Fondsmanager sind pessimistisch - Rezession möglich

19. Juni 2008 von Anna Friedrich

Eine für Merrill Lynch durchgeführte Umfrage (via FAZ) ergab, dass Fondsmanager die Marktentwicklung skeptisch sehen. Demnach glauben die Befragten, dass die Aktien zu 27 Prozent überbewertet sind. Gemäß Umfragestatistik ist das die pessimistischste Einstellung gegenüber Aktien seit zehn Jahren.

Diese Einschätzung korreliert auch mit dem OECD-Frühindikator und anderen Wachstumsprognosen wie z.B. die der ZEW (siehe auch Blogeintrag Ist nun Schluss mit dem Boom?). Etwa zwei Drittel der befragten institutionellen Anleger erwarten, dass das weltweite Wirtschaftswachstum innerhalb der nächsten zwölf Monate zurückgehen wird. Mehr als 80 Prozent der Fondsmanager halten daher auch die Gewinnschätzungen von Unternehmen für zu hoch.

Ein Drittel der Befragten erwartet auch in Europa eine höhere Inflationsrate. Um den inflationären Preisanstieg zu stoppen, sei es daher vorstellbar, dass die Notenbanken, darunter auch die EZB, ihre Leitzinsen bald um zwei Schritte erhöhen könnten. Fazit: die Gewinnerwartungen europäischer Firmen sind unter dem Durchschnitt, und die Qualität der Gewinne nimmt ebenfalls ab.

Ebenso halten 70 Prozent der Fonds-Manager den Euro für übergewichtet. Da Europa stark vom Export abhängig ist, sei dies besonders riskant. Darüber hinaus halten sie Öltitel in Europa stark über- und Finanztitel stark unterbewertet.

Die Übersicht zeigt, dass Titel in der Versorgungsbranche offenbar überschätzt werden, wohingegen Pharma- und Banktitel ein Schnäppchen seien. Gerade Investitionen in der Finanzbranche allerdings, so die Untersuchung, seien risikobehaftet.

Börsenexperte Felix W. Zulauf hält eine Rezession allerdings nicht unbedingt für schlecht:

“Grundsätzlich hat eine Rezession auch ihr Gutes. Sie eliminiert die Exzesse des Aufschwungs. Zudem handelt es sich bei einer Rezession ja um eine relativ kurze Zeit. Eine Rezession ist also etwas Natürliches.”

Vielleicht gibt das ja Trost. Ausserdem bezieht sich das “Up und Down” an der Börse ja nicht auf einzelne Werte. Die Perlen gilt es nach wie vor zu finden. Z. B. herrscht laut Herrn Zulauf ein Boom bei Rohstoffen und Energiewerten. Dieser hinge, so der Profi, mit dem Aufstieg Chinas und anderer Emerging Markets zusammen, die den Konjunkturzyklus wesentlich mitbestimmen.

Insgesamt jedoch geht es ruhig zu auf den Börsenparketten: ein klares Zeichen dafür, dass institutionelle wie auch private Anleger verunsichert sind und erst einmal die Marktentwicklung abwarten. Folglich bleiben aber auch die Kurse relativ stabil, was dem Markt eine gewisse Dynamik nimmt. Das Desinteresse der Investoren am ersten deutschen IPO-Kandidaten des Jahres, GK Software AG, zeigt, dass das Marktumfeld schwach ist.

Jedem Abschwung, soviel steht fest, folgt auch wieder eine Phase des Aufschwungs.

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