Monatsarchiv für August 2009

VW: Rauswurf aus dem DAX

Montag, den 31. August 2009

Durch den Einstieg von Katar Mitte Dezember droht Volkswagen der Rauswurf aus dem DAX 30, dem wichtigsten deutschen Aktienindex. Momentan hält das Emirat Optionen auf 17 Prozent der Stammaktien. Sobald Katar jedoch die 17 Prozent der Aktien übernimmt, fällt die Zahl der frei handelbaren VW-Stammaktien unter die Mindestmarke von 10 Prozent.

Bislang liegt der Streubesitz der VW-Aktien bei 26,86 Prozent. Laut einer Börsenmitteilung kann Katar in drei Schritten 17 Prozent an dem größten europäischen Automobilbauer übernehmen. Der letzte Schritt wird am 18. Dezember fällig. Das Emirat wäre dann drittgrößter Aktionär: Die Porsche Holding hält rund 51 Prozent, vor dem Land Niedersachsen mit etwas über einem Fünftel der Aktien. Laut einer Studie der Credit Suisse dürfte der Streubesitz damit auf rund 9,6% fallen. Die Bedingung für die DAX-Mitgliedschaft lautet aber: Der VW Streubesitz darf nicht unter 10 Prozent rutschen.

Der Rauswurf aus dem Leitindex könnte schon in der kommenden Woche Wirklichkeit werden. Wolfgang Gerke, Mitglied des Börsenrats der Frankfurter Wertpapierbörse erklärt:

Wenn die bis Montag auslaufenden Optionen über 17 Prozent der Stammaktien ausgeübt werden, fällt der Streubesitz von Europas größtem Autohersteller unter die für eine Mitgliedschaft im Dax erforderlichen zehn Prozent.

Etwas vorsichtiger ist die Deutsche-Börse-Sprecherin Leticia Adam. Sie betont, dass die VW-Stämme nicht vorzeitig aus dem DAX entfernt werden:

Wir werden grundsätzlich abwarten, bis die Optionen ausgeübt wurden.

Kurz vor Weihnachten könnte es für Volkswagen dann soweit sein. Nach mehr als 20 Jahren im deutschen Aktienindex steht das Ende in naher Zukunft. Ein kompletter Rauswurf droht Volkswagen jedoch nicht: Statt der Stämme dürften die VW-Vorzugsaktien in den Index einziehen.

Der Rauswurf, der bereits an der Börse erwartet wird, könnte auch positiv bewertet werden: Möglicherweise kehrt dann mehr Ruhe in den Leitindex ein. Schließlich haben die VW-Stämme in der Vergangenheit für großen Wirbel auf dem Leitindex gesorgt. Im Herbst vergangenen Jahres notierten sie etwa mehr als 1000 Euro, inzwischen kosten sie noch rund 140 Euro. Außerdem sehen einige Analysten das Unternehmen mit den Vorzügen allgemein fairer bewertet. Wünschenswert wäre diese Entwicklung auf jeden Fall.

Netbooks erobern den Computermarkt

Dienstag, den 25. August 2009

Der Verkauf von Laptops und Desktops sinkt in ganz Europa. Der Absatz der kleinen, internetfähigen Netbooks steigt dafür stetig an. Das wiederum drückt die Gewinne der Computerhersteller, denn die preiswerten Computer haben Margen von oft weniger als einem Prozent des Kauferlöses. Unruhige Zeiten für die Computerbranche sind die Folge.

Computerabsatz in WesteuropaAufgrund der Wirtschaftskrise sind zudem die Budgets vieler Unternehmen deutlich geringer. Neuanschaffungen sind eher selten. Ein weiterer Grund für die zurückgegangenen Gewinne besteht darin, dass viele Unternehmen auf die Einführung des neuen Betriebssystems Windows 7 von Microsoft warten. Nach einer Studie des Analystenhauses Gartner sind die Verkäufe an Unternehmen insgesamt um etwa 21 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken.

