondern durchaus auch mit DAX-Aktien kurz fristig getradet werden kann.

Wegers Ziel mit dem Millionendepot ist selbstwusst. Er ist bereits auf einem guten Weg dahin, die „deutliche Outperformance gegenüber den wichtigen Indizes DAX 30 & Co” zu erreichen. Wir sind gespannt und berichten vom Status Quo!

Stichtag für Porsche: Hexensabbat

Freitag, den 19. Juni 2009

Heute wird es für Porsche spannend: An der Börse laufen die Optionsgeschäfte aus. Börsianer nennen diesen Freitag “Hexensabbat” - ein Tag, in dem Aktienkurse verrückt spielen können. 

Ein kurzer Rückblick: Porsche hält inzwischen knapp 51 Prozent an VW. Dazu kommt, dass sich der Sportwagenbauer im Frühjahr 2008 mit über Optionen mit Banken sich den Zugriff auf weitere VW-Anteile gesichert hat.

Noch weiß niemand, wann das Geschäft auf die Optionen ausläuft - ob möglicherweise am Hexensabbat - auch der Preis ist unbekannt. Sollte Porsche jedoch die Kaufoptionen einlösen müssen, könnte es für Porsche brenzlig werden. Aktienhändler bei Close Brothers Seydler, Oliver Roth erklärt:

Rund 640.000 Verkaufsoptionen auf VW laufen aus

Jede Option bezieht sich auf 100 Aktien - das entspricht rund 64 Millionen der VW-Aktien und knapp 22 Prozent der 295 Millionen umlaufenden Aktien. Gegen eine Prämie haben sich Institute das Recht gesichert, Porsche zu einem bestimmten Zeitpunkt VW-Aktien zu verkaufen. Nun stellt sich die Frage: Hat sich Großaktionär mit den komplexen Optionsgeschäften verwettet oder kommt Porsche unversehrt davon? Im schlimmsten Fall könnte Porsche Milliarden Euro verlieren. Christian Breitsprecher, Automobilanalyst der Privatbank Sal.Oppenheim sieht die Lage von Porsche eher skeptisch: Er schätzt den möglichen Verlust für den Automobilhersteller durch die Put-Optionen auf 3,5 Milliarden Euro.

Schon seit längerer Zeit steht Porsche unter Druck. Durch die Austockung der Beteiligung an VW musste Porsche hohe Schulden auf sich nehmen. Inzwischen hat sich Porsche Kredite in Höhe von 10,75 Milliarden gesichert. Weitere 1,75 Milliarden sollen zusätzlich von der staatlichen Förderbank KfW kommen. Dazu kommt der ständige Machtkampf an der Spitze und der jüngste Absatzeinbruch - Faktoren, die für Porsche turbulente Zeiten auslösen.

Heute schaut die gesamte Börse auf die Porsche und VW-Aktien. Es könnte zu einem der bedeutendsten Tage für die Automobilhersteller werden, schließlich gehiti eis um die Zukunft von Porsche und VW. Alles ist möglich: VW könnte noch als Tochter von Porsche enden - genauso ist das Gegenteil möglich - oder es passiert nichts. Warten wir es ab!

Arcandor – Der Staat hilft nicht, was nun?

Donnerstag, den 4. Juni 2009

Dem Handels- und Touristikkonzern Arcandor steht das Wasser bis zum Halse. Nach tagelangem Tauziehen erscheint die Arcandor-Rettung fast aussichtslos. Nach Einschätzung der EU-Kommission kann das Unternehmen nicht auf die beantragte Staatshilfe hoffen. Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) betonte vor einer Sitzung des Wirtschaftsausschusses in Berlin, dass die EU-Kommission eine „sehr klare Ansage“ gemacht habe: Hoffnung auf Hilfen aus dem Deutschlandfonds gibt es nicht. Den der Kaufhauskonzern steckte schon zum 1. Juli 2008 in Schwierigkeiten und kann damit ein entscheidendes Kriterium für die Staatsspritze nicht erfüllen.

Arcandor beschäftigt knapp 50.000 Angestellte in mehr als 110 Waren- und Sporthäusern sowie im Versandhandel - entsprechend enorm ist der Druck, der auf dem Konzern lastet: bis zum 12. Juni braucht er 650 Millionen Euro, sonst gibt es kein Entkommen mehr aus der Insolvenz. Wie also könnte man ohne Staatshilfe trotzdem die bedrohten Arbeitsplätze retten? Bundeswirtschaftsminister zu Guttenberg rät dem Konzernchef Karl-Gerhard Eick, bei der EU eine Rettungsbeihilfe zu beantragen. Das Problem: diese zieht strenge Restrukturierungsmaßnahmen nach sich - Arcandor müsste dann 30 bis 50 Prozent seines Geschäftes und damit Arbeitsplätze aufgeben. Ein eher ernüchternder Ausweg. Eine Alternative bietet laut zu Guttenberg aber der Einstieg privater Investoren.

