Monatsarchiv für Juli 2008

Astrologen sind in volatilen Zeiten die besseren Analysten

Montag, den 28. Juli 2008

Anfang Juli sprach ein US-Analyst die Vermutung aus, dass General Motors pleite gehen könnte. Prompt verbreitete sich das Gerücht und die GM-Aktie fiel auf ihren tiefsten Stand seit 1954. Dabei sagte der Prognostizierende lediglich, dass er eine mögliche Bankrotterklärung von GM nicht ausschließen würde.

Ist das nicht eine Vorhersage, die jeder X-Beliebige treffen könnte? Braucht man für eine solche Feststellung einen Analysten? Aber in Zeiten der Finanzkrise herrscht an der Wall Street genau diese Ratlosigkeit, die zu katastrophalen und unzuverlässigen Prognosen führt: Analysten und die Märkte selbst können nicht mehr einschätzen, wie sich die Situation weiter entwickeln wird.

Zahlreiche Prognosen, wie im Falle von General Motors, stellen sich als schlichtweg falsch heraus. Erstaunlicherweise werden die Worte der Analysten aktuell wichtiger genommen, als dies noch vor der Hypothekenkrise der Fall war.

Denn wem trauen, wenn nicht den Analysten? Die Investoren der Wall Street versuchen, sich einen Reim auf die Aussagen der Analysten zu machen. Nach dem Motto “Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser” glauben die meisten Kritiker, dass dieser Trend gefährlich ist. Ein Blick auf die Ereignisse im letzten Jahr sollte doch eigentlich die Augen öffnen.

Es wurden so ziemlich alle Fehler gemacht, die man hätte machen können. Und die Gerüchteküche an der Wall Street rührt weiter und weiter. So auch im jüngsten Falle von Fannie Mae und Freddie Mac: die Aussage, die Aktienkurse der zwei weltgrößten Hypothekenfinanzierer sind im Keller, wäre eine absolute Untertreibung. Nicht die Unternehmensführung, sondern “böswillige Spekulanten” seien schuld am Desaster, so berichtet DIE ZEIT mit der Begründung:

Sie setzen Gerüchte um die Zahlungsunfähigkeit einzelner Banken in die Welt, um dann durch die Verunsicherung der Anleger kräftig Kasse zu machen.

Und die Welle von US-Banken, die mit neue Verluste und Abschreibungen immer weiter in die Krise stürzen, nimmt paradoxerweise kein Ende. Erst Mitte Juli gab der größte unabhängige börsennotierte Baufinanzierer IndyMac seinen Ruin bekannt. Nun sind zwei weitere US-Banken Pleite: sowohl die First National Bank of Nevada als auch die First Heritage Bank NA of California wurden letzten Freitag von den US-Behörden geschlossen. Kritik kommt auch von Online-Finanzkommentator David Weidner:

Doch statt die wirklichen Ursachen zu untersuchen, streiten die Akteure an der Wall Street sich heftig um angeblich gefährliche Gerüchteköche. Wie Highschool-Girls kommen sie weinend nach Hause gerannt.

Der ehemaligen Börsenhändler und Ökonom Nassim Nichloas Taleb schrieb in seinem Buch “Der schwarze Schwan” vom : “Unser Verlangen, uns von einer einfachereren Darstellung der Welt blenden zu lassen.” Und, Taleb sagte gegenüber der New York Times:

Ich kann kein einziges überzeugendes Argument, das mir sagt, dass Astrologen nicht die sogar besser seien als Ökonomen. Das Problem ist die Arroganz der Ökonomen. Sie bringen die Leute dazu, sich auf Theorien zu verlassen, die nicht funktioniert haben und auch nicht funtkionieren und die sehr gefährlich sind.

Solche Finanzmodelle verbreiten wie ein Hexenwerk minutenschnell unzählige Daten. Sie haben auch zum Verfall der Hypotheken geführt, indem sie annahmen, dass die Häuser in USA weniger Wert sind.

Trotzdem hören viele noch auf die analytischen Wahrsager - gerade jetzt, wo der US-Markt von den Häuserpreisen und der breiten Wirtschaft abhängt. Investoren, die nach guten Prognosen suchen, sollten wohl besser an die eigene Einschätzung glauben, so das Fazit der NYT.

