Archiv der Kategorie ‘Banken‘

Neuer Sündenbock für den Auslöser der Krise: Unsere Gene

Montag, den 6. Juli 2009

Es gibt zahlreiche Ansätze dafür, wie die Finanzkrise nun tatsächlich zu stande kam und wer in der Verantwortung steht. Ganz klar sind die Bankendirektoren selbst, nicht ganz unschuldig. Eine aussergewöhnlichei Erklärung hat der Bonner Hirnforscher und Direktor der Klinik für Epileptologie, Christian Elger.

Er ist von seiner wissenschaftlichen Begrüdung überzeugt: die Gier nach Geld ist angeboren. Wie sehr Menchen auf “Bares” stehen, ist in einem Gehirnareal verortet. Laut Elger ist dabei das Belohnungszentrum im Gehirn, dessen Aktivierung zu “ungeahntem Wohlbefinden” führt, der Auslöser.

Besonders stark wird diese Struktur eben durch Geld aktiviert. Finanzmanager sind also äußerst hohen Reizen ausgesetzt: Durch permanente Steigerung der Einnahmen kann bei ihnen das Belohnungszentrum im Gehirn kontinuierlich aktiv sein. Genauso wie Geld theoretisch unendlich vermehrbar ist, verlockt auch das Belohnungszentrum zum weiteren Zocken. Elger erläutert:

Also geht es immer weiter, und je höher der Geldbetrag ist, desto mehr wird aktiviert.

Wie die Finanzkrise bestätigte, können riskiofreudige Manager für die Wirtschaft gefährlich werden. Nun stellt sich die Frage, ob solche Personen, die von ihrem Belohnungszentrum in der Finanzgier gejagt werden, von Führungspositionen ausgeschlossen werden sollten. Der Hirnforscher meint jedoch, dass es sich bei diesen Personen auch um Visionäre, die Entwicklungen vorantreiben, handle.

Glücklicherweise gibt es auch Personen, deren Belohnungszentrum nicht so stark auf die Reize des Geldes ansprechen, wie etwa Buchhalter. Seiner Ansicht nach müsste es eine gesunde Mischung aus Leuten geben, die Buchhaltertypen sind, und den Visionären.

Problematisch wird es dann, wenn es zu viele dieser Visionäre gibt, die rhetorisch überzeugen und Menschen mitreißen können. Nach Elger müssten Vorkehrungen getroffen werden, damit sich das System nicht verselbständigt.

Der Hirnforscher geht davon aus, dass Gentests zukünftig eines der Einstellungskriterien für Führungskräfte sein wird - so kann eine kritische Häufung von dem einen oder anderen Typ ausgeschlossen werden. Es bleibt also spannend. Vielleicht ist das der Weg, um eine weitere Finanzkrise zu vermeiden?

Investmenthaie suchen kleine Fische

Freitag, den 3. Juli 2009

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Und plötzlich werden die großen Haie zu kleinen Fischen. Investmentbanken machen mit Fusionen und Firmenkäufen keine Geschäfte mehr und kaufen nun Aktien und Anleihen.

In diesem Jahr haben Investmentbanken vor allem durch Kapitalerhöhungen und Platzierungen von Direktanlagen Kasse gemacht - und immerhin sind ihre Gebühreneinnahmen das erste Mal seit einem Jahr gewachsen. Ihre Beratungsleistung bei Mergers & Acquisitions (M&A) und Zusammenschlüssen, die bisher am meisten Gewinn gebracht hat, ist dagegen kaum noch gefragt.

In den ersten sechs Monaten diesen Jahres fielen die Einnahmen mit Fusionen und Übernahmen mit einem Gesamtwert von 872,5 Milliarden Dollar auf das Niveau von 2003. Leiter der M&A-Sparte der Citigroup, Willi Schulz, hat drei Ursachen für die “Flaute” parat:

Die anhaltende Unsicherheit über die Konjunktur, die stark schwankenden Aktienkurse und die knappen Finanzierungsmöglichkeiten.

