Archiv der Kategorie ‘Konjunktur‘

Konsumboom: 218 Euro mehr

Dienstag, den 16. Dezember 2008

Von Rezession ist bei den Verbrauchern aktuell keine Spur: Laut der aktuellen GfK-Kaufkraft-Studie wird die Kaufkraft im Jahr 2009 weiter steigen. Im nächsten Jahr stünden, so die Gesellschaft für Konsumforschung, dem Durschnittsverbraucher 218 Euro mehr Jahreseinkommen für den Konsum zur Verfügung als in diesem Jahr. Aber die Marktforscher betonen, dass die reale Kaukraft auf dem gleichen Niveau bleiben wird wie in 2008:

Allerdings wird der Anstieg des privaten Wohlstands im Jahr 2009 voraussichtlich von der derzeit prognostizierten Inflation wieder aufgebraucht.

Verglichen mit dem Bundesdurschnitt von einem verfügbaren Nettoeinkommen von 18.946 Euro haben die Bayern deutlich mehr Geld zum Shoppen: 20.571 Euro pro Kopf. Den zweiten und dritten Platz belegen die Hessen mit 20.424 Euro, gefolgt von den Baden-Württembergern mit 20.282 Euro. Ganz am Ende ist das Durschnittseinkommen in Sachen-Anhalt: die Einwohner können nur 15.548 Euro für Konsumgüter ausgeben.

Alex-Comic: Bänker-Boni über das staatliche Rettungspaket

Dienstag, den 16. Dezember 2008

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Liebling, ich habe die Wirtschaft geschrumpft: Wirtschaftsforscher sehen für 2009 schwarz

Donnerstag, den 11. Dezember 2008

Leider ist die konjunkturelle Lage nicht ganz so amüsant wie der Hollywood-Film. Gestern gab das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) bekannt, dass der deutschen Wirtschaft eine Eiszeit drohe. Während die Wirtschaft in diesem Jahr noch um 1,5 Prozent wachsen soll, rechnet das Institut für 2009 mit einem Minus von 2 Prozent!

Die schwache Wirtschaft wird laut RWI auch nicht in der Lage sein, das hohe Beschäftigungsniveau zu halten. Die Prognose: bis Ende 2009 soll die Arbeitslosenquote von aktuell 7,5 Prozent auf 7,9 Prozent ansteigen - das sind 600 000 Arbeitslose mehr.

Dies ist der stärkste Rückgang des Wirtschaftswachstums in der deutschen Geschichte. Nie zuvor ist die Konjunktur so drastisch eingebrochen, wie dies für das nächste Jahr antizipiert wird. RWI-Cheföknomon Roland Döhrn macht ganz klar die Finanzkrise verantwortlich für dieses Desaster. In der heutigen Printausgabe der FTD sagte er: “Grund hierfür ist, dass sich die Finanzkrise weitaus stärker auf die Weltwirtschaft auswirkt als zuvor absehbar.”

Heute zieht auch das Münchner ifo-Institut mit ähnlich schlechten Erwartungen für die deutsche Konjunktur nach. Die ifo-Wissenschaftler glauben, dass die Wirtschaft 2009 um 2,2 Prozent schrumpfen wird. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn bezeichnet diese Zahl als dramatisch.  Wie auch beim RWI wird hier mit über einer halben Millionen mehr Jobsuchenden gerechnet.

Auch die restlichen Institute sehen schwarz für die Wirtchaft. Da IWF möchte seine Wachstumsprognose weiter senken. Die Bundesbank erwartet einen Konjunktureinbruch und damit einen Rückgang der Wirtschaft um 0,8 Prozent. Die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OEDC) glaubt an ein Schrumpfen um 0,9 Prozent, während die Bundesregierung momentan noch von einem Wachstum um plus 0,2 Prozent spricht.

