Archiv der Kategorie ‘Konjunktur‘

Das Dilemma der Lebensversicherer

Freitag, den 23. Oktober 2009

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Die Zeiten der Lebensversicherer stehen schlecht und die Probleme häufen sich: Finanzkrise, niedrige Zinsen, eine hohe Stornoquote und eingebrochenes Neukundengeschäft. Dazu kommt, dass die Versicherer deutlich weniger Geld zur Seite gelegt haben und weniger in Aktien investiert haben. Die Leidtragenden sind die Kunden, die sich auf eine deutlich niedrigere Verzinsung einstellen müssen. Als Beispiel: Jemand, der 2009 sein Geld aus einer Lebensversicherung erhält, die er vor zwölf Jahren abgeschlossen hat, kann mit einer Rendite von 4,05 Prozent auf das Ersparte rechnen. Das wären nur 0,05 Prozentpunkte über dem vereinbarten Garantiezins von 4 Prozent, der ohnehin gezahlt werden muss. Die Zukunft sieht auch nicht wirklich besser aus, wie Manfred Poweleit vom Branchendienst map-Report erklärt:

In den kommenden Jahren wird sich die Zahl der Versicherer, die gerade einmal die Garantieverzinsung zahlen können, deutlich erhöhen.

Für Kunden, die ihren Vertrag 2007 oder später abgeschlossen haben bedeutet dies eine magere Ausbeute von 2,25 Prozent Zinsen. Das böse Erwachen allerdings steht noch bevor, wie Poweleit prophezeit:

Die nächsten Jahre werden schlimmer als 2008.

Es bleibt spannend zu beobachten, wie die Aktienwerte der großen Versicherer - etwa Allianz und Axa auf die schlechten Zeiten Branche ragieren. Steigt das historisch niedrige Zinsniveau nicht bald wieder, stehen die Konzerne wohl vor großen Herausforderungen, was auch die Aktien spüren werden.

Die Zukunft liegt im Reich der Mitte

Freitag, den 12. Juni 2009

Die von der Wirtschaftskrise gebeutelte Welt schöpft wieder Hoffnung. Viele Augen sind dabei auf China gerichtet. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg des Landes sind auch die Wertpapiere in den Fokus der Aufmerksamkeit internationaler Investoren gerückt. Wer hohe Rendite und damit großes Wachstumspotential sucht, sollte sein Portfolio mit Wertobjekten aus China anreichern.

Asienexperten allerorts sprechen Kaufempfehlungen aus. So auch Mark Konyn, Asien-Chef der Allianz-Tochter RCM, der in einem Interview betont:

Chinesische Aktien werden innerhalb der kommenden fünf Jahre zu einer eigenen Anlageklasse, an der niemand mehr vorbeikommt. Man wird dann in heimischen Aktien investieren, in Gold, in Renten, in Hedgefonds oder andere Anlageklassen – und in chinesischen Aktien.

Und erklärt weiter, dass das globale Finanzzentrum 2020 Shanghai heißen könnte:

Shanghai wird in der Tat ein wichtiger Standort für die Finanzindustrie werden. Die chinesische Regierung hat gerade erst angekündigt, dass sie die Stadt bis zum Jahr 2020 zu einem internationalen Finanzzentrum entwickeln will. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass sich das Land weiter öffnen möchte.

Zwar ging der Export im Vergleich zur Vorjahrsperiode um ganze 26,4 Prozent zurück. Trotzdem sind die Erwartungen auf eine starke wirtschaftliche Entwicklung Chinas hoch. Optimismus herrscht auch an der Börse. Dafür sorgte kürzlich erst ein massives staatliches Investitionsprogramm, von dem besonders Firmen aus den Bereichen Infrastruktur, Bau und Konsum profitierten. Das Konjunkturpaket in Höhe von 585 Milliarden Dollar ließ die Investitionsausgaben in die Höhe schlagen: Im Mai waren sie 33 Prozent höher als im Vorjahr. Wie nachhaltig die Investitionen sind, wird sich dann zeigen müssen.
Der chinesische Aktienmarkt ist sehr spannend, für Außenstehende schwer durchschaubar und sehr spekulativ. Doch durch die zunehmenden Öffnungstendenzen der chinesischen Börse wird der Markt für Investoren immer attraktiver. Will man in chinesische Aktien investieren, sollte man sich vorher unbedingt mit den individuellen Charakteristika der chinesischen Märkte vertraut machen.
ASIAN BAMBOO AG INH.ON (WKN A0M6M7) - Aktienkurs, Aktien Analysen, Chartverlauf

Ein schönes Beispiel für das große Potential chinesischer Aktien ist Asia Bamboo. Nach dem Börsengang im November 2007 legte die Aktie des Bambusherstellers eine regelrechte Achterbahnfahrt hin. Mittlerweile hat sich die Aktie erstaunlich gut erholt und erhält ausschließlich Kaufempfehlungen.