Neue Features auf Stockflock

Dienstag, den 22. Juli 2008

Wir haben Neuigkeiten! Für die Aktien Analysen gibt es ab sofort eine neue Darstellung, die einfach und klar verständlich ist. Im Kurs-Chart jeder Einzelanalyse wird das Kursziel für den Prognosezeitraum durch einen roten Graph abgebildet. Die reale Kursentwicklung wird in Schwarz dargestellt. So können Sie auf einen Blick sehen, ob die Vorhersage des Analysts bzw. Investors die tatsächliche Werteentwicklung trifft.

Analysen

Auf den Stockflock-Blog können Sie ab sofort über einen Link direkt neben der Registrierung zugreifen.

stockflock-registrierung.jpg

Außerdem hat die Anmeldungsmaske zur Neuregistrierung ein neues Design.

bild-1.png

Zeit für Optimisten

Montag, den 21. Juli 2008

Der Investor und Philanthrop, Sir John Templeton, hat einmal gesagt: “Die Zeit des größten Pessimismus ist die beste Zeit des Kaufens, die Zeit des größten Optimismus ist die beste Zeit zu verkaufen.” Haben wir den Höhepunkt des Pessimismus in Deutschland bereits erreicht? Einer aktuellen Einschätzung des Finanzministeriums zufolge, ist das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal deutlich zurückgegangen. Im heute veröffentlichten Monatsbericht warnt das Ministerium jedoch vor zu starkem Pessimisumus:

“Die Konjunkturdaten zeigen zwar eine Abschwächung, nicht aber einen Abbruch der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung an.” Der Auftragsbestand in der Industrie liege noch immer über dem langjährigen Durchschnitt.

Die Abschwächung der Wirtschaft ist also nicht als das Ende der wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung zu verstehen. Trotzdem ist die konjunkturelle Lage sicherlich nicht ungünstig, um langfristig rentable Investitionen zu tätigen.

Abgeltungsteuer: Aktionäre verlieren, nur die Reichen gewinnen

Dienstag, den 15. Juli 2008

Es ist vorbei mit der Steuerfreiheit für Aktien, die für mindestens zwölft Monate gehalten werden. Ab Januar 2009 verdient der Vater Staat kräftig mit an Kursgewinnen: Aktien werden wie andere Geldanlagen besteuert, und zwar mit 25 Prozent. Die Spekulationssteuer, die im ersten Jahr auf Aktiengewinne fällig wurde, orientierte sich am Steuersatz. Ab sofort gilt der Pauschaltarif. Wer höhere Steuersätze zahlt, profitiert.

Gleiches gilt für Dividenden, bei denen bisher nur die Hälfte des Gewinns besteuert werden musste. Auch können Aktionäre Fahrtkosten zur Hauptversammlung, Verkaufsspesen und Depotgebühren nicht mehr steuerlich geltend machen (Quelle: Der Spiegel).

Wenn Anleger noch in diesem Jahr Aktien kaufen, können sie die alte Regelung noch ausnutzen: Kursgewinne aller Aktien und Fonds, in die sie bereits investiert sind, bleiben steuerfrei - nach der Spekulationsfrist und unabhängig, wie lange die Aktien gehalten werden. Nur der neue Steuersatz von 25 Prozent auf die Dividenden dieser Aktien bleibt dann im nächsten Jahr nicht aus. Die Besteuerung ist ein klarer Nachteil für Privatanleger, die bisher die Kursgewinne komplett einbehalten konnten.

Für wen die steuerliche Bevorzugung bleibt, sind die Großen und Reichen: Banken, Versicherungen und vermögende Privatkunden müssen nicht zahlen. Ihre Berater haben sich auf die Umgehung dieses Gesetzes spezialisiert. Ganz einfach, zum Beispiel über Versicherungsmäntel nach Liechtensteiner Recht, kann man die Abgeltungsteuer umgehen - legal. Vermögensverwalter Frank Schneider bestätigt gegenüber dem Spiegel:

Die kleinen Sparer werden viel stärker als die großen durch die Abgeltungsteuer belastet.

