Analyse gegen Bezahlung: Nebenwerte brauchen Kaufempfehlungen

15. August 2008 von Anna Friedrich

Klein aber fein hilft an der Börse leider wenig. Während es den Dax-Unternehmen nicht an Analysten fehlt, werden kleine Werte meist ignoriert. So covern bis zu 40 Analysten die großen Aktiengesellschaften. Im SDax gelistete Werte werden teilweise nur von drei oder vier Analysten beobachtet. Aktien, die unterhalb der Wichtigkeit des viertbedeutendsten Börsenindexes SDax platziert sind, sind für die Research-Häuser größten Teils uninteressant. Von den 400 Gesellschaften die im stark regulierten Marktsegment Prime Standard notieren, werden nur 31 regelmäßig analysiert. 64 Werte weisen keinerlei Bewertungen auf. Dies berichtet das Handelsblatt.

Micro- und Small-Caps bringen den Analysehäusern keine Kohle und erhalten daher auch keine Bewertungen. Umso mehr ringen sie um die Aufmerksamkeit der Investoren: denn wird die Aktie nicht gehandelt, sinkt die Liquidität der Aktie und der Kurs wird instabil. Und wer will eine solche Aktie kaufen?

Gerade kleinere Unternehmen versuchen händerringend, die Aufmerksamkeit der Investoren zu gewinnen. Die Folge: gewinnbringende Studien müssen her und die lassen sich die - vor allem kleineren - Researchhäuser natürlich bezahlen. Unter den zahlreichen Anbietern hierzulande gehören Independent Research, SES Research (gehört zu M.M. Warburg) und die GBC AG zu den bekannteren.

Ein zurecht kritisiertes Prozedere, das an der Glaubwürdigkeit der Empfehlung zweifeln lässt. Laut einer Umfrage der Kölner Beratungsgesellschaft IR.on unter 40 institutionellen Investoren, darunter auch Allianz Global Investors, sind bezahlte Analysen umstritten. 40 Prozent der befragten Investoren verwenden keine Auftragsstudien, obwohl nur nur 15 Prozent sie kategorisch ablehnen.

Investoren halten die von den Unternehmen bezahlten Researches für zu positiv. Daher nehmen die Experten solches Material höchstens als “Notlösungen für ein Versorgung mit Basisinformationen” zur Hand. Die befragten Profis sind aber auch skeptisch gegenüber den Analysen der Investmentbanken: teilweise covern sie Unternehmen, mit denen gleichzeitig ein Designated Sponsoring-Vertrag besteht. D.h. die Banken betreuen auch den Verkauf der Aktie an der Börse. Geschäftsführer der deutschen Analystenvereinigung DVFA, Ralf Frank, sieht keinen Grund für Kritik, weder an den Investmentbanken noch den unabhängigen Analysehäusern:

Das Auftragsresearch orientiert sich an den in der Branche üblichen Standards und kann in Sachen Qualität meines Erachtens absolut mithalten.

Im Gegenteil, der Mehrwert der kleinen Researchhäuser sei klar ersichtlich:

Mit ihren Studien liefern die Analysten Informationen zu Unternehmen, die oft über mehrere Jahre öffentlich nicht wahrgenommen werden. Sie erleichtern damit Investoren ihre Anlageentscheidungen und sorgen im Idealfall für einen liquideren Handel, von dem alle Anleger profitieren.

Die Studienteilnehmer sind der Meinung, gekaufte Studien sollten die Vertragsbestandteile offenlegen sollten. Auch würde eine Ratinghistorie und ein Portrait des Analysten mehr Vertrauen bringen. Die Nebenwerte könnten aber auch einfach selbst an ihre Präsenz arbeiten und mehr Informationen veröffentlichen: durch ausführlichere Geschäftsberichte, Investoren-Roadshows und Präsentationen an Kapitalmarktkonferenzen.

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