Schlicht und ergreifend gibt es zu wenig Kaufwillige, das weiß auch Mark Pohlmann, Leiter des Investmentbanking bei der UBS in Deutschland:

Finanzinvestoren sind mit der Restrukturierung ihrer angeschlagenen Firmen beschäftigt und wer Geld hat, will warten, bis sich die Finanzierungsmärkte erholen. Übernahmen werden auf kleinere Firmen beschränkt bleiben, bis sich die Finanzierungsmärkte nachhaltig erholen.

Mit einer Erholung sei auf jeden Fall nicht im nächsten halben Jahr zu Rechnen. Die ersten beiden Quartale brachten den Investmentbanken 7,5 Milliarden Dollar in der M&A-Beratung. Insgesamt haben die Berater 28,5 Milliarden Euro an Gebühren kassiert - sie profitierten insbesondere von den Abwicklungen der Kapitalerhöhungen und Platzierungen von Wandelanleihen, mit denen sich viele Aktiengesellschaften in der Krise neues Kapital verschafften.

Die Unternehmen selbst haben im ersten Halbjahr 304 Milliarden Dollar über Kapitalerhöhungen eingenommen - nur deutsche Firmen nutzten diesen Weg nicht zur  Aufstockung ihrer liquiden Mittel. Dennoch rechnen Experten, dass auch hierzulande der Trend in diese Richtung gehen wird. Es liegt nahe, dass sich der Kreditmarkt hin zum Anleihenmarkt verschieben könnte.

Staat gibt Anlegern mehr Kontrolle

Montag, den 29. Juni 2009

Künfitg werden Anlagegespräche genauestens protokolliert. Das fordert die Politik zum Schutz der Verbraucher. Wohin nämlich die Falschberatung führt, das mussten viele Privatinvestoren im Laufe der Finanzkrise schmerzlich erfahren. Selten hatten sie etwas gegen ihre Anlageberater in der Hand, die häufig aufgrund von Provisionen zu bestimmten Papieren rieten. Nur wenige geprellte Anleger konnten ihre entsprechende Schadensersatzklage an ihre Bank durchsetzen. Das (blinde) Vertrauen in die Empfehlungen der Bankmitarbeiter schlug sich in herben Verlusten nieder.

Jetzt kümmert sich die großte Koalition in einem ihrer letzten Reformprojekte um diese Problematik. Nun soll die Aufzeichnung der Gespräche als Beweisstück dienen - für die Bankkunden. Am Freitag wird das entsprechende Gesetzt im Bundestag verabschiedet, dass es Anlegern ab sofort erleichtern wird, rechtliche Schritte gegen Falschberatung einzleiten.Im Detial gestaltet sich das so:

Das Protokoll ist vom Anlageberater zu unterschreiben und noch vor Abschluss eines Vertrags auszuhändigen. Bei telefonischer Beratung soll der Bankmitarbeiter künftig dazu verpflichtet sein, dem Kunden das Protokoll nach Hause zu schicken. Ist dieser mit dem Inhalt nicht einverstanden, kann er sieben Tage lang von dem Vertrag zurücktreten.

Auf dieses Gesetz haben Verbraucher lange gewartet. Sicherlich gilt hier: Besser spät, als nie.

Zocken wie die Manager!

Mittwoch, den 24. Juni 2009

Spielerisch leicht durch die Finanzkrise kommen ist nun möglich mit dem neuen Finanzkrisenquartett. Vier Berliner Studenten haben das Quartett im Rahmen eines Unternehmerwettbewerb der Freien Universität entworfen.

Das Speil versetzt einen in seine Kindheit zurück: Statt Autos, Flugzeugen oder Motorädern jagt man aber den Mitspielern staatlich gerettete Banken und bankrotte Firmen ab. Fabian Renk, 25-jähriger BWL-Student an der FU Berlin erklärt das Spiel so:

Früher haben wir im Autoquartett PS verglichen, heute im Finanzkrisenquartett die Zahl der Entlassenen.

Der Gedanke hinter dem Speil ist dennoch ernst, wie Renk weiterhin schildert:

Die Menschen verstehen die Finanzkrise nicht. Wir wollen, dass sie sich damit beschäftigen, dass ihnen bewusst wird, welche Zahlen kursieren.