Privatanlegern werden zur Umgehung der Abgeltungsteuer fondsgebundene Lebensversicherungen angeboten. Der Haken ist, dass diese Versicherungsverträge sich steuerlich nur lohnen, wenn man über einen langen Zeitraum spart, wie das Handelsblatt berichtet.

Offenbar zu Unrecht empfehlen Banken ihren Kunden derzeit, in Dach- und Mischfonds zu investieren. Experten wie Christian Kreuser von der Quirin Bank warnen aber aufgrund der hohen Fondsgebühren vor deren Rentabilität. Die nämlich fressen machen die Steuerersparnis wieder zunichte.

Deshalb bleibt die Direktanlage attraktiv, so Michael Huber vom VZ Vermögenszentrum in der FAZ:

Auch wenn Aktien ihren Steuervorteil einbüßen, sind sie in Zukunft die rentierlichste Anlageklasse - sogar nach Steuern.

Gewinner-Aktien trotz Finanzkrise

Freitag, den 11. Juli 2008

Steigende Inflationsraten führen ganz klar zu niedrigeren Bewertungen am Aktienmarkt. Aber, es gibt sie noch: Aktien, mit denen man selbst in turbulenten Börsenphasen Gewinne erzielen kann. Welche das momentan sind? Das Handelsblatt hat darüber berichtet.

Analystenstudien zufolge haben sich Aktien der Energiebranche zu Inflationszeiten als Gewinner bewährt. Konsumgüteraktien dagegen mussten aufgrund der Teuerungsraten derbe Verluste einstecken. Schaut man sich die momentane Kurseentwicklung von Werten dieser Branche an, so ist dies immer noch zutreffend. Senior Strategist von Allianz Global Investors (AGI) erklärt gegenüber dem Handelsblatt:

Ein wichtiges Kriterium für die Aktienauswahl im inflationären Umfeld ist, inwiefern ein Unternehmen steigende Kosten weitergeben kann. Dies spricht für Unternehmen, die am Beginn der Produktionskette stehen, also die Roh- und Grundstoffindustrie sowie Öl- und Gastitel.

Daher sollten Anleger bei Investitionen in Werte aus dem Konsumgüterbereich besonders kritisch sein. Generell kommt es aber auch auf die Preismacht der Unternehmen an, die wiederum von der Marktpositionierung ihrer Produkte abhängig ist.

Schaut man sich die Unilever-Aktie an, so ist klar, dass Analysten die Marktlage völlig falsch eingeschätzt haben. Trotz der Produktbreite und Markenstellung des Konsumgüterherstellers hat die Aktie starke Verluste eingesteckt: momentan ist sie mit 17,50 Euro (XETRA) bewertet gegenüber dem 52-Wochenhoch von 25,34 Euro im Dezember letzten Jahres.

Die Aktie der KTG Agrar AG hat einen regelrechten Senkrechtstart in den letzten Monaten hingelegt: der Wert notiert momentan bei 18,90 Euro (XETRA) und hat sich damit von seinem 52-Wochentief von 9,55 Euro Ende Januar erholt.

Insider-Wissen: Schlaue Manager kaufen eigene Aktien

Dienstag, den 8. Juli 2008

35,9 Prozente Rendite hat der Escada-Aufsichtsratschef mit dem Kauf der Escada-Aktie erzielt. Ob das mit rechten Dingen zuging? Ganz klar hat sich Claus Mingers Firmenwissen zu Nutze gemacht, über das Aussenstehende nicht verfügen.

Gerade jetzt, wo Aktien “billig” sind, kaufen Vorstände und Aufsichtsräte fleißig Aktien ihrer Unternehmen ein. Die FTD misst mit ihrem Insiderindex das Vertrauen der Führungskräfte: der lag zuletzt bei 97,8 von 100 Punkten. Manager sind also ähnlich optimistisch gestimmt, wie Banken (s. Blogeintrag Alles nur Schwarzmalerei?).