Im Kampf um Arcandor will nun Metro-Chef Cordes sich mit Kanzlerin Merkel und Vize Steinmeier zur möglichen Fusion der Warenhäuser beider Konzerne unterhalten. So könnten 60 von 90 Karstadt-Filialen erhalten bleiben. Derzeit überprüft die SPD Überbrückungskredite und wird damit zur “Besten Freundin Arcandors“. Die Zeit drängt und die Politik sollte im Falle des Kaufhauskonzerns zu einer schnellen Lösung zu finden.

Am Beispiel von Arcandor zeigt sich, dass in Zeiten der Finanzkrise viele Unternehmen von den Staatshilfen profitieren wollen. Der Konzern ist kein direktes Opfer der Finanzkrise und setzt doch alle Hoffnungen auf eine Bürgschaft. Der Einfluss des Staates in Relation zur gesamtwirtschaftlichen Leistung war noch nie so hoch. In diesem Jahr werden sich die Staatsausgaben auf mehr als 300 Milliarden Euro belaufen! Wo soll das nur hinführen?

Dem früheren Bundeskanzler Helmut Kohl wird das Diktum zugeschrieben: Bei einer Staatsquote von 50 Prozent beginnt der Sozialismus.

Mrs. Dax sorgt für ein bisschen Weiblichkeit an der Börse

Donnerstag, den 28. Mai 2009

Simone Wallmeyer, Skontroführerin bei der ICF Kursmakler AG und neue Simone Wallmeyer, Skontroführerin bei der ICF Kursmakler AG, ist die neue “Mrs. Dax” am Börsenparkett. Ihr vorgänger ist der gerade zu Zeiten der Finanzkrise gern fotografierte Dirk Müller, dessen Foto jedem Bekannt sein dürfte: sein Gesichtsausdruck war immer Spiegelbild der börslichen Entwicklung. Die Capital hat ein Interview mit ihr geführt. Wallmeyer gibt zu, dass die Stimmung am Parkett natürlich auch ihre eigene Mimik beeinflusst. Toll findet sie es nicht immer, dass sie regelmäßig an ihrem Arbeitsplatz gefilmt und für Zeitungen in Szene gesetzt wird:

Das eine oder andere Foto sollte besser nicht abgedruckt werden - etwa wenn ich einen unvorteilhaften Gesichtsausdruck habe. Kürzlich bin ich mal wieder auf Fotos gestoßen, die ich lieber nicht veröffentlicht gesehen hätte und von denen ich der Ansicht bin, dass sie der Fotografen fairerweise nicht zum Verkauf ins Netz hätte stellen sollen. Wer sie gemacht hat, weiß ich nicht. Aber wenn ich den oder die erwischen würde, würde ich der Person gerne die Hammelbeine langziehen.

Trotzdem hat ihr Job auch Vorteile. Mittlerweile hat sich bei Wallmeyer ein internationales Zeitungsarchiv angesammelt - denn ihre Bilder erscheinen ja in den Börsenteieln auf der ganzen Welt. Eine Fotografin konnte mit einem Foto von der Börsenmaklerin sogar einen Preis gewinnen - der Wettbewerb “Rückblende” ist einer der wichtigsten Preise in der Fotografie. Mit diesem Bild landet Wallmeyer sogar im Bonner Museum.

Dass sie ihre Prominenz kommerzialisiert, wie ihr Vorgänger Dirk Müller das getan hat, schließt die smarte Dax-Frau fast aus.

Für so etwas bin ich nicht der Typ. Natürlich wäre es nett, wenn ich Geld für das eigene Foto bekommen würde. Aber an der Börse befinden wir uns im öffentlichen Raum, wie es so schön heißt, und haben daher auch keine Rechte an unseren Fotos. Also erhalte ich keinen Cent. Und ich glaube auch nicht, dass die Welt noch jemanden braucht, der sich - was die Börse betrifft - groß in Szene setzt.

Schön, dass es auch noch bekannte Mensche gibt, die bescheiden bleiben ;-)

Internet-Start-ups: Ohne Moos nix los

Dienstag, den 19. Mai 2009

Bisher war der Börsengang eine bewährte Methode für Jungunternehmen, um sich zu finanzieren. Doch die Börsendebüts bleiben in diesem Jahr angesichts der Finanzkrise fast völlig aus (s. Blogeintrag Kaum Neuemissionen an der Börse). Selbst Internetunternehmen, deren Marktanteile sich derzeit verlgeichsweise solide entwickeln, hätten jetzt an der Börse keine Chance. Und auch sie leiden derzeit unter niedrigen Bewertungen. Für sie wird der Verkauf von Anteilen fast so schwierig, wie an Risikokapital zu gelangen. Dies bestätigt Christian Leybold, Partner bei BV Capital, gegenüber Holger Schmidt (FAZ) hat auf dem Internetszenetreff, der next09 Konferenz.