Der Pessimismus scheint kein Ende zu nehmen. Glaubt man dem ifo, dann werden die Folgen der Finanzkrise erst 2010 allmählich abschwächen und die internationalen Märkte werden besser da stehen. Trotzdem könnte die Wirtschaft 2010 noch um 0,2 Prozent abnhemen.

Einzelhandel: An der Börse weihnachtet es nicht sehr

Freitag, den 21. November 2008

Die Aussichten auf das Weihnachtsgeschäft für den Einzelhandel sind getrübt. Einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young zufolge, ist die Konsumlust aufgrund der Finanzkrise deutlich gedämpft. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass 10 Prozent weniger für Weihnachtsgeschenke ausgegeben wird. Dabei bescherte bereits letztes Weihnachten keine guten Umsätze für den Einzelhandel.

Trotz der Krise stabilisierte sich das GfK-Konsumbarometer im Oktober auf niedrigem Niveau. Dennoch wird es sich sicherlich in den nächsten Monaten verschlechtern.

Optimistisch gibt sich der Präsident des deutschen Einzelhandels, Josef Sanktjohanser. Für November und Dezember erwartet er ähnliche Umsätze wie 2007:

Die Arbeitslosenzahlen sind gesunken, dieses Jahr zahlen viele Arbeitgeber wieder Weihnachtsgeld, die Einkommen sind gestiegen und an den Tankstellen müssen die Leute weniger ausgeben. Das alles schafft Freiräume, um Weihnachten Geld auszugeben.

Trotzdem glaubt der Einzelhandels-Vertreter, dass 2009 ein hartes Jahr für die Branche wird:

Es ist kein Geheimnis: 2009 wird härter, wir erwarten insgesamt eher eine Stagnation, wobei man aber wirklich abwarten muss, wie sich die Stimmung der Konsumenten entwickelt.

Deshalb raten auch Analysten vom Kauf von Einzelhandelsaktien ab. Es wurden bereits einige Kurskorrekturen vorgenommen, wie die Entwicklung vieler Konsumaktien zeigt. Analysen zur Douglas Holding und zu Fielmann können Sie beispielsweise auf Stockflock anschauen - ihr Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt zwischen 12 und 15 und ist damit vergleichsweise hoch.

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Will man doch in den Einzelhandel investieren, so rät Jürgen Büttner von der FAZ dazu, darauf zu achten, dass der Verschuldungsgrad der Gesellschaft und den Cash-Flow der Gesellschaft zu achten. “Eine gewisse Preismacht”, so der Wirtschaftsjournlist, sollte vorhanden sein. Weiterhin verweist er darauf, dass durch eine vertikale Integration Gewinnspannen optimal verteidigt werden können. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Planungssicherheit und konkrete Perspektiven fürs Unternehmen. Aber Büttner betont:

Selbst wer diese Auswählkriterien einhält, der ist momentan wegen der allgemein schwierigen Börsenlage nicht vor Kursverlusten gefeit. Wer deshalb lieber auf Nummer sicher gehen will, der wartet erst einmal ab, wie sehr die Kreditkrise letztlich auf die Konsumlust der Deutschen durchschlagen wird.

Finanzkrise - wie geht es weiter?

Dienstag, den 14. Oktober 2008

Nichts ist mehr, wie es einmal war an den Finanzmärkten dieser Welt. Das am Wochenende ins Leben gerufene Rettungspaket der Bundesregierung konnte gestern erst einmal für eine Erholung der Kurse sorgen. Dennoch betont Kanzlerin Merkel heute, dass dies kein Anlass zur Entwarnung oder für zu viel Optimismus sei:

Die Überwachung der Finanzmärkte müsse, so Frau Merkel weiter, international koordiniert werden. Damit einher gehe, dass Banken mit mehr Eigenkapital ausgestattet sind, sein müssen.