Das ist natürlich nur ein Exempel von Vielen. Die Bedeutung chinesischer Aktien wird auch in Zukunft weiter ansteigen – da geht sicherlich kein Weg daran vorbei. Ab in das Reich der Mitte!

Internet-Start-ups: Ohne Moos nix los

Dienstag, den 19. Mai 2009

Bisher war der Börsengang eine bewährte Methode für Jungunternehmen, um sich zu finanzieren. Doch die Börsendebüts bleiben in diesem Jahr angesichts der Finanzkrise fast völlig aus (s. Blogeintrag Kaum Neuemissionen an der Börse). Selbst Internetunternehmen, deren Marktanteile sich derzeit verlgeichsweise solide entwickeln, hätten jetzt an der Börse keine Chance. Und auch sie leiden derzeit unter niedrigen Bewertungen. Für sie wird der Verkauf von Anteilen fast so schwierig, wie an Risikokapital zu gelangen. Dies bestätigt Christian Leybold, Partner bei BV Capital, gegenüber Holger Schmidt (FAZ) hat auf dem Internetszenetreff, der next09 Konferenz.

Der Venture Capitalist erklärt, welche Investitionen angesichts der Wirtschaftskrise noch interessant sind. Dabei nennt er vor allem den E-Commerce als attraktive Branche:

Wir investieren weiterhin in Unternehmen, die großes Wachstumspotential haben und idealerweise eine etablierte Industrie oder einen etablierten Prozess umstülpen oder stark verändern. Allerdings muss man sagen, davon gibt es in Europa nur ganz wenige. Davon kann man als Risikokapitalgeber nicht leben. Wir müssen deshalb auch schauen, welche Themen vielleicht das Potential haben, einen Ausstieg in der Größenordnung zwischen 20 und 50 Millionen Euro zu ermöglichen.

Für Web 2.0-Start-ups dagegen sieht Leybold eher wenig Chancen auf Risikokapital, insbesondere sieht er schwarz für Web 2.0 Communitys:

Web 2.0 hat es heute viel schwerer als noch vor zwei Jahren. Letztlich hängt es von den Kapitalkosten für Start-ups ab. Wenn diese Kosten hoch sind, muss schnell Umsatz erzielt werden. Bei niedrigen Kosten kann man sich eine längere Wachstumsphase leisten, um Reichweite aufzubauen. Allerdings gibt es in Europa nur sehr wenige Web-2.0-Unternehmen, die Investitionen in mehrstelliger Millionenhöhe gerechtfertigt haben. (…) Ein echtes Neuinvestment in ein Community-Thema ist sehr schwierig.

Wovon aber gerade Unternehmen im E-Commerce-Bereich profitieren, ist der Trend hin zum Online-Shopping, so Leybold:

Im E-Commerce-Umfeld haben sich die „Private-Shopping”-Portale als neues Modell etabliert. Diese Unternehmen haben schon relativ viel Geld aufgenommen, so dass es wenig Sinn macht, weitere Unternehmen an den Start zu bringen. Das Umfeld ist aber gut. Die Menschen kaufen heute verstärkt im Internet ein. Viele Segmente, die heute noch vorwiegend offline verkauft werden, wandern jetzt ins Netz. Das schafft Möglichkeiten, insbesondere, wenn man es mit neuen Verkaufskonzepten kombiniert. Zum Beispiel Votings über Produkte. Selbst das Group-Buying, wie es früher Letsbuyit versucht hat, taucht wieder auf. Auch im Kleidungsbereich - zum Beispiel von Designern - sind noch nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft.