Man findet spielerisch heraus, welche Banken und Konzerne von der Krise fast oder sogar ganz vernichtet wurden - und welcher Konzern die meisten Staatshilfen eingestrichen hat und wer die hohen Entlassungszahlen verantworten muss. Das 32-Karten-Quartett lässt sich dabei auf unterschiedliche Weise spielen. Die traditionelle Variante sieht wechselseitiges Ziehen vor, bis ein Spieler etwa alle Firmen aus Gruppe E zusammen hat. Das sind die Versicherer: AIG, Allianz, Swiss Re und Münchener Rück. Bei der “familienfreundlichen” Spielvariante gewinnt dafür derjenige, der wirtschaftlich am besten da steht und idealerweise sogar noch Leute einstellt.

Wer einen höheren Spaßfaktor sucht, sollte sich für die “Supertrumpf” Variante entscheiden: Reihum lesen die Spieler eine der fünf Angaben etwa zur Höhe der erhaltenen Hilfen oder dem Verfall des Aktienkurses vor. In dieser eher makabren Variante gewinnen die höchsten Werte. Selbst mit den 102 Mrd. Euro Staatsgeld für die Hyo Real Estate lässt sich so noch einen Stich holen. Mit anderen Worten: Aus Finanzkrisenverlieren werden Gewinner!

Das Spiel zur Krise könnt ihr seit kurzem auf www.finanzkrisenquartett.de bestellen - Kostenpunkt: acht Euro. Anvisiert werden ironische Autobauer und Banken, die auf der Suche nach originiellen Geschenken sind. Die Macher des Quartetts haben bereits potentielle Kunden angeschrieben, unter ihnen auch Josef Ackermann, der sogar eine persönlichen Brief bekommen haben soll. Renk äußert sich zu seiner Vision:

Unser Traum wäre es, das Spiel einmal bei ihm im Büro zu spielen. Leider wissen wir nicht, ob Herr Ackermann den nötigen Humor und die nötige Zeit dazu hat.

Kaum Vertrauen in die Banker dieser Welt

Freitag, den 5. Juni 2009

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser? Längst hat sich die Finanzkrise in eine Vertrauenskrise gewandelt. Bankmitarbeiter werde weltweit schlecht angesehen, so das Ergebnis des GfK-Vertrauensindex vom Frühjahr 2009. Nur 37 Prozent der mehr als  17.000 befragten Personen in 16 europäischen Ländern und den USA haben noch Vertrauen in die Bankiers. Letztes Jahr vertraute ihnen noch knapp die Hälfte (45 Prozent) der Befragten. Ein schlechteres Image haben lediglich Werber, Topmanager und - wie sollte es auch anders ein - Politiker sind noch weniger angesehen.

Ähnliches ergibt die Beliebtheit von Bankern in Deutschland. Während im letzten Jahr fast drei Viertel der Deutschen ihnen Glauben schenkte, sind es heute noch 63 Prozent. Überraschend ist trotzdem, dass das Vertrauen im westeuropäischen Vergleich trotzdem deutlich über dem Durchschnitt von 40 Prozent (!) liegt.

Deutsche verlieren Vertrauen in Bankberater

Montag, den 30. März 2009

Gerade mal neun Prozent der Bundesbürger vertrauen ihren Bankberatern, dies ergibt eine Umfrage der Comdirect Bank. Im Vergleich dazu vertrauen fast drei Viertel der Befragten (71 Prozent) der Partnerin bzw. dem Partner bei Geldangelegenheiten. Ein schlechtes Licht wirft die Studie auch auf die Beratungsqualität der Bankiers: 72 Prozent der Kunden gaben an, dass sie viele Dinge im Beratungsgespräch nicht verstanden hätten. Michael Mandel, Comdirect-Vorstandschef Michael Mandel sagte dem Focus-Magazin:

Das Ergebnis ist eine schallende Ohrfeige für alle Banken, Sparkassen und Finanzberater.

Die Befragung ergab, das 71 Prozent der Deutschen als Folge der Krise kein Vertrauen in das Wirtschafts- und Finanzsystem mehr haben.

Senkt die EZB ihren Leitzins weiter?