Positiv zu bewerten ist dagegen der Einzelhandel: Hier stiegen die Verkäufe um etwa 20 Prozent. Hinter dem Anstieg stehen die Netbooks. Inzwischen machen sie bereits 20 Prozent des gesamten europäischen Computermarktes aus.

Deutlich zulegen konnte der taiwanische Computerhersteller Acer. Während die Konkurrenz mit Absatzeinbrüchen kämpfte, verbuchte Acer einen Absatzanstieg von 24,3 Prozent. Das brachte das Unternehmen an die Spitze der europäischen Computerbranche. Gefolgt wird das Unternehmen von Hewlett-Packard und Dell.

Trotz Absatzrückgängen bleibt die Zukunft des Computermarktes spannend: Neben den klassischen Laptops und Desktops werden die großen Computerhersteller sogenannte „All-in-one-Geräte“ anbieten – Bildschirme mit integriertem Computer, die über ein Touchscreen bedient werden. Eine Investition in den Computermarkt könnte sich daher doch noch lohnen…

Ende der Rezession = Ende der Krise?

Freitag, den 21. August 2009

Der Rubel rollt wieder, die Konjunktur ist angebtrieben. Im zweiten Kapital überrascht die deutsche Wirtschaft mit einem Wachstum von 0,3 Prozent im Vergleich zum ersten Viertel Jahr. Diese frohe Botschaft verkündete das Statistische Bundesamt. Ein Statistiker bestätigt die positive Entwicklung:

Das ist das erste Wachstum nach einem Jahr stetigen Schrumpfens.

Commerzbank-Chefvolkswirt, Jörg Krämer, ist da noch optimistischer gestimmt:

Die Rezession ist vorbei.

Allgemein scheint sich die Wirtschaft zu stabilisieren, langsam geht es aufwärts. Laut Statistikern wird die Konjunktur vor allem durch den Konsum angekurbelt - private und staatliche Ausgaben sowie Bauinvestitionen.

Die Rezession mag vielleicht vorbei sein - aber bedeutet das gleichzeitig, dass die Finanzkrise überstanden ist? Noch immer leidet die Wirtschaft unter den Folgen der Krise. Das Bruttoinlandsprodukt bestätigt die schlechte Lage: Im Vergleich mit dem zweiten Quartal 2008 brach es um ganze 7,1 Prozent ein. Konjunkturchef des Deutschen Institus für Wirtschaftsforschung rückt das Problem der Arbeitslosigkeit in den Vordergrund:

Das Risiko bleibt ein deutlicher Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Insbesonders Deutschland leidet vom Einbruch der Weltwirschaft. Als Exportmeister ist das Land stark den Schwankungen im Konjuknkturzyklus unterworfen. Sinkt die internationale Nachfrage aufgrund der Rezession, wirkt sich dies auch sofort negativ auf das BIP aus.

Fazit: Das Ende der Rezession bedeutet noch lange nicht das Ende der weltweiten Krise. Die langfristige Erholung der Märkte wird wohl noch auf sich warten lassen.

Für Vodafone gehts aufwärts

Montag, den 17. August 2009

Das Mobilfunkgeschäft ist gekennzeichnet durch regen Wettbewerb. Immer mehr Mobilfunkanbieter drängen auf den Markt und drücken die Preise. In dem heiß umkämpften Markt hat sich besonders Vodafone hervorgetan und überraschte mit positiven Zahlen.

Trotz der Absatzschwächen auf dem europäischen Markt, die auf die Konjunkturkrise zurückzuführen sind, hat das Unternehmen ein starkes Wachstum verbucht. Grund dafür sind die aufstrebenden Länder, allen voran Indien und Afrika. Sie gleichen die Absatzschäche mehr als aus. Im Wachstumsmarkt Indien hat Vodafone etwa sein Geschäft um mehr als 20 Prozent erhöht und besitzt einen Marktanteil von fast einem Fünftel.

Neben dem Mobilfunkgeschäft wird der Festnetzanteil für Vodafone immer wichtiger, der in der Zukunft viel Potential bietet.

Die positive Entwicklung des Unternehmens lässt die Aktionäre freuen: Die Ausschüttung dürfte gesichert sein. Die Rendite liegt bei etwa 6 Prozent pro Aktie.