Fatal ist, welche Überlebenschance der Risikokapitalgeber Internet-Startups gibt. Während die einen in diesem Jahr kaum eine Folgefinanzierung von ihrem Business Angel oder Venture Capitalisten bekommen, kommen die anderen erst gar nicht an das notwendige Startkapital:

Wenn man den Kreis beschränkt auf die Gründer, die ein Unternehmen gründen mit der Intention, Geld aufzunehmen, und die erste Finanzierung noch nicht haben, dann überleben wahrscheinlich weniger als 10 Prozent diese Phase. Diese Quote ist auch in guten Zeiten sehr gering. Aber jetzt halbiert sich die Quote sicher noch einmal.

Die Suche nach den Rosinen an der Börse

Donnerstag, den 14. Mai 2009

Solide Aktien seien jetzt eine gute Chance, um wieder an der Börse einzusteigen. Das zumindest behaupten Experten allerorts. Verständlich, dass die meisten Anleger angesichts der Verluste in der Krise mehr als vorsichtig geworden sind. Sie bevorzugen Festanlagen wie Tagesgeldkonten und oder Fonds.

Gerade jetzt aber könnte sich die Investition in Aktien als lohnenswert herausstellen - schließlich partizipieren die Anleger am Unternehmen und haben damit auch die Chance auf Dividenden. Andererseits waren Europas Firmen in diesem Jahr aufgrund von Liquiditätsängsten besonders knausrig bei der Dividenden-Ausschüttung.

Schaut man sich die Entwicklung der Dax-Renditen einmal an, so lagen sie im Jahr 2008 wirklich so niedrig wie nie:

Börse

Laut Catherine Hoffmann von der Süddeutschen liegen die Gründe für den Wiedereinstig an den Aktienmarkt klar auf der Hand. Nach ihrem jüngsten Hoch, so die Autorin, sind die Kurse von Dax und Euro Stoxx 50 um etwa 50 Prozent eingebrochen. Vermögensverwalter Gerald Kichler erklärt:

Wenn es in Zukunft nicht gerade Depression oder Hyperinflation gibt, sollten Aktien auf Sicht von fünf Jahren zwischen sieben und zwölf Prozent Ertrag bringen.

Ähnlich positiv spricht sich auch Jim O’Neill von Goldman Sachs aus (s. Blogbeitrag: Die neue Hausse: Zeit, zu investieren?). Dass die Anleger bereits hoffen, macht sich bereits seit März an den steigenden Kursen bemerkbar. Ob die Wirtschaft sich wirklich so bald erholen wird? Lesen Sie im Blogbeitrag Licht am Ende des Tunnels? mehr zu den aktuellen Wirtschaftsprognosen. Die SZ-Journalistin Hoffmann betont aber:

Empfehlenswert sei es, sich schrittweise an den Aktienmarkt zu wagen, die Käufe über ein Jahr zu strecken - und dabei nicht zu vergessen: Die Krise ist noch längst nicht ausgestanden, auch wenn gerade die Hoffnung sprießt.

Die neue Hausse: Zeit, zu investieren?

Dienstag, den 12. Mai 2009

Carl Fürstenberg hat einmal gesagt: “Im Unterschied zur Straßenbahn wird an der Börse zum Ein- und Aussteigen nicht geklingelt.”

Auch momentan wird nicht geklingelt. Doch die Frühindikatoren deuten darauf hin, dass sich die Wirtschaft auf Erholungskurs befindet. Jim O’Neill, Chefvolkswirt bei Goldman Sachs, der auch das Akronym “Bric” für die Staaten Brasilien, Russland, Indien und China erfunden hat, spricht sich gegenüber dem Handelsblatt für eine Investition in Aktien aus.

Jim O'Neill ist Chefvolkswirt bei Goldman Sachs und Erfinder des Akronyms

Meine Überzeugung war und ist, dass 2009 ein gutes Jahr für Aktien sein würde. Bis vor kurzem gehörte ich mit dieser Auffassung zu einer kleinen Minderheit. Ich denke, dass der S&P 500 in den USA weiter anziehen könnte. Außerdem denke ich, dass die großen Emerging Markets weiterhin eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erfahren werden.

Der Chefvolkswird ist aufgrund der hohen Risikoprämien auf Aktien überzeugt, dass jetzt ein günstiger Einstieg für Anleger ist. In den nächsten fünf Jahren rechnet er mit guten Renditechancen. Die Empfehlung von Goldman Sachs ist eine mittelfristige Anlagestrategie, so O’Neil: Kaufen Sie Aktien auf mittlere Sicht, seien Sie vorsichtig mit Staatsanleihen.