Eine Abschwächung der Konjunktur ist nicht aufhaltbar, die Wachstumsprognosen werden weltweit nach unten korrigiert. In neuesten Wachstumsgutachten der Wirtschaftsforschungsinstitute rechnet man gar mit einem Anstieg des BIP von nur 0,2 Prozent - gegenüber den zuvor erwarteten 1,4 Prozent in diesem Jahr.

Auch das Barometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) zeigt den Pessimismus von Investoren und Analysten. Die Konjunkturerwartungen fallen im Oktober von minus 41,1 auf minus 63,0 Punkte. ZEW-Präsident Wolfgang Franz erläutert die Umfragewerte:

Die Sorge der Finanzmarktexperten, dass die Krise an den Finanzmärkten auf die Realwirtschaft übergreift, hat sich verständlicherweise verstärkt. Das gerade beschlossene Rettungspaket der Bundesregierung dürfte jedoch helfen, die Situation zu stabilisieren.

Was Anleger in diesen Tagen aber wirklich quält ist, worauf Sie hoffen können und was sie zu befürchten haben. Mit diesen Fragen wird sich auch das AktienCamp befassen, dass an diesem Samstag in München stattfindet. Hier erörtern Vertreter aus Politik und Wirtschaft zusammen mit Privatinvestoren den Chancen und Risiken der Finanzkrise.

Ben Steverman, Reporter für den Business Week Investing Channel, erörtert die Zukunftsaussichten NACH der Krise und sucht nach einer Strategie für Anleger. Denn auch, wenn Kredite knapp sind und die Wirtschaft in eine Rezession verfällt, gibt es Gewinner - diejenigen, die sich richtig verhalten:

Für die Zeiten nach der Finanzkrise identifiziert Stevermann fünf mögliche Trends:

1. Survival of the fittest
Das Darwinsche Gesetz greift auch im Finanzsektor. Konkurrenten, die nicht unbedingt größer, aber sicherer sind, übernehmen zahlungsunfähige Kreditinstitute und Brokerhäuser. Erst gestern erlaubte die US-Notenbank, dass die Großbank Welles Fargo den Konkurrenten Wachovia schluckt. Und die aus Japan stammende Mitsubishi UFJ beteiligte sich mit 21 Prozent an der amerikanischen Bank Morgan Stanley. Die Liste der Bankenübernahmen und -pleiten wird immer länger…

Der Trend könnte auf andere Wirtschaftsbereiche und Industrien übergehen - vor allem, wenn die Konjunktur sich weiterhin stark verschlechtert. Beteiligungen oder Übernahmen von angschlagenen Unternehmen durch solidere Marktteilnehmer werden dann in allen Bereichen an der Tagesordnung sein.

2. Finanzierungsmöglichkeiten von Wachstumsunternehmen sinken.
Für weiteres Wachstum und um Arbeitsplätze zu schaffen, brauchen Unternehmen Kredite - wegen der Kreditknappheit steht weniger Kapital zur Verfügung. Geselleschaften können infolgedessen weder neue Aktien ausgeben noch Anleihen anbieten. Da Banken kaum noch Kredite vergeben, gibt es auch kein Geld von dort.

Wenn das so weiter geht, sieht es schlecht aus für Wachstumsunternehmen. Chefvolkswirt der Morningstar-Tochter Ibbotson Associates Michele Gambera sagte gegenüber der Business Week:

Wer wird der nächste Google, wenn für den Aufbau eines neuen Google-Campus kein Geld da ist?

 3. Es lebe das Bargeld.
Nur Unternehmen, die einen guten Cashflow vorweisen, können aufgrund der knappen Kredite  ihr Überleben sicher stellen. Gary Wolfer von Univest Wealth Management glaubt, dass Firmen aus dem Konsumgüter- und Gesundheitssektor mit Produkten des täglichen Gebrauchs hohe Summen an liquiden Mitteln erwirtschaften müssen. So vermeldet Johnson & Johnson heute eine Gewinnsteigerung im 3. Quartal.

