Während Unternehmen mit ihren Prognosen äußerst vorsichtig geworden sind, sagen sie weiter lustig die Wirtschaftsentwicklung voraus: die Ökonomen. Schaut man sich jedoch einmal an, wie ihre Einschätzung noch im letzten Jahr war, so ist das ein Armutszeugnis für die Wirtschaftwissenschaftler. Fast unisono war man sich zwar einig, dass die Wirtschaft zwar weniger stark wachsen wird, dennoch gingen die meisten von einer Steigerung zwischen 1,2 und 1,8 Prozent aus.

Die Grafik gleicht einem türkischen Basar: Wer bietet was? Von Stagnation oder Rezession wagte da keiner zu sprechen. Warum? Weil niemand diese Entwicklung vorhersehen konnte oder doch besser wollte? Bernd Rürup, ehemaliger Wirtschaftsweiser des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, beispielsweise verkündete noch vor einem Jahr, am 12. April 2008, felsenfest:
Die Konjunkturrisiken haben zugenommen, aber wir stehen definitiv nicht vor einer Rezession
Sollte man nicht aber von einer professionellen Vorhersage eine - zumindest ansatzweise - richtige Richtung erwarten können? Und das nicht nur von Instituten und Konjunkturforschern? Wer hat die Krise wirklich vorhergesehen? Die wenigen Propheten unter den Ökonomen, wie der US-Ökonom Robert Shiller, sind berühmt geworden, weil (wenigstens) sie gewarnt haben. Er erklärt das Versagen seiner Kollegen mit dem Herdentrieb:
Menschen in Expertengruppen sorgen sich ständig um ihre persönliche Bedeutung und ihren Einfluss. Sie haben den Eindruck, wenn sie zu weit vom Konsens abrücken, werden sie in keine ernsthafte Position gelangen.
Zurecht fragen sich die FAZ-Autoren des Artikels Die Ökonomen in der Sinnkrise wie es weiter gehen soll mit den Wirtschaftswissenschaftlern. Selbstverständlich sind sie keine Wahrsager und können Preise und Entwicklungen auf den Prozentpunkt genau vorhersagen. Einige sehen ein, dass sie keinen guten Job gemacht haben - andere wiederum tun so, als hätten sie das mit der Krise schon immer gewusst:
Denn wenn sie tatsächlich schon in ihrer Doktorarbeit vor fehlender Bankenregulierung gewarnt haben, so fragt man sich, wieso sie nicht all ihre Macht und Prominenz eingesetzt haben, die Öffentlichkeit zu warnen.
Unter den Einsichtigen ist auch der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Dennis Snower:
Es ist eine Katastrophe. Was wir in den letzten zehn bis 15 Jahren in der Makroökonomie gemacht haben, ist durch die Krise komplett über den Haufen geworfen worden.
Klar ist, dass die Ökonomen aus ihren Fehlern lernen sollten. Aber wie? Die Kleine Typologie auf FAZ.net zeigt, wie unterschiedlich das Selbstverständnis der Wissenschaftler sein kann und gleichzeitig, wie verunsichert sie selbst über ihre Berufung sind.