Mehr zum Interview erfahren Sie hier.

Auf und ab. Runter mit den Zinsen, hoch mit dem Dax

Freitag, den 8. Mai 2009

Wenig überraschend kam gestern der erneute Zinschritt: die Europäische Zentralbank senkte zum siebten Mal innerhalb der letzten acht Monate (!) den Leitzins auf nunmehr 1 Prozent. Während der Dax gestern zwischenzeitlich nahe an die 5000 Punkte heran kam, schloss er am gestrigen Abend wieder deutlich unter 4900. Dafür startete der wichtigeste Index am deutschen Aktienmarkt heute morgen recht postiv in den Tag. Es sind vor allem die aktuell heiß diskutierten Finanztitel, die für den “Schub” sorgen.

Woher kommt dieser plötzliche Optimismus bei den Anlegern? Gerade erst mussten wir uns mit den verhehrenden Prognosen der Wirtschaftsinstitute und der deutschen Bundesregierung zufrieden geben (s. auch Blogeintrag Licht am Ende des Tunnels?), da gibt die Börse deutlich positive Signale.

Weltweit leiden die Geldinsitute - nach wie vor - unter den Folgen der Finanzkrise. Die US-Banken brauchen 75 Milliarden Dollar an zusätzlichen Mitteln, um zu überleben - das ergab die sog. Stresstest-Liste. Und kaum eine deutsche Bank weist schwarze Zahlen auf: heute veröffentlichte die Commerzbank ihre tiefroten Quartalszahlen.

Die Prognostiker haben keine Ahnung

Dienstag, den 21. April 2009

Die Wirtschaftsforscher sind es, von denen Politik und Konzerne gerade jetzt in der Krise eine Orientierungshilfe erwartet. Sie können diese aber nicht mehr liefern und sind offenbar völlig überfordert.

Nächste Woche will die Bundesregierung ihre neue Prognose für die Entwicklung der deutschen Wirtschaft vorlegen. Und alle sind gespannt. Vermutlich wird diese bei rund minus fünf Prozent liegen - das würde eine drastische Korrektur nach unten hin bedeuten. Erst letzte Woche gab das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) bekannt, dass es aufgrund der gegenwärtigen Situation außergewöhnlich großer Unsicherheiten (…) eine quantitative Prognose für 2010 nicht sinnvoll erachte.

Klaus Zimmermann vom DIW, der bereits im Dezember für den Stop jeglicher Vorhersagen plädierte, was die wirtschaftliche Entwicklung angeht, gibt zu, dass die Propheten die Krise unterschätzt haben:

Seit der Verschärfung der Finanzkrise laufen alle Vorhersagen der tatsächlichen Entwicklung drastisch hinterher (…). Die Makroökonomik befindet sich einem Erklärungsnotstand.

Dass sie in der Vergangenheit komplett falsch lagen, dass müssen die Prognostiker jetzt einsehen. Ihre Fehleinschätzungen sind ganz deutlich erkennbar: Während im letzten Jahr noch vier Institute ein Wachstum von 0,2 Prozent für die Bundesrepublik prognostizierten, gehen Volkswirte inzwischen von einer Abnahme des Wachstums von bis zu sieben (!) Prozent in diesem Jahr aus. Welt-Autor Tobias Kaiser bringt die Sache auf den Punkt:

Gleichzeitig müssen aber auch Antworten auf die ungleich bedeutendere Frage finden, was Vorhersagen bringen, die exakt in dem Moment grandios danebenliegen, in dem sie am dringendsten gebraucht würden. Schon vor der Krise waren Konjunkturprognosen weniger verlässlich als der Wetterbericht (siehe Grafik). Und gerade jetzt, wenn Politiker, Unternehmer und Beschäftigte hoffen, in der Krise Orientierung von den Ökonomen zu bekommen, gerade jetzt sind die Makroökonomen so hilflos wie seit Jahrzehnten nicht. Ihre Konjunkturprognosen hechelten der realwirtschaftlichen Talfahrt solange hinterher, bis sogar aus ihrem Kreis der Vorschlag kam, auf Prognosen erst einmal zu verzichten.

