Monatsarchiv für September 2008

(K)ein Ende: Nach der Finanzkrise ist nicht gleich vor der Finanzkrise

Donnerstag, den 25. September 2008

EZB-Chef Jean-Claude Trichet glaubt, dass die turbulenten Zeiten an den Kapitalmärkten noch noch lange nicht ausgestanden sind. In einem Interview sagte er zur Finanzkrise:

Es ist ein fortdauerndes Phänomen, das von allen Regierungen und ganz gewiss von den Zentralbanken ständige Wachsamkeit erfordert.

Das Weltfinanzsystem, so Trichet, müsse durchsichtiger werden. Vor allem der Handel mit bedenklichen US-Hypotheken sei es gewesen, der die Krise verursacht hat. Anstatt einen Sündenbock zu suchen, empfiehlt der Notenbankchef, das System sorgfältig zu prüfen.

Das soll also die Begründung sein dafür, dass alles “den Bach runtergeht”? Zwar leidet der Euroraum nicht so stark unter der Kreditkrise wie die USA. Dort hat Präsident Bush anlässlich der zu erwartenden Rezession eine (äußerst außergewöhnliche) Krisensitzung mit den Kanzlerkandidaten McCain und Obama einberufen. Dass möglicherweise Millionen Menschen ihren Arbeitsplatz verlieren könnten, Bedarf laut Bush schnellen Handlungsbedarf von Regierung und Kongress.

Schön, dass unsere Regierung in den USA einen Sündenbock für die wirtschaftlichen Probleme - inklusive Arbeitslosigkeit und schwachen Konjunkturaussichten - gefunden hat. Das ändert aber nichts an den Folgen der Krise: einen deutlichen Rückgang des Wirtschaftswachstums in Deutschland. Nach den Beschwichtigungen von Finanzmininister Steinbrück noch letzte Woche (s. Blogeintrag Deutsche Wirtschaft wächst langsamer), äußert sich Kanzlerin Merkel sehr viel skeptischer.

Heute ruderte Steinbrück in seiner Regierungserklärung zur Finanzkrise zurück. Die deutsche Wirtschaft werde stärker belastet, als bisher angenommen. Viel schlimmer sind allerdings die Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft, die Steinbrück in seiner Rede hervorhebt:

Die Welt wird nicht wieder so werden wie vor der Krise” (…) Die ernste globale Finanzkrise wird tiefe Spuren hinterlassen. Sie wird das Weltfinanzsystem tiefgreifend umwälzen.

Ifo-Index und GfK-Konsumklima deuten auf schlechte Konjunkturerwartungen hin

Das Ifo-Geschäftsklima ist ein Frühindikator für die Entwicklung der deutschen Konjunktur. Der aktuelle Index zeigt, dass Unternehmen schlecht gestimmt sind und von einem deutlich nachlassenden Wirtschaftswachstum ausgehen. Ein Konjunkturexperte der Allianz Dresdner Bank kommentiert:

Die Finanzkrise der vergangenen Woche wird sich in den Daten voll durchschlagen. Das kann natürlich negative Folgen für die weitere Stimmungsentwicklung in Deutschland haben. Kritisch würde es vor allem dann, wenn die Finanzkrise die Verbraucher zusätzlich stark verunsichern und den Konsum deshalb stark bremsen würde. (…) Indirekt werden wir die Folgen der Krise aber durchaus zu spüren bekommen, je stärker sich das Wachstum wichtiger deutscher Handelspartner abschwächt.

Ähnlich schlecht sind die Erwartungen der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Sie korrigiert heute ihre Jahresprognose für das Konsumklima von 0,5 Punkte auf null Punkte. Immerhin bricht die Oktober-Prognose von 1,8 Prozent den Abwärtstrend im Vergleich zu 1,6 Prozentpunkten im September. Die Finanzkrise und die damit einhergehende Rezessionsgefahr werde vermutlich, so GfK-Experte Rolf Bürkl, auch auf die Verbraucherstimmung Einfluss nehmen.

Kritik am 700 Milliarden-Rettungsplan der USAJoseph Stiglitz, US-Wirtschaftsnobelpreisträger und Wirtschaftsprofessor der Columbia-Unviersität, hält wenig von Paulsons Maßnahmen. Die Krise ist für ihn „das Ende eines desaströsen Geschäftsmodells“. Und er spricht vom „Ende der Ideologie, dass freie, deregulierterkte immer funktionieren“. Es sei sehr wahrscheinlich, so Stiglitz gegenüber der F.A.S., dass weitere Banken betroffen sind. Aus seiner Sicht hat die US-Regierung mit ihrem Finanzsystem ihre Glaubwürdigkeit verloren.