4. Die Zeiten des Konsums in Amerika sind vorbei.
Einzelhändlern stehen schwierige Zeiten bevor, gerade im Hinblick auf das Weihnachtsgeschäft. Aber auch langfristig wird das Handesldefizit zunehmen. Drei weitere Bereiche, unter denen die amerikanische Wirtschaft leidet sind die Verschuldung des Staates, hohe Kredite und - damit verbunden - die hohe Verschuldung von privaten Haushalten. Steverman schreibt:

Kaum einer glaubt, dass das Vertrauen der Amerikaner in ihre Kreditkarten und in günstige Eigenheimhypotheken noch von Dauer sein wird. Zahlreiche Berichterstatter beobachten somit auch einen fundamentalen Wandel in der amerikanischen Wirtschaft und eine Abkehr vom Glauben an die Verschuldung und den überbeanspruchten amerikanischen Verbraucher.

5. Es wird keinen Infrastruktur-Boom weltweit geben.
Im Exportgeschäft sehen viele der Volkswirte Chancen für die USA. Der Bauboom weltweit treibt die Nachfrage – insbesondere aufstrebender Länder - nach amerikanischen Produkten. Da die Konjunktur rückläufig ist, gehen Viele davon aus, dass die Nachfrage nach Investitionsgütern, Verbrauchsgütern und Energie sinken wird. Obwohl die Rezession gerade an Indien und China vielleicht unbemerkt vorüber geht, werden sie langsamer Wachsen. Chad Deakins, Portfoliomanager beim RidgeWorth International Equity Fund, erklärt:

In nächster Zeit wird jedes Land mit unterschiedlichen Problemen konfrontiert sein, die es daran hindern, Pläne zum Aufbau ihrer Infrastruktur zu machen. (…) Bereits in fünf Jahren werden Deakins Erwartungen zufolge aufstrebende Länder jedoch wieder zu bauen beginnen. „Auf der ganzen Welt gibt es viele Menschen, die einen höheren Lebensstandard wollen und bereit sind, dafür zu arbeiten. - Das nennt man Kapitalismus.

(K)ein Ende: Nach der Finanzkrise ist nicht gleich vor der Finanzkrise

Donnerstag, den 25. September 2008

EZB-Chef Jean-Claude Trichet glaubt, dass die turbulenten Zeiten an den Kapitalmärkten noch noch lange nicht ausgestanden sind. In einem Interview sagte er zur Finanzkrise:

Es ist ein fortdauerndes Phänomen, das von allen Regierungen und ganz gewiss von den Zentralbanken ständige Wachsamkeit erfordert.

Das Weltfinanzsystem, so Trichet, müsse durchsichtiger werden. Vor allem der Handel mit bedenklichen US-Hypotheken sei es gewesen, der die Krise verursacht hat. Anstatt einen Sündenbock zu suchen, empfiehlt der Notenbankchef, das System sorgfältig zu prüfen.

Das soll also die Begründung sein dafür, dass alles “den Bach runtergeht”? Zwar leidet der Euroraum nicht so stark unter der Kreditkrise wie die USA. Dort hat Präsident Bush anlässlich der zu erwartenden Rezession eine (äußerst außergewöhnliche) Krisensitzung mit den Kanzlerkandidaten McCain und Obama einberufen. Dass möglicherweise Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren könnten, Bedarf laut Bush schnellen Handlungsbedarf von Regierung und Kongress.

Schön, dass unsere Regierung in den USA einen Sündenbock für die wirtschaftlichen Probleme - inklusive Arbeitslosigkeit und schwachen Konjunkturaussichten - gefunden hat. Das ändert aber nichts an den Folgen der Krise: einen deutlichen Rückgang des Wirtschaftswachstums in Deutschland. Nach den Beschwichtigungen von Finanzmininister Steinbrück noch letzte Woche (s. Blogeintrag Deutsche Wirtschaft wächst langsamer), äußert sich Kanzlerin Merkel sehr viel skeptischer.