Die mathematischen Modelle, mit denen die Ökonomen arbeiten, kalkulieren die Entwicklungen der Vergangenheit mit ein - insofern ist doch eigentlich klar, dass sie jetzt nicht mehr funktionieren können!

Die Krise hat die Modelle gesprengt. Denn sie gehen davon aus, dass die Wirtschaft immer auf ein Gleichgewicht zusteuert. Sie kann dabei durch einen steigenden Ölpreis oder sinkende Zinsen aus der Bahn geworfen werden, kehrt dann aber immer wieder zum Gleichgewicht zurück.

Das Problem: das Finanzsystem ist lahmgelegt, der Geldkreislauf funktioniert nicht mehr. Alle Modelle basieren auf der Annahme, dass Banken den Konzernen liquide Mittel zur Verfügung stellen und auf Zinssenkungen der Notenbanken reagieren. Nun ist diese Zirkulation unterbrochen: die Wirtschaft läuft anders, dies bestätigt Unicredit-Chefvolkswirt  Andreas Rees:

Der Blutkreislauf der Weltwirtschaft läuft zwar, aber anders als zuvor. Da kann man sich nicht ausschließlich auf das Modell verlassen, sondern muss auch mit dem gesunden Menschenverstand arbeiten.

Und wie arbeiten die Forscher dann? Bisher hat sich das Muster wie eine paradoxe Achterbahn verhalten - je tiefer sie rast, desto höher schießt sie dann auch wieder schwungvoll nach oben. Rees erklärt weiter:

Aber bei einem so starken Abschwung wie jetzt muss man sich fragen, ob es plausibel ist, das Muster fortzuschreiben.

Vermutlich wird irgendwann wieder Ruhe einkehren in die Märkte und dann greifen wohl auch diese Modelle, die sich über Jahre hinweg bewährt haben. Zur Zeit aber sind alle Ökonomen ratlos und wir wohl genau so schlau wie sie.

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Ökonomen sind mit ihrem Latein am Ende

Montag, den 6. April 2009

Während Unternehmen mit ihren Prognosen äußerst vorsichtig geworden sind, sagen sie weiter lustig die Wirtschaftsentwicklung voraus: die Ökonomen. Schaut man sich jedoch einmal an, wie ihre Einschätzung noch im letzten Jahr war, so ist das ein Armutszeugnis für die Wirtschaftwissenschaftler. Fast unisono war man sich zwar einig, dass die Wirtschaft zwar weniger stark wachsen wird, dennoch gingen die meisten von einer Steigerung zwischen 1,2 und 1,8 Prozent aus.

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Die Grafik gleicht einem türkischen Basar: Wer bietet was? Von Stagnation oder Rezession wagte da keiner zu sprechen. Warum? Weil niemand diese Entwicklung vorhersehen konnte oder doch besser wollte? Bernd Rürup, ehemaliger Wirtschaftsweiser des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, beispielsweise verkündete noch vor einem Jahr, am 12. April 2008, felsenfest:

Die Konjunkturrisiken haben zugenommen, aber wir stehen definitiv nicht vor einer Rezession

Sollte man nicht aber von einer professionellen Vorhersage eine - zumindest ansatzweise - richtige Richtung erwarten können? Und das nicht nur von Instituten und Konjunkturforschern? Wer hat die Krise wirklich vorhergesehen? Die wenigen Propheten unter den Ökonomen, wie der US-Ökonom Robert Shiller, sind berühmt geworden, weil (wenigstens) sie gewarnt haben. Er erklärt das Versagen seiner Kollegen mit dem Herdentrieb:

Menschen in Expertengruppen sorgen sich ständig um ihre persönliche Bedeutung und ihren Einfluss. Sie haben den Eindruck, wenn sie zu weit vom Konsens abrücken, werden sie in keine ernsthafte Position gelangen.

Zurecht fragen sich die FAZ-Autoren des Artikels Die Ökonomen in der Sinnkrise wie es weiter gehen soll mit den Wirtschaftswissenschaftlern. Selbstverständlich sind sie keine Wahrsager und können Preise und Entwicklungen auf den Prozentpunkt genau vorhersagen. Einige sehen ein, dass sie keinen guten Job gemacht haben - andere wiederum tun so, als hätten sie das mit der Krise schon immer gewusst:

Denn wenn sie tatsächlich schon in ihrer Doktorarbeit vor fehlender Bankenregulierung gewarnt haben, so fragt man sich, wieso sie nicht all ihre Macht und Prominenz eingesetzt haben, die Öffentlichkeit zu warnen.