Hendrik Leber, Chef der Anlageberatung für Investmentfonds Acatis, ist überzeugt, dass Insiderdaten die kurzfristige Kursentwicklung indizieren: “Die Spitzen in der Kurve der Insiderkäufe passen gut auf die Tiefpunkte am Aktienmarkt.” Leber glaubt aber, dass die Insider in diesem Jahr bisher zu optimistisch waren - trotzdem sei es möglich, dass die Käufe sich langfristig lohnen.

Auch Kleinanleger können von den Transaktionen der Firmenbosse lernen! Die Manager jedenfalls, die die FTD auflistet, lagen in der Vergangenheit alle richtig:

Allerdings lohnt der Mut zum antizyklischen Verhalten nicht immer - das Risiko bleibt auch der Managementebene nicht verwehrt:

BaFin rät zu Vorsicht bei ausländischen Werten im Freiverkehr

Donnerstag, den 3. Juli 2008

Anleger sollten Kaufempfehlungen für Werte im Freiverkehr kritisch begegnen - vor allem, wenn die Aktiengesellschaften im Ausland sitzen. Dies gab die BaFin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht) vor wenigen Tagen bekannt und erklärt:

Im Ausland gegründete Aktiengesellschaften, etwa aus den USA, Kanada oder der Schweiz, werden häufig in den Freiverkehr an deutschen Börsen einbezogen. In der Vergangenheit haben verschiedene Börsenbriefe viele dieser Gesellschaften massiv zum Kauf empfohlen. Anstelle des von den Anlegern daraufhin erhofften dauerhaften Kursanstiegs kam es in den meisten Fällen jedoch innerhalb kürzester Zeit zu enormen Kursverlusten.

Unklar bleibt, warum Börsenbriefe diese Aktiengesellschaften durch die Bank weg positiv bewertet haben, wenn alle Investments nur Verluste bereitet haben. Dies zeigt einmal mehr, dass der Privatanleger sich nicht auf professionelle Analysen verlassen kann. Stockflock bietet Ihnen die Möglichkeit, um sich mit anderen Anlegern auszutauschen und bessere Empfehlungen abzugeben, als die Profis!

Alles nur Schwarzmalerei? Deutsche Geldinstitute sind positiv gestimmt

Dienstag, den 1. Juli 2008

Im kürzlich veröffentlichten Bankenbarometer befragte ein Meinungsforschungsinstitut im Auftrag von Ernst & Young rund 120 Geldinstitute in Deutschland. Das Ergebnis ist überraschend: trotz der Finanzkrise, unter der einige deutsche Banken leiden, ist die Stimmung unter den Bankern insgesamt gut.
Ein Großteil der Befragten ist der Meinung, dass die Kapitalmarktkrise keine großartigen Auswirkungen auf ihr Institut hat. Einzige Ausnahme: bei der Kreditvergabe ist offenbar mehr Vorsicht angesagt. 95 Prozent der Banken sagen, dass ihr Geschäft gut gelaufen ist. 20 Prozent halten die Entwicklung ihres Geschäfts sogar für sehr positiv. Head of Assurance Banking von Ernst & Young, Dirk Müller-Tronnier, kommentiert die Ergebnisse so:

Die operative Kraft der Banken scheint zumindest aktuell von der Finanzkrise wenig beeinflusst. Dennoch wird die Finanzmarktkrise zumindest bei denjenigen Banken, die in betroffene Finanzmarktinstrumente investiert haben, durch die entstandene Eigenkapitalbelastung auch Auswirkungen auf die operative Geschäftstätigkeit haben.

Ebenfalls ergab die Studie, dass 91 Prozent der Banken auch zukünftig mit einer positiven Entwicklung des operativen Geschäfts rechnen. Darüber hinaus sollte die gute Stimmung auch positive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben: 88 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Zahl der Mitarbeiter unverändert bleibt. 34 Prozent rechnen sogar mit zusätzlichen Arbeitsplätzen, 12 Prozent wollen weniger Beschäftigte.

Deutlich wird jedoch, dass der Bankensektor aus der Finanzkrise seine Lehren gezogen hat. So legen Banken beim Vergeben von Krediten sehr viel mehr Vorsicht an den Tag. Lediglich sechs Prozent erwarten zukünftig eine großzügigere Kreditvergabe.