Heute ruderte Steinbrück in seiner Regierungserklärung zur Finanzkrise zurück. Die deutsche Wirtschaft werde stärker belastet, als bisher angenommen. Viel schlimmer sind allerdings die Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft, die Steinbrück in seiner Rede hervorhebt:

Die Welt wird nicht wieder so werden wie vor der Krise” (…) Die ernste globale Finanzkrise wird tiefe Spuren hinterlassen. Sie wird das Weltfinanzsystem tiefgreifend umwälzen.

Ifo-Index und GfK-Konsumklima deuten auf schlechte Konjunkturerwartungen hin

Das Ifo-Geschäftsklima ist ein Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Konjunktur. Der aktuelle Index zeigt, dass Unternehmen schlecht gestimmt sind und von einem deutlich nachlassenden Wirtschaftswachstum ausgehen. Ein Konjunkturexperte der Allianz Dresdner Bank kommentiert:

Die Finanzkrise der vergangenen Woche wird sich in den Daten voll durchschlagen. Das kann natürlich negative Folgen für die weitere Stimmungsentwicklung in Deutschland haben. Kritisch würde es vor allem dann, wenn die Finanzkrise die Verbraucher zusätzlich stark verunsichern und den Konsum deshalb stark bremsen würde. (…) Indirekt werden wir die Folgen der Krise aber durchaus zu spüren bekommen, je stärker sich das Wachstum wichtiger deutscher Handelspartner abschwächt.

Ähnlich schlecht sind die Erwartungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Sie korrigiert heute ihre Jahresprognose für das Konsumklima von 0,5 Punkte auf null Punkte. Immerhin bricht die Oktober-Prognose von 1,8 Prozent den Abwärtstrend im Vergleich zu 1,6 Prozentpunkten im September. Die Finanzkrise und die damit einhergehende Rezessionsgefahr werde vermutlich, so GfK-Experte Rolf Bürkl, auch auf die Verbraucherstimmung Einfluss nehmen.

Kritik am 700 Milliarden-Rettungsplan der USAJoseph Stiglitz, US-Wirtschaftsnobelpreisträger und Wirtschaftsprofessor der Columbia-Unviersität, hält wenig von Paulsons Maßnahmen. Die Krise ist für ihn „das Ende eines desaströsen Geschäftsmodells“. Und er spricht vom „Ende der Ideologie, dass freie, deregulierterkte immer funktionieren“. Es sei sehr wahrscheinlich, so Stiglitz gegenüber der F.A.S., dass weitere Banken betroffen sind. Aus seiner Sicht hat die US-Regierung mit ihrem Finanzsystem ihre Glaubwürdigkeit verloren.

Der Rettungsplan von US-Finanzminister Hank Paulson wird vielseitig diskutiert. Anlässlich der Krise trafen sich die G7-Länder mit dem einstimmigen Ergebnis, die USA bei ihrer Hilfsaktion nicht zu subventionieren. Der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) Dominique Strauss-Kahn erklärt hierzu:

Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich zu allererst um eine amerikanische Krise handelt, und dass auch der größte Teil der Verluste in Amerika anfällt. Deshalb sollte die Aufgabe der Krisenbewältigung vor allem von den Vereinigten Staaten erfüllt werden. Europäische Banken haben zwar ebenfalls Verluste erlitten aus ihrem Engagement in Wertpapieren, die mit dem amerikanischen Immobilienmarkt verknüpft sind, doch insgesamt sind sie in besserer Verfassung als die amerikanischen Institute. Es kann gleichwohl ratsam sein für die Europäer, sich für den Ernstfall zu wappnen.

Dennoch, so Strauss-Kahn weiter, stehen die Zeichen momentan nicht auf einer Rezession der Weltwirtschaft. Trotzdem glaubt er an einen Abschwung der Konjunktur, von dem wir uns in den nächsten Jahren nur langsam regenerieren werden.