Dienstag, den 17. März 2009

Erst Anfang Oktober stufte die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzinssatz vom 2,75 auf nur 1,5 Prozent zurück. Mitglied des Direktoriums der EZB, Jürgen Stark, sagte heute gegenüber dem Handelsblatt:

Wir haben noch etwas Spielraum, die Zinsen weiter zurückzunehmen. Einen Schwellenwert festzulegen, bei dem wir stoppen, macht aus heutiger Sicht keinen Sinn. Für mich selbst ist der Schwellenwert allerdings nicht weit von dem entfernt, was wir im Augenblick haben.

Der Freiraum, die Zinsen weiter zu lockern, ist laut Stark also nicht wirklich groß. Besonders hart kritisiert er die Banken: sie sollen auf die EZB-Maßnahmen reagieren und die Zinssenkung an ihre Kunden weitergeben. Gleichzeitig müssen sie bessere Finanzierungskonditionen bieten, so die Forderung des Volkswirtes.

Insgesamt sieht er die Zinssenkung als eine von viele notwendigen Maßnahmen, um der Krise entgegen zu wirken. Das komplette Interview können Sie hier nachlesen.

Die Kreditkrise in Bildern…

Freitag, den 20. Februar 2009

Jonathan Jarvis, Student am kalifornischen Art Center College of Design in Pasadena, hat sich in seiner Doktorarbeit mit der Finanzkrise auseinandergesetzt. Er schafft es, die Komplexität des weltweiten Finanzdebakels treffend zu visualisieren:


(via Alles gut?)

L’état c’ést moi: Bestimmt der Staat bald über die Existenz von Unternehmen?

Mittwoch, den 28. Januar 2009

Thilo Sarrazin wagt auszusprechen, was andere Politiker für sich behalten. “Die Banker haben sich verzockt”, davon ist er überzeugt. Es sei doch ganz klar, warum der Staat die Kreditinstitute gerne verstaatlicht, denn “Dann ist es ja unsere Bank”, so der Berliner Finanzsenator in der SWR-Fernsehsendung “2+Leif” zum Thema Casino Royal: Banken zocken - der Staat zahlt. Der auch als Tsunami der Politik bekannte Sarrazin gibt offen zu, dass der Staat sich in deutsche Geldinstitute einkauft, um aktiv in das Bankengeschehen eingreifen zu können:

“Wir müssen die Banken da, wo der private Aktionär jetzt nicht mehr Eigenkapital geben wird, in staatliche Obhut nehmen und selbst das Eigenkapital geben und Vollaktionäre werden.”

Der Politik würde demnach beispielsweise die Macht zu Teil, als “Good Bank” über die Vergabe von Finanzspritzen zu entscheiden. Den Rest kann dann die “Bad Bank” als Art Auffangbecken für vergiftete Wertpapiere auffangen. Diese Aufspaltung schlägt Sarrazin selbst vor.

Ganz klar - der Finanzsenator macht deutlich, was der Staat wirklich anstrebt: direkt in die Wirtschaft einzugreifen, anstatt lediglich über die Steuereinnahmen zu bestimmen. Ist die Regierung nämlich die Bank, kann sie frei über die Kredite entscheiden und hat damit die Zügel in der Hand: Darf ein Konzern bestehen (bleiben) oder nicht? Focus-Autor Uli Dönch schreibt hierzu:

Wir alle wissen: Wenn Politiker erst einmal anfangen, Firmen zu retten, finden sie so schnell kein Ende. Dann werden sie auch Unternehmen am Leben halten, die nach den Gesetzen der Marktwirtschaft untergehen müssten – weil sie sich finanziell übernommen haben, weil die Konkurrenz besser ist, oder weil einfach zu wenige Menschen ihre Produkte kaufen.

Und so werden die Staatslenker heute Continental retten, morgen Rosenthal – und übermorgen die ganze deutsche Wirtschaft. Mit Geld, das sie nicht wirklich haben. Mit Schulden, die sie nie begleichen werden. Aber dafür mithilfe einer galoppierenden Inflation, mit der wir später einmal alles bezahlen müssen.

Übrigens haben wir Herrn Sarrazin als Sprecher für das AktienCamp angefragt. Es wär euns eine große Ehre, ihn am 28. Februar in Berlin begrüßen zu dürfen!