Unter den Einsichtigen ist auch der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower:

Es ist eine Katastrophe. Was wir in den letzten zehn bis 15 Jahren in der Makroökonomie gemacht haben, ist durch die Krise komplett über den Haufen geworfen worden.

Klar ist, dass die Ökonomen aus ihren Fehlern lernen sollten. Aber wie? Die Kleine Typologie auf FAZ.net zeigt, wie unterschiedlich das Selbstverständnis der Wissenschaftler sein kann und gleichzeitig, wie verunsichert sie selbst über ihre Berufung sind.

Die Rezession hat ein Ende: Interview mit Ben Bernanke

Montag, den 16. März 2009

Ben Bernanke, US-Notenbankchef , ist der mächtigste Mann der Finanzwelt. Er sprach gestern Abend im US-Fernsehen beruhigende Worte aus, die auf ein Ende der Rezession in den Staaten (und damit auch weltweit) hoffen lassen:

Nächstes Jahr werden wir dann eine Erholung erleben.

Besonders hart kritisierte er dabei die Politik mit dem Vorwurf, sie bemühe sich nicht ausreichend um ein stabileres Finanzsystems, von dem die Erholung der Wirtschaft abhängt und mahnte daher zu einem stärkeren Willen:

Das größte Risiko ist, dass wir nicht den politischen Willen haben. Wenn wir nicht die Entschlossenheit haben, das Problem zu lösen, und wir die Dinge einfach laufen lassen, können wir nicht mit einem Aufschwung rechnen.

Die Maßnahmen der Federal Reserve, eine Senkung des Leitzinssatzes auf ein Niveau von fast null (!) Prozent, bewirkten bereits erste Aufwärtsbewegungen, so Bernanke gegenüber dem TV-Sender CBS. Doch der Notenbankchef gab sich realistisch. Eine Vollbeschäftigung sieht er nicht kommen:

Aber wir werden, so hoffe ich, das Ende dieses Abschwungs erleben, der über die vergangenen Quartale so kräftig gewesen ist.

Trotzdem bat er im Interivew um Geduld. Das US-Rettungspaket vom Herbst 2008 in Höhe von rund 700 Milliarden US-Dollars brauche seine Zeit, um gegen die umfangreiche Krise arbeiten zu können. Ermutigend seine Aussage, dass das Schlimmste bereits abgewendet sei. Insgesamt hat die positive Prognose des mächtigsten Bankers sich äußerst positiv aus die Kursentwicklungen am heuten Montag ausgewirkt.

Hier das komplette “60 Minutes” Interview:

Ifo-Index: Es geht bergauf mit der Konjunktur hierzulande

Dienstag, den 27. Januar 2009

Ein bisschen Zuversicht muss sein. Entgegen allen Erwartungen macht sicifogeschaeftsklima_jan09.pngh in deutschen Unternehmen etwas Erleichterung. Wie das Münchner Ifo-Institut heute mitteilte, steigt der Geschäftsklimaindex erstmals seit Mai 2008 und zwar von 82,6 Punkten im Dezember auf 83 Punkte. Die 7000 befragten Firmen haben überraschenderweise sehr viel zuversichtlichere Erwartungen als dies noch zum Ende des “schwarzen” Jahres 2008 der Fall war. Zwar sehen sie die aktuelle Wirtschaftslage noch als schwierig ein, zeigen aber Optimismus für die kommenden Monate. Ifo-Chef Hans-Werner Sinn betont jedoch, dass dies noch kein Zeichen für einen konjunkturellen Aufschwung sei.

Laut dem Ifo-Konjunkturexperten Klaus Abberger besteht aber angesichts des Konjunkturpakets der Bundesregierung “Hoffnung (…) dass die Fallgeschwindigkeit nach dem starken Einbruch im Herbst nun geringer wird”. Die staatliche Finanzspritze von 50 Milliarden Euro unterstützt Sektoren wie die Baubranche und den Einzelhandelssektor. Das stabilisiere erst einmal die Wirtschaftslage.