Deutsche Wirtschaft wächst langsamer

Mittwoch, den 17. September 2008

Um nur noch 1,7 Prozent soll die Wirtschaft laut Prognose der Bundesregierung wachsen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI aus Essen senkte ebenfalls seine Prognose auf 1,7 Prozent gegenüber 2,2 Prozent im Vorjahr. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) sagt 1,9 Prozent Wachstum voraus, verglichen mit 2,2 Prozent noch im August 2007.
Trotzdem sieht der Direktor des HWWI Thomas Straubhaar für den deutschen Kapitalmarkt keinen Grund zur Sorge:

Wenn der Dax um vier Prozent abstürzt, heißt das noch lange nicht, dass die deutsche Konjunktur in gleichem Maße betroffen sein wird.

Bereits im nächsten Jahr solle die Konjunktur in Deutschland, so Straubhaar, wieder an Dynamik gewinnen. Weil das Jahr 2008 recht schwach ist, soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2009 allerdings durschnittlich nur um 1,0 Prozent steigen. Bereits Ende nächsten Jahres rechnet der Direktor mit einem Wachstum von 2,0 Prozent - ähnlich der diesjährigen BIP-Prognose des HWWI von 1,9 Prozent.

ZEW-Index steigt - Großteil der Daten aber vor neuer Welle der Finanzkrise erhoben

Optimistischer liegen die Konjunkturerwartungen des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für den Monat September. Zwar steht das ZEW-Stimmungsbarometer mit 41,1 Punkten im Minus (Vormonat: Plus 14,4 Punkte). Das ZEW glaubt aber, dass der fallende Ölpreis und der etwas schwächer werdende Euro gegenüber dem Dollarkurs eine Aufhellung der Konjunktur andeuten.
Dennoch basieren die Umfragewerte größten Teils nicht auf der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers - der größten Bankenpleite in der Geschichte, die an diesem “Schwarzen Montag” weltweit für Krisenstimmung auf den Börsenparketten sorgte. Daher die Kritik des LBBW-Analysten Thomas Gitzel:

rde der Index heute oder morgen erhoben werden, sähe er deutlich anders aus.

Heute, nach der Rettung des Versicherungskonzerns AIG durch den amerikanischen Staat haben sich die Börsen zumindest geringfügig vom Finanz-Schock erholt, der Dax hat sich beruhigt.
Die Bundesregierung sieht keine Anzeichen für eine Rezession. Peer Steinbrück bestätigte letzte Woche die Prognose von 1,7 Prozent Wachstum für 2008. Obwohl die deutsche Wirtschaft insgesamt etwas schwächer ist, besteht aus Sicht des Finanzministers kein Anlass für Horrorszenarien. Im Gegenteil, so betonte Steinbrück im Bundestag, sei die deutsche Wirtschaft “wesentlich wettbewerbsfähiger und robuster als noch vor fünf Jahren” und sagte weiter: „Eine Wirtschaft mit positiver Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist nicht in einer Rezession.

Keine Gunst für Aktien - “Nur Bares ist Wahres”?

Dienstag, den 9. September 2008

Fondsgesellschaften und Investmenthäuser reduzieren die Aktienquote in ihren Portfolios dramatisch. Durchschnittlich steckten Manager vor drei Monaten noch über 50 Prozent des Anlegerkapitals in Direktanlagen. Heute investieren sie in zwei Drittel weniger Aktien, dies ergibt die aktuelle Fondsumfrage der FTD.

Im Schatten der Finanzmarktkrise sorgten vor allem Spekulationen um den Rohöhlpreis und weltweite Konjunktursorgen und Inflationsängste für Aktienrallyes. Die Reaktion der Fondsmanager ist wenig optimistisch. Sie verkaufen nicht nur Große Teile der Direktanlagen. Laut Befragung wollen 40 Prozent der Portfolioexperten die Aktienanteile sogar weiter senken. 20 Prozent planen ganz nach dem Motto “Nur Bares ist Wahres”, die Cashanteile der Großinvestoren weiter zu steigern.