Interessant zu beobachten ist neben dem Mobilfunkgeschäft die Mobilfunknutzung. Nach einer Studie von Technoconsult wird das Handy immer mehr zum Multifunktionsgerät. Inzwischen benutzt nur jeder sechste das Handy ausschließlich zum Telefonieren. Zusatzfunktionen werden dafür immer beliebter: An erster Stelle steht dabei das Versenden von Kurznachrichten, das Fotografieren und Musikhören. BITKOM-Präsidiumsmitglied Friedrich Joussen fasst den Trend zusammen:

Das Handy ersetzt mit seinen vielen Funktionen zunehmend Spezialgeräte wie Digitalkamera und MP3-Player. Das Handy wird zum Multimedia-Instrument.

Wie die Ergebnisse der Studie zeigen, gibt es deutliche Unterschiede in der Handynutzung zwischen Männern - Frauen und jung - alt. In der Regel nutzen Männer die technischen Möglichkeiten des Handys, wie Videos schauen oder E-Mails abrufen, viel stärker als Frauen.

Insgesamt hat die Nutzung von Zusatzfunktionen im Vergleich zum Vorjahr stark zugenommen. So betont Joussen:

Die aktive Nutzung von Services und zusätzlichen Funktionen und das Einbringen eigener Inhalte in das Netz steigt deutlich.

Mobilfunkanbieter reagieren auf diesen Trend, indem sie etwa die Smartphones anbieten mit vielfältigen Funktionen. Auch weiterhin muss der Markt sich den neuen Bedürfnissen der Nutzer anpassen.

Das Aus für Escada

Mittwoch, den 12. August 2009

bild-12.pngNun ist es amtlich. Der größte deutsche börsennotierte Damenmodekonzern stand vor der unmittelbaren Zahlungsunfähigkeit. Nur 46 Prozent der Gläubiger willigten gestern dem Umtauschangebot ein - erforderlich waren mindestens 80 Prozent. Heute gab der Escada-Chef Bruno Sälzer die endgültige Insolvenz bekannt, was aus seiner Sicht aber nicht unedingt das Scheitern der Marke Escada bedeute.

Die Entwicklung war absehbar. Bereits im letzten Jahr lagen die Verluste bei 70 Millionen Euro. Und im ersten Halbjahr brach der Umsatz um knapp 30 Prozent ein. Entsprechend der Entwicklung des Unternehmens verlor Escada an der Börse daramtisch an Wert. Auf der Hauptversammlung April führte Sälzer die sich abzeichnende Pleite auf “Defizite in der Modeaussage” zurück. Sprich: die shoppenden Kundinnen blieben aus, weil die Marke an Reputation verloren hatte.

bild-16.png

Für die Aktionäre von Escada sieht es schlecht aus, sie werden vermutlich leer ausgehen. Dies vermutet Christian Douglas, Analyst DZ-Bank in einer Analyse, die einen Restwert der Aktie von 50 Cent berechnete. Laut Studie sind Werte und Verbindlichkeiten der Gesellschaft in etwa gleichwertig. Zu den Großaktionäre des einstigen Modeimperiums gehören die Famlien Herz mit etwa 25 Prozent Anteilen, der russische Investor Rustam Aksenenko mit 21 Prozent und Bestinver aus Spanien mit rund 10 Prozent.

Was nun mit den fast 500 Mitarbeitern im Bayrischen Aschheim passiert, ist unklar. Sicherlich ist die Geschichte vom Traditionskonzern Escada nur repärsentativ für die fatalen Auswirkungen der Finanzkrise. Luxuskonzerne haben es da sicherlich besonders schwer.

Aktien-Boom ade?

Donnerstag, den 6. August 2009

Bundesbürger legen weniger Geld in Direktanlagen an. Dies zumindest bestätigt die aktuelle Befragung des Deutschen Aktieninstituts (DAI), an der sich 26.000 Anleger hierzulande beteilgten (PDF). Die Folgen des Finanzdebakels sind demnach ganz klar sichtbar: im ersten Halbjahr 2009 ist die Zahl der Aktienbesitzer im nur um 20.000 auf insgesamt 8,812 Millionen Anleger gestiegen. Das sind 13,6 Prozent der deutschen Bevölkerung.

Während zu boomenden New Economy Zeiten 12 Millionen Deutsche ihr Geld in Aktien anlegten, ging es bereits ab 2002 bergab mit der Zahl der Aktien- und Fondsbesitzer. Das zweite Halbjahres 2008 dann brachte den völligen Absturz - nicht nur des Systems: laut DAI waren es nur noch 8,792 Millionen Anleger.

bild-15.png

Dass die Zahl der Aktionäre seid Krisenbeginn wieder leicht anstieg, ist allerdings nicht auf mehr Direktanlagen zurückzuführen. Vielmehr investierten (wieder) mehr Aktionäre in Fonds. Im Vergleich zählte das Institut nämlich mit 3,4 Millionen rund 190.000 weniger Direkt-Aktionäre. Fondsbesitzter gab es im ersten Halbjahr 2009 6,8 Millionen und damit 232.000 mehr als bei der letzten Auszählung. Insgesamt sind es 42.000 Neu-Anleger, wobei sich die beiden Gruppen natürlich auch überschneiden. Daher schätzt das DAI die reale Zahl der Börsen-Neulinge auf 20.000.

Schön ist, dass sich offenbar wieder mehr junge Leute für Aktien begeistern lassen. DAI-Vorstand Rüdiger von Rosen scheint beflügelt, gerade von der höheren Anzahl der unter 40-Jährigen - immerhin waren es in dieser Altersgruppe 117.000 mehr Aktienbesitzer:

Dass jüngere Anleger vermehrt Aktien und Aktienfondsanteile kaufen, verdeutlicht die Bereitschaft zu einer frühzeitigen Altersvorsorge.

Börsenpsychologe bei Cognitrend, Joachim Goldberg, sieht anhand der Zahlen keine Veränderung im Anlageverhalten:

Die Zuwächse bei den Aktionärszahlen sind fundamental nicht zu begründen. Angesichts der gigantischen Kursverwerfungen des vergangenen Jahres hätte ich eher einen weiteren Vertrauensschwund bei den privaten Investoren erwartet.

Sieht man sich die Studie “Depression Babies” von der UC Berkley (PDF) an, so widersprechen die Ergebnisse der DAI-Untersuchung. Demnach entscheiden die ersten Börsenerfahrungen über die spätere Risikofreude der Anleger: viele junge Sparer zahlten zu Rezessionszeiten von 2000 bis 2003 viel “Lehrgeld” und gehen daher sehr vorsichtig mit Aktienkäufen um. Daher überrascht der Anstieg der Aktionärszahlen im ersten Halbjahr: gerade jetzt einzusteigen, ist mutig. Seit seinem Tiefstand im März von 3588 Punkten, legte der Dax 50 Prozent zu. Dennoch glaubt Goldberg, die wachsenden Aktionärszahlen sollten nicht überbewertet werden.

Harry Dent, Autor des gerade auf dem deutschen Markt erschienenen Buches “Depression Voraus! So kommen Sie sicher durch die Börsenflaute” kann auch keinerlei Optimismus für die zukünftige wirtschaftliche Entwicklung teilen. Er glaubt, dass die Depression in Amerika bis 2012 anhalten wird:

Die bisherige Krise war nur ein Appetitanreger. Machen Sie sich bereit für die nächste große Depression.

Die Meinungen gehen also klar auseinander und man rufe sich auch in Erinnerung, dass Börsenpropheten überoptimistisch und träge sind, wie im vorangegangen Artikel beschrieben. Verlass ist also auf Prognosen generell nicht. Und von der steigenden Aktionärszahlen auf ein Ende der Depression zu schließen, wäre schlichtweg naiv. Dennoch gibt die gute Perfomance des DAX 30, der sich zur Zeit auf seinem Jahreshoch befindet, Hoffnung!