Cayman Islands vor der Pleite

15. September 2009 von Anna Friedrich

Wie rasant es mit einer Bank bergab gehen kann, das hat der Zusammenbruch der Lehman Brothers heute vor genau einem Jahr bewiesen. Nicht nur Institutionen, auch ganze Systeme können auf diese Pleite gehen. Nach Liechtenstein ist nun ein weiteres Steuerparadies bedroht. Die beliebte Karibikinsel Cayman Islands steht kurz vor dem Staatsbankrott. Inzwischen ziehen ausländische Anleger Gelder in Milliardenhöhe ab. Die Geldabflüsse könnten das Ende der Steueroase bedeuten.

Nun drängt die britische Regierung die einstige Kolonie indirket zur Einhebung von Steuern. Für andere Länder nichts Ungewöhnliches - für die Karibikinsel jedoch völliges Neuland. Schließlich müssen die rund 50.000 Einwohner bis dato keine direkten Steuern, wie Einkommens- und Unternehmenssteue, zahlen. Gerade wegen der nahezu Steuerfreiheit ist der kleine Staat zu einem der bedeutendsten Finanzmärkte geworden und lockt zahlreiche Firmen an - rund 80.000 Unternehmen sind heute auf der Insel vertreten. Mit der Steuerfreiheit könnte nun Schluss sein. Die britische Außenamtsministerin Chris Bryant erklärte dem Regierungschef der Kaimaninseln McKeeva Bush:

Ich fürchte, es wird ihnen nichts anderes übrig bleiben, als neue Steuern einzuführen. Möglicherweise Einkommen- und Körperschaftsteuern wie auf den Virgin Islands.

Zur schlechten Lage der Cayman Islands kommt hinzu, dass der Staat bereits stark belastet ist. Aufgrund der hohen Schäden der Hurrikans, etwa des Hurrikans Ivan, musste der Staat viel Geld in die Infrastruktur investieren. Außerdem zieht es immer weniger Unternehmen auf die Karibikinsel. Im Zuge der Finanzkrise werden weniger Geschäftslizenzen vergeben. Die eingebrochene Nachfrage bedeutet für die Insel erheblich weniger Einnahmen, schließlich kostet eine Geschäftslizenz für eine Bank rund 620.000 US-Dollar. Da der Staat keine Steuern erhebt, sind dies fast die einzigen Einnahmen. Die Verschuldung des kleinen Staates liegt inzwischen bei knapp 600 Millionen US-Dollar, ein gigantisches Haushaltsloch.

Ob tatsächlich dirkete Steuern eingeführt werden, ist noch unsicher. Der Regierungschef lehnte die Einführung von Unternehmens- oder Einkommenssteuern ab und versprach:

Alles zu tun, um durch diese turbulenten Zeiten zu kommen.

Die Tourismus- und Finanzbranche soll dabei ungeschadet bleiben, sodass das Steuerparadies wohl auch in Zukunft bestehen bleibt.

Grund zur Freude gibt es dagegen bei der Entwicklung der Weltwirtschaft. Nach einem Bericht der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zufolge dürften sich die Märkte schneller erholen als erwartet. Die Konjunktur werde besonders angekurbelt durch China - hier wuchs die Wirtschaft im zweiten Quartal zweistellig. Außerdem würden sich die Immobilienmärkte in den USA und Großbritannien erholen.

Auch für Deutschand dürfte der Einbruch 2009 weniger stark ausfallen: Für das dritte Quartal erwartet die OECD in Deutschland ein Wachstum von 4,2 Prozent. Im vierten Quartal sollen es noch 1,8 Prozent sein.

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