Nachdem sich die Portfoliomanager bereits im Juni sehr pessimistisch gaben, wie wir berichtet haben, scheint sich der Trend nun weiter zu verstärken. Die Fondsverwalter sind skeptisch geworden und wollen Sicherheit, nicht Risiko. Dies bestätigt West LB Mellon Asset Management gegenüber der FTD:

Die hohen Volatilitäten im Jahr 2008 führten zu erhöhter Risikoaversion.

Die Brancheneinschätzung mit Schwerpunkt Europa spiegelt schlechte Erwartungen seitens der Fondsmanger wider. Vor allem für die Automobilindustrie wird eine schlechte Entwicklung vorhergesagt. Mit einer 50:50-Chance wird die Biotechnologiebranche noch am positivsten bewertet. Verglichen mit den vorangegangenen Ergebnissen fasst die FTD zusammen:

Zykische Konsumwerte werden ebenso wie Bau- und Baustofffirmen deutlich pessimistischer bewertet als zuvor. Ganz schlecht kommt der Banksektor weg: Hielten im Vorquartal immerhin noch 40 Prozent der Großinvestoren die Branche für ein gutes Investment, sank die Quote auf null. (FTD vom Montag, S. 22)

Düstere Zeiten sagen die befragten Fondsprofis für alle Aktienmärkte, also auch den europäischen voraus. Keiner der Großinvestoren geht von einem Bullenmarkt aus und auch eine Jahresendrallye scheint nicht in Sicht.

Basis der Anlageentscheidung ist für die Fondsmanager vor allem die weltweite Inflationsangst. Auch Schwellenländer leiden unter den Auswirkungen der Finanzkrise. Unisono wird mit einer Abschwächung der chinesischen Konjunktur gerechnet.

Die Fondsmanager rechnen mit einem Ende der Rohstoffhausse. Rohstoffpreise sollen - trotz kurzzeitiger Erholung - langfristig steigen. Nur noch 10 Prozent der Befragten investieren in Grundstoffgesellschaften. Noch vor drei Monaten waren es 40 Prozent! Julius Bär-Analysten unterstreichen diese Entwicklung:

Wir erachten die jüngsten Preisabschläge als Korrektur in einem längerfristigen Aufwärtstrend.

Für den Ölpreis wird keine Teuerung antizipiert. Weit weg von der Rekordmarke von 148,13 $ pro Barrel rechnen die Fondsgesellschaften eher mit ca. 90 $ und signalisieren damit die erwartete Konjunkturschwäche. Für 2009 rechnen alle Befragten mit fallenden Inflationsraten. Daher ist der zunehmende Inflationsdruck bei der Anlageentscheidung weniger wichtig.

Dies ist noch lange kein Grund zum Aufatmen. Chefsvolkswirt bei Generali Investments, Klaus Wiener, glaubt, dass die ökonomischen Auswirkungen der Finanzkrise die Anlagestrategie wesentlich beeinflussen:

Schlüssel für eine nachhaltige Überwindung sind die US-Immobilienpreise. Erst wenn sich hier eine Bodenbildung abzeichnet, steigen die Chancen für eine dauerhafte Erholung an den Märkten.

Zeit für Optimisten

Montag, den 21. Juli 2008

Der Investor und Philanthrop, Sir John Templeton, hat einmal gesagt: “Die Zeit des größten Pessimismus ist die beste Zeit des Kaufens, die Zeit des größten Optimismus ist die beste Zeit zu verkaufen.” Haben wir den Höhepunkt des Pessimismus in Deutschland bereits erreicht? Einer aktuellen Einschätzung des Finanzministeriums zufolge, ist das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal deutlich zurückgegangen. Im heute veröffentlichten Monatsbericht warnt das Ministerium jedoch vor zu starkem Pessimisumus:

“Die Konjunkturdaten zeigen zwar eine Abschwächung, nicht aber einen Abbruch der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung an.” Der Auftragsbestand in der Industrie liege noch immer über dem langjährigen Durchschnitt.