Der Venture Capitalist erklärt, welche Investitionen angesichts der Wirtschaftskrise noch interessant sind. Dabei nennt er vor allem den E-Commerce als attraktive Branche:

Wir investieren weiterhin in Unternehmen, die großes Wachstumspotential haben und idealerweise eine etablierte Industrie oder einen etablierten Prozess umstülpen oder stark verändern. Allerdings muss man sagen, davon gibt es in Europa nur ganz wenige. Davon kann man als Risikokapitalgeber nicht leben. Wir müssen deshalb auch schauen, welche Themen vielleicht das Potential haben, einen Ausstieg in der Größenordnung zwischen 20 und 50 Millionen Euro zu ermöglichen.

Für Web 2.0-Start-ups dagegen sieht Leybold eher wenig Chancen auf Risikokapital, insbesondere sieht er schwarz für Web 2.0 Communitys:

Web 2.0 hat es heute viel schwerer als noch vor zwei Jahren. Letztlich hängt es von den Kapitalkosten für Start-ups ab. Wenn diese Kosten hoch sind, muss schnell Umsatz erzielt werden. Bei niedrigen Kosten kann man sich eine längere Wachstumsphase leisten, um Reichweite aufzubauen. Allerdings gibt es in Europa nur sehr wenige Web-2.0-Unternehmen, die Investitionen in mehrstelliger Millionenhöhe gerechtfertigt haben. (…) Ein echtes Neuinvestment in ein Community-Thema ist sehr schwierig.

Wovon aber gerade Unternehmen im E-Commerce-Bereich profitieren, ist der Trend hin zum Online-Shopping, so Leybold:

Im E-Commerce-Umfeld haben sich die „Private-Shopping”-Portale als neues Modell etabliert. Diese Unternehmen haben schon relativ viel Geld aufgenommen, so dass es wenig Sinn macht, weitere Unternehmen an den Start zu bringen. Das Umfeld ist aber gut. Die Menschen kaufen heute verstärkt im Internet ein. Viele Segmente, die heute noch vorwiegend offline verkauft werden, wandern jetzt ins Netz. Das schafft Möglichkeiten, insbesondere, wenn man es mit neuen Verkaufskonzepten kombiniert. Zum Beispiel Votings über Produkte. Selbst das Group-Buying, wie es früher Letsbuyit versucht hat, taucht wieder auf. Auch im Kleidungsbereich - zum Beispiel von Designern - sind noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

Fatal ist, welche Überlebenschance der Risikokapitalgeber Internet-Startups gibt. Während die einen in diesem Jahr kaum eine Folgefinanzierung von ihrem Business Angel oder Venture Capitalisten bekommen, kommen die anderen erst gar nicht an das notwendige Startkapital:

Wenn man den Kreis beschränkt auf die Gründer, die ein Unternehmen gründen mit der Intention, Geld aufzunehmen, und die erste Finanzierung noch nicht haben, dann überleben wahrscheinlich weniger als 10 Prozent diese Phase. Diese Quote ist auch in guten Zeiten sehr gering. Aber jetzt halbiert sich die Quote sicher noch einmal.

Die neue Hausse: Zeit, zu investieren?

Dienstag, den 12. Mai 2009

Carl Fürstenberg hat einmal gesagt: “Im Unterschied zur Straßenbahn wird an der Börse zum Ein- und Aussteigen nicht geklingelt.”

Auch momentan wird nicht geklingelt. Doch die Frühindikatoren deuten darauf hin, dass sich die Wirtschaft auf Erholungskurs befindet. Jim O’Neill, Chefvolkswirt bei Goldman Sachs, der auch das Akronym “Bric” für die Staaten Brasilien, Russland, Indien und China erfunden hat, spricht sich gegenüber dem Handelsblatt für eine Investition in Aktien aus.

Jim O'Neill ist Chefvolkswirt bei Goldman Sachs und Erfinder des Akronyms

Meine Überzeugung war und ist, dass 2009 ein gutes Jahr für Aktien sein würde. Bis vor kurzem gehörte ich mit dieser Auffassung zu einer kleinen Minderheit. Ich denke, dass der S&P 500 in den USA weiter anziehen könnte. Außerdem denke ich, dass die großen Emerging Markets weiterhin eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erfahren werden.

Der Chefvolkswird ist aufgrund der hohen Risikoprämien auf Aktien überzeugt, dass jetzt ein günstiger Einstieg für Anleger ist. In den nächsten fünf Jahren rechnet er mit guten Renditechancen. Die Empfehlung von Goldman Sachs ist eine mittelfristige Anlagestrategie, so O’Neil: Kaufen Sie Aktien auf mittlere Sicht, seien Sie vorsichtig mit Staatsanleihen.

Mehr zum Interview erfahren Sie hier.