Der Rettungsplan von US-Finanzminister Hank Paulson wird vielseitig diskutiert. Anlässlich der Krise trafen sich die G7-Länder mit dem einstimmigen Ergebnis, die USA bei ihrer Hilfsaktion nicht zu subventionieren. Der Direktor des Internationalen Währungsfonds (IWF) Dominique Strauss-Kahn erklärt hierzu:

Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich zu allererst um eine amerikanische Krise handelt, und dass auch der größte Teil der Verluste in Amerika anfällt. Deshalb sollte die Aufgabe der Krisenbewältigung vor allem von den Vereinigten Staaten erfüllt werden. Europäische Banken haben zwar ebenfalls Verluste erlitten aus ihrem Engagement in Wertpapieren, die mit dem amerikanischen Immobilienmarkt verknüpft sind, doch insgesamt sind sie in besserer Verfassung als die amerikanischen Institute. Es kann gleichwohl ratsam sein für die Europäer, sich für den Ernstfall zu wappnen.

Dennoch, so Strauss-Kahn weiter, stehen die Zeichen momentan nicht auf einer Rezession der Weltwirtschaft. Trotzdem glaubt er an einen Abschwung der Konjunktur, von dem wir uns in den nächsten Jahren nur langsam regenerieren werden.

Experiment gescheitert (ohne Worte)

Donnerstag, den 18. September 2008

Experiment gescheitert

Quelle: FTD-Ausgabe vom Mittwoch, S. 27

Google News verursacht Kurssturz bei United Airlines

Mittwoch, den 17. September 2008

Die Macht des Internetgiganten Google wirkt sich sogar auf die Marktkapitalisierung von Unternehmen aus. Letzte Woche vermeldete der Newsservice “Google News” den Konkurs von United Airlines - dass die Meldung schon sechs Jahre alt war, wusste zu diesem Zeitpunkt Niemand. Zumindest nicht der Chicago Tribune.

Als Reaktion auf diese Konkursmeldung veröffentlichte die Onlineausgabe der Tageszeitung Sun Sentinel einen Artikel - mit verheerenden Auswirkungen. Die Aktie der United Airlines fiel innerhalb von 12 Minuten um 75 Prozent von von 12 auf 4,05 US-Dollar, mehr als eine Milliarde Dollar (!) wurden vernichtet. Und das Alles, wegen einer Falschmeldung. Denn der Airlinebetreiber hatte keineswegs Konkurs angemeldet. Die Meldung von vor sechs Jahren wurde versehentlich von einem Google-Computerprogramm als neu ausgegeben.

Nachdem der Fehler aufgefallen war, entfernte der Chicago Tribune den Artikel sofort von seiner Seite und entschuldigte sich in einem Pressestatement:

A Chicago Tribune story written in December 2002 regarding the United Airlines bankruptcy filing that year was apparently picked up by an investment advisory and research firm and republished as though it was current, (…) The story was located in the archive section of the Web site of the Sun Sentinel in South Florida. The story contains information that would clearly lead a reader to the conclusion that it was related to events in 2002. In addition, the comments posted along with the story are dated 2002.

Bei der Schuldfrage geht es nicht darum, wer versagt hat. Klar war es ein Fehler, die Konkursmitteilung und darauf aufbauend den Kurssturz nicht näher zu analysieren. Zwischen der Tribune-Gruppe und Google ist ein Streit entfacht. Der Verlag spricht von der “Unfähigkeit des automatischen Google-Systems” und macht Google für das Auftauchen der Falsch-Nachricht verantwortlich. Google wiederum spielt den Ball zurück und behauptet gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, dass der Artikel eindeutig datiert gewesen sei, da er sonst nicht in das Nachrichtenangebot aufgenommen worden wäre. Aber, das Problem ist doch ein ganz anderes. Nämlich: wer macht die News? Mensch oder Maschine? Thomas Schuler von der Süddeutschen Zeitung schreibt hierzu:

Niemand kontrollierte und hinterfragte die Aktualisierung. Die Aktie wurde für einige Stunden aus dem Handel genommen. Bis zum Abend war sie stabilisiert, die Börsenaufsicht SEC kündigte eine Untersuchung an. Damit schien das Problem an der Börse geregelt, nicht aber das Problem des Journalismus.

Diesen Konflikt können Anleger nicht lösen. Aber sie können aus diesem Fall lernen. Denn nicht alles, was Google findet, ist tatsächlich newswertig und relevant. Gleichzeitig kann man auch Journalisten nicht immer trauen bzw. sollte auch solche Quellen näher prüfen, bevor man sich zu Kauf oder Verkauf von Aktien hinreißen lässt. Auch so schützt man sich in schwierigen Zeiten vor unnötigen Renditeverlusten!

Deutsche Wirtschaft wächst langsamer

Mittwoch, den 17. September 2008

Um nur noch 1,7 Prozent soll die Wirtschaft laut Prognose der Bundesregierung wachsen. Das Wirtschaftsforschungsinstitut RWI aus Essen senkte ebenfalls seine Prognose auf 1,7 Prozent gegenüber 2,2 Prozent im Vorjahr. Das Hamburgische WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) sagt 1,9 Prozent Wachstum voraus, verglichen mit 2,2 Prozent noch im August 2007.
Trotzdem sieht der Direktor des HWWI Thomas Straubhaar für den deutschen Kapitalmarkt keinen Grund zur Sorge:

Wenn der Dax um vier Prozent abstürzt, heißt das noch lange nicht, dass die deutsche Konjunktur in gleichem Maße betroffen sein wird.

Bereits im nächsten Jahr solle die Konjunktur in Deutschland, so Straubhaar, wieder an Dynamik gewinnen. Weil das Jahr 2008 recht schwach ist, soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2009 allerdings durschnittlich nur um 1,0 Prozent steigen. Bereits Ende nächsten Jahres rechnet der Direktor mit einem Wachstum von 2,0 Prozent - ähnlich der diesjährigen BIP-Prognose des HWWI von 1,9 Prozent.

ZEW-Index steigt - Großteil der Daten aber vor neuer Welle der Finanzkrise erhoben

Optimistischer liegen die Konjunkturerwartungen des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für den Monat September. Zwar steht das ZEW-Stimmungsbarometer mit 41,1 Punkten im Minus (Vormonat: Plus 14,4 Punkte). Das ZEW glaubt aber, dass der fallende Ölpreis und der etwas schwächer werdende Euro gegenüber dem Dollarkurs eine Aufhellung der Konjunktur andeuten.
Dennoch basieren die Umfragewerte größten Teils nicht auf der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers - der größten Bankenpleite in der Geschichte, die an diesem “Schwarzen Montag” weltweit für Krisenstimmung auf den Börsenparketten sorgte. Daher die Kritik des LBBW-Analysten Thomas Gitzel:

rde der Index heute oder morgen erhoben werden, sähe er deutlich anders aus.

Heute, nach der Rettung des Versicherungskonzerns AIG durch den amerikanischen Staat haben sich die Börsen zumindest geringfügig vom Finanz-Schock erholt, der Dax hat sich beruhigt.
Die Bundesregierung sieht keine Anzeichen für eine Rezession. Peer Steinbrück bestätigte letzte Woche die Prognose von 1,7 Prozent Wachstum für 2008. Obwohl die deutsche Wirtschaft insgesamt etwas schwächer ist, besteht aus Sicht des Finanzministers kein Anlass für Horrorszenarien. Im Gegenteil, so betonte Steinbrück im Bundestag, sei die deutsche Wirtschaft “wesentlich wettbewerbsfähiger und robuster als noch vor fünf Jahren” und sagte weiter: „Eine Wirtschaft mit positiver Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt ist nicht in einer Rezession.

Keine Gunst für Aktien - “Nur Bares ist Wahres”?

Dienstag, den 9. September 2008

Fondsgesellschaften und Investmenthäuser reduzieren die Aktienquote in ihren Portfolios dramatisch. Durchschnittlich steckten Manager vor drei Monaten noch über 50 Prozent des Anlegerkapitals in Direktanlagen. Heute investieren sie in zwei Drittel weniger Aktien, dies ergibt die aktuelle Fondsumfrage der FTD.

Im Schatten der Finanzmarktkrise sorgten vor allem Spekulationen um den Rohöhlpreis und weltweite Konjunktursorgen und Inflationsängste für Aktienrallyes. Die Reaktion der Fondsmanager ist wenig optimistisch. Sie verkaufen nicht nur Große Teile der Direktanlagen. Laut Befragung wollen 40 Prozent der Portfolioexperten die Aktienanteile sogar weiter senken. 20 Prozent planen ganz nach dem Motto “Nur Bares ist Wahres”, die Cashanteile der Großinvestoren weiter zu steigern.

Nachdem sich die Portfoliomanager bereits im Juni sehr pessimistisch gaben, wie wir berichtet haben, scheint sich der Trend nun weiter zu verstärken. Die Fondsverwalter sind skeptisch geworden und wollen Sicherheit, nicht Risiko. Dies bestätigt West LB Mellon Asset Management gegenüber der FTD:

Die hohen Volatilitäten im Jahr 2008 führten zu erhöhter Risikoaversion.

Die Brancheneinschätzung mit Schwerpunkt Europa spiegelt schlechte Erwartungen seitens der Fondsmanger wider. Vor allem für die Automobilindustrie wird eine schlechte Entwicklung vorhergesagt. Mit einer 50:50-Chance wird die Biotechnologiebranche noch am positivsten bewertet. Verglichen mit den vorangegangenen Ergebnissen fasst die FTD zusammen:

Zykische Konsumwerte werden ebenso wie Bau- und Baustofffirmen deutlich pessimistischer bewertet als zuvor. Ganz schlecht kommt der Banksektor weg: Hielten im Vorquartal immerhin noch 40 Prozent der Großinvestoren die Branche für ein gutes Investment, sank die Quote auf null. (FTD vom Montag, S. 22)

Düstere Zeiten sagen die befragten Fondsprofis für alle Aktienmärkte, also auch den europäischen voraus. Keiner der Großinvestoren geht von einem Bullenmarkt aus und auch eine Jahresendrallye scheint nicht in Sicht.

Basis der Anlageentscheidung ist für die Fondsmanager vor allem die weltweite Inflationsangst. Auch Schwellenländer leiden unter den Auswirkungen der Finanzkrise. Unisono wird mit einer Abschwächung der chinesischen Konjunktur gerechnet.

Die Fondsmanager rechnen mit einem Ende der Rohstoffhausse. Rohstoffpreise sollen - trotz kurzzeitiger Erholung - langfristig steigen. Nur noch 10 Prozent der Befragten investieren in Grundstoffgesellschaften. Noch vor drei Monaten waren es 40 Prozent! Julius Bär-Analysten unterstreichen diese Entwicklung:

Wir erachten die jüngsten Preisabschläge als Korrektur in einem längerfristigen Aufwärtstrend.

Für den Ölpreis wird keine Teuerung antizipiert. Weit weg von der Rekordmarke von 148,13 $ pro Barrel rechnen die Fondsgesellschaften eher mit ca. 90 $ und signalisieren damit die erwartete Konjunkturschwäche. Für 2009 rechnen alle Befragten mit fallenden Inflationsraten. Daher ist der zunehmende Inflationsdruck bei der Anlageentscheidung weniger wichtig.

Dies ist noch lange kein Grund zum Aufatmen. Chefsvolkswirt bei Generali Investments, Klaus Wiener, glaubt, dass die ökonomischen Auswirkungen der Finanzkrise die Anlagestrategie wesentlich beeinflussen:

Schlüssel für eine nachhaltige Überwindung sind die US-Immobilienpreise. Erst wenn sich hier eine Bodenbildung abzeichnet, steigen die Chancen für eine dauerhafte Erholung an den Märkten.

Warten bis Oktober - Börsianer haben Angst vorm September

Mittwoch, den 3. September 2008

Der neunte des Jahres ist für Börsianer und Anleger ein Horrormonat. Denn der September hat sich in der Vergangenheit an den Börsen weltweit als schlechter Monat erwiesen. Gerade, weil die Nachwehen der Finanzkrise noch nicht vorüber sind, wäre ein weiterer Rückschlag an den Aktienmärkten desaströs. Statistisch gesehen haben sich die Kurse in den letzten 50 Jahren 32 Mal zu dieser Zeit negativ entwickelt.

Bekanntlich werden im September Dividenden ausgeschüttet (oder eben nicht) und ein Großteil der Halbjahresberichte veröffentlicht. Viel Positives haben die meisten Unternehmen da nicht zu vermelden. Bei Fondsgesellschaften endet das Geschäftsjahr im September, die wollen natürlich gute Ergebnisse liefern. Sie versuchen daher, alle schlechten Werte vorher aus ihren Depots zu schmeißen.

Folgt man der Statistikregel, die zwar in diesem Börsenjahr ohnehin zu Nichte gemacht wurde, so sollten Anleger schleunigst verkaufen. Vielleicht bleibt ja der Ölpreis tief, dann besteht kein Grund zur Sorge. Oder doch?

Wenigstens bietet der Oktober einen besseren Kapitalmarktausblick: dann geht das Rennen nämlich wieder los und lässt das Stimmungsbarometer steigen.

Guter Rat muss nicht teuer sein: Selbst denken ist effektiver, als dem Trend zu folgen

Montag, den 1. September 2008

Kein Ruhmesblatt für Banken waren die Ergebnisse einer Untersuchung von Bamberger Ökonomen, über die wir bereits berichtet haben: die 90 Tester wurden überwiegend schlecht oder gar falsch von den Geldhäusern beraten. Besser als sich zu Geldanlagen bei seiner Bank zu informieren ist es offenbar, sich selbst schlau zu machen. Oder aber man zieht den Rat von Verbraucherzentralen und unabhängigen Honorarberatern heran, die dann objektiver, jedoch gegen Dirketbezahlung beraten.

Selten hilft es auch, seine Anlagestrategie einfach nach den Trends auszurichten, wie Patrick Bernau in der aktuellen Ausgabe der F.A.S. berichtet (S. 41, online zum Kauf). Denn, sobald ein Trendprodukt erkannt ist, verliert es an Rentabilität. So auch im aktuellen Fall der Wertpapiere mit Inflationsschutz, die Banken nach wie vor gerne ihren Kunden empfehlen. Da die Inflation aktuell wieder zurückgeht, gibt es für Produkte wie die Inflationsanleihe gerade mal 3,5 Prozent - ein Tages- oder Festgeldkonto hingegen kann bis zu 5 Prozent Zinsen bringen. Ein Sprecher von der HVB erklärt, warum er trotzdem gerne zu den Inflationsprodukten rät:

Inflation ist im Moment ein Thema bei unseren Kunden. Einige gehen davon aus, dass die Inflation weiter so hoch bleibt, weil sie das in den vergangenen Monaten erlebt haben.

Das ist ja alles schön und gut. Was aber haben die Kunden davon, wenn ihre Bank ihnen zu Trends rät, die sie selbst im Anlagemagazin gelesen haben? Qualitative Beratung besteht sicherlich vielmehr darin, neue Trends für die Kunden aufzuspüren oder etwas nicht?

Dies ist nur ein Beispiel dafür, wie es in der Vergangenheit immer war: sobald sich Fonds und Zertifikate an einen Trend anpassten, rentierten es sich das Investment kaum noch. Denn, das bestätigt auch der Kapitalmarktforscher Lutz Johanning von der Universität WHU in Valendar, die Anzahl der Menschen, die dem Trend folgen, treiben die Kurse in die Höhe. Deshalb sind die Gewinnchancen häufig nur noch gering, wenn überhaupt noch welche bestehen. Doch das hält die Geldinstitute offenbar nicht davon ab, ihre Produktberatung in Frage zu stellen. Ähnlich lief es damals zu New-Economy-Zeiten ab. Gerade hatten alle auf IT- und Multimediawerte gesetzt, da platzte die Internetblase und der Markt stürzte nach dem März 2000 komplett ab.

Wir sollten demnach nicht dem Trend folgen. Wie aber legen wir unser Geld sinnvoll an. Patrick Bernau plädiert für eine Art “back to the roots”:

Wer es sich einfach machen möchte, sollte Trends schlicht ignorieren. Es reicht dann, das Vermögen einmal gut auf die verschiedenen Regionen und Anlageklassen zu verteilen. Dann müssen Anleger nur noch darauf achten, dass Kursbewegungen das Portfolio nicht zu weit von der Grundeinstellung wegtreiben. So haben sie beste Gewinnchancen. Wenn ein ein Anleger aber Spaß daran hat, neue Trends zu suchen, und auf künftige Trends setzen will, dann sollte er auch nicht warten, bis die Finanzindustrie diese Trends per Werbebroschüre in die Welt hinausposaunt. Sondern schon vorher kaufen und sich darüber freuen, wenn die Werbeprospekte die Kurse noch einmal nach oben treiben. In dem Moment sollte er dann aber auch darüber nachdenken, ob er seine Kursgewinne nicht lieber zu Geld macht.

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