Die Abschwächung der Wirtschaft ist also nicht als das Ende der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung zu verstehen. Trotzdem ist die konjunkturelle Lage sicherlich nicht ungünstig, um langfristig rentable Investitionen zu tätigen.

Fondsmanager sind pessimistisch - Rezession möglich

Donnerstag, den 19. Juni 2008

Eine für Merrill Lynch durchgeführte Umfrage (via FAZ) ergab, dass Fondsmanager die Marktentwicklung skeptisch sehen. Demnach glauben die Befragten, dass die Aktien zu 27 Prozent überbewertet sind. Gemäß Umfragestatistik ist das die pessimistischste Einstellung gegenüber Aktien seit zehn Jahren.

Diese Einschätzung korreliert auch mit dem OECD-Frühindikator und anderen Wachstumsprognosen wie z.B. die der ZEW (siehe auch Blogeintrag Ist nun Schluss mit dem Boom?). Etwa zwei Drittel der befragten institutionellen Anleger erwarten, dass das weltweite Wirtschaftswachstum innerhalb der nächsten zwölf Monate zurückgehen wird. Mehr als 80 Prozent der Fondsmanager halten daher auch die Gewinnschätzungen von Unternehmen für zu hoch.

Ein Drittel der Befragten erwartet auch in Europa eine höhere Inflationsrate. Um den inflationären Preisanstieg zu stoppen, sei es daher vorstellbar, dass die Notenbanken, darunter auch die EZB, ihre Leitzinsen bald um zwei Schritte erhöhen könnten. Fazit: die Gewinnerwartungen europäischer Firmen sind unter dem Durchschnitt, und die Qualität der Gewinne nimmt ebenfalls ab.

Ebenso halten 70 Prozent der Fonds-Manager den Euro für übergewichtet. Da Europa stark vom Export abhängig ist, sei dies besonders riskant. Darüber hinaus halten sie Öltitel in Europa stark über- und Finanztitel stark unterbewertet.

Die Übersicht zeigt, dass Titel in der Versorgungsbranche offenbar überschätzt werden, wohingegen Pharma- und Banktitel ein Schnäppchen seien. Gerade Investitionen in der Finanzbranche allerdings, so die Untersuchung, seien risikobehaftet.

Börsenexperte Felix W. Zulauf hält eine Rezession allerdings nicht unbedingt für schlecht:

“Grundsätzlich hat eine Rezession auch ihr Gutes. Sie eliminiert die Exzesse des Aufschwungs. Zudem handelt es sich bei einer Rezession ja um eine relativ kurze Zeit. Eine Rezession ist also etwas Natürliches.”

Vielleicht gibt das ja Trost. Ausserdem bezieht sich das “Up und Down” an der Börse ja nicht auf einzelne Werte. Die Perlen gilt es nach wie vor zu finden. Z. B. herrscht laut Herrn Zulauf ein Boom bei Rohstoffen und Energiewerten. Dieser hinge, so der Profi, mit dem Aufstieg Chinas und anderer Emerging Markets zusammen, die den Konjunkturzyklus wesentlich mitbestimmen.

Insgesamt jedoch geht es ruhig zu auf den Börsenparketten: ein klares Zeichen dafür, dass institutionelle wie auch private Anleger verunsichert sind und erst einmal die Marktentwicklung abwarten. Folglich bleiben aber auch die Kurse relativ stabil, was dem Markt eine gewisse Dynamik nimmt. Das Desinteresse der Investoren am ersten deutschen IPO-Kandidaten des Jahres, GK Software AG, zeigt, dass das Marktumfeld schwach ist.

Jedem Abschwung, soviel steht fest, folgt auch wieder eine Phase des Aufschwungs.