Deutsche Wirtschaft wächst langsamer
17. September 2008 von Anna FriedrichUm nur noch 1,7 Prozent soll die Wirtschaft laut Prognose der Bundesregierung wachsen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI aus Essen senkte ebenfalls seine Prognose auf 1,7 Prozent gegenüber 2,2 Prozent im Vorjahr. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) sagt 1,9 Prozent Wachstum voraus, verglichen mit 2,2 Prozent noch im August 2007.
Trotzdem sieht der Direktor des HWWI Thomas Straubhaar für den deutschen Kapitalmarkt keinen Grund zur Sorge:
Bereits im nächsten Jahr solle die Konjunktur in Deutschland, so Straubhaar, wieder an Dynamik gewinnen. Weil das Jahr 2008 recht schwach ist, soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2009 allerdings durschnittlich nur um 1,0 Prozent steigen. Bereits Ende nächsten Jahres rechnet der Direktor mit einem Wachstum von 2,0 Prozent - ähnlich der diesjährigen BIP-Prognose des HWWI von 1,9 Prozent.
ZEW-Index steigt - Großteil der Daten aber vor neuer Welle der Finanzkrise erhoben
Optimistischer liegen die Konjunkturerwartungen des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für den Monat September. Zwar steht das ZEW-Stimmungsbarometer mit 41,1 Punkten im Minus (Vormonat: Plus 14,4 Punkte). Das ZEW glaubt aber, dass der fallende Ölpreis und der etwas schwächer werdende Euro gegenüber dem Dollarkurs eine Aufhellung der Konjunktur andeuten.
Dennoch basieren die Umfragewerte größten Teils nicht auf der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers - der größten Bankenpleite in der Geschichte, die an diesem “Schwarzen Montag” weltweit für Krisenstimmung auf den Börsenparketten sorgte. Daher die Kritik des LBBW-Analysten Thomas Gitzel:
Würde der Index heute oder morgen erhoben werden, sähe er deutlich anders aus.
Heute, nach der Rettung des Versicherungskonzerns AIG durch den amerikanischen Staat haben sich die Börsen zumindest geringfügig vom Finanz-Schock erholt, der Dax hat sich beruhigt.
Die Bundesregierung sieht keine Anzeichen für eine Rezession. Peer Steinbrück bestätigte letzte Woche die Prognose von 1,7 Prozent Wachstum für 2008. Obwohl die deutsche Wirtschaft insgesamt etwas schwächer ist, besteht aus Sicht des Finanzministers kein Anlass für Horrorszenarien. Im Gegenteil, so betonte Steinbrück im Bundestag, sei die deutsche Wirtschaft “wesentlich wettbewerbsfähiger und robuster als noch vor fünf Jahren” und sagte weiter: „Eine Wirtschaft mit positiver Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist nicht in einer Rezession.“




Am 30. Juli 2009 um 16:40 Uhr
Das Thema hätte sich einige Kommentare mehr verdient
Am 17. Juni 2010 um 13:21 Uhr
Ist ja schön, wenn Herr Steinbrück ein Wachstum der Wirtschaft sieht. Meine Schwester sieht nur Aktenhaufen in der Insolvenzabteilung des Amtsgerichtes. Die stammen von Firmen, die eben keinen Wachstum verbuchen können. Diese Firmen mussten wegen der schlechten Lage der Wirtschaft schließen. Ein weiterer Kredit wurde durch die Banken nicht bewilligt und auch Factoring kam für die Unternehmer